„Cowboy Henk“ : Der surreale Hedonist

„Nicht immer gut, aber wenn er gut ist, dann ist er richtig gut“, urteilte Umberto Eco über „Cowboy Henk“. Jetzt gibt es einen neuen Sammelband und einen Auftritt auf der Buchmesse.

Marc-Oliver Frisch
Pointierte Abstrusität: Ein Strip aus dem Sammelband - für die Komplettansicht auf das Kreuz klicken.
Pointierte Abstrusität: Ein Strip aus dem Sammelband - für die Komplettansicht auf das Kreuz klicken.Foto: Edition Moderne

Er trägt die tollste Tolle seit Elvis, hat das kantigste Kinn seit John Wayne, und sein Body ist gebuildeter als der von Charles Atlas. Henk heißt er, Cowboy ist er, doch für diesen Bonvivant des Absurden ist das keine Berufsbezeichnung, sondern ein Way of Life. Äußerlich an den frühen Brando in „Endstation Sehnsucht“ oder die Aktmodelle Bob Mizers erinnernd, scheint Henk von kindlicher Lebenslust getrieben. Stets folgt er seinem eigenen Kompass, der ebenso souverän wie unergründlich an aller konventionellen Logik vorbei zeigt, ohne dass ihn das groß jucken würde. Im Gegenteil: Allein die Vorstellung, beim Bäcker (!) Brot (!!) zu kaufen (!!!), verursacht ihm Alpträume; wenn es ihm nicht bizarr oder derbe genug zugeht, gerät Henk ins Schwitzen. Moderne Kunst hingegen gehört - neben Frauen, Erektionen und Hundehaufen - ausdrücklich zu seinen Interessengebieten. Wie als Gegenentwurf zum zugeknöpften Geist der 1980er Jahre frönt der flämische Draufgänger einem bis ins Surreale enthemmten Hedonismus.

Sternstunden des Tragikomischen: Ein weiterer Strip aus dem Sammelband - für die Komplettansicht auf das Kreuz klicken
Sternstunden des Tragikomischen: Ein weiterer Strip aus dem Sammelband - für die Komplettansicht auf das Kreuz klickenFoto: Edition Moderne

„Cowboy Henk“ gab seinen Einstand am 24. September 1981 in der Brüsseler Tageszeitung „Vooruit“, die alsbald in „De Morgen“ umbenannt wurde, ehe er im Folgejahr zur Wochenzeitschrift „Humo“ wechselte, in der er bis heute erscheint. Der spärlich betextete, visuell der Ästhetik Hergés und Joost Swartes folgende Strip stammt von Szenarist Luc Zeebroek und Zeichner Peter van Heirseele, besser bekannt als Kamagurka und Herr Seele. Zu seinem 35. Geburtstag ist nun, zum zweiten Mal nach 1994, ein Sammelband auf Deutsch erschienen. Und Herr Seele präsentiert das Werk auf der Frankfurter Buchmesse, wo Flandern und die Niederlande in diesem Jahr Ehrengast sind.

Jetzt auch auf Deutsch: Das Cover des Sammelbandes.
Jetzt auch auf Deutsch: Das Cover des Sammelbandes.Foto: Edition Moderne


Einige der Gags sind albern und harmlos, und jene, die auf Kosten von Frauen oder Minderheiten gehen, werden auch durch längeres Nachdenken nicht besser. Die gerne kolportierte Feststellung Umberto Ecos hat jedoch Bestand: „‚Cowboy Henk’ ist nicht immer gut, aber wenn er gut ist, dann ist er richtig gut.“

So geradlinig die Figur in ihrer Unberechenbarkeit anmutet, so verlässlich der Stil der beiden Schöpfer. In den besten Momenten verstehen es Zeebroek und van Heirseelen, Witziges, Anrührendes und Abstoßendes nahtlos miteinander zu verflechten. Cowboy Henks Versuche, eine verlassene Vogelbrut zu wärmen, im Schatten eines Baums mit einem Buch zu entspannen oder einen Fisch vorm Ertrinken zu retten, sind kleine Sternstunden des Tragikomischen. Die pointierte Abstrusität mancher Episoden überfordert so vollständig, dass einem gar nichts anderes mehr übrig bleibt als zu lachen.

Kamagurka und Herr Seele: Cowboy Henk, Edition Moderne, 114 Seiten, 29 Euro

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