Crossover : Auf den Punk gebracht

In seiner Graphic Novel "Spunk" beschreibt der Israeli Gabriel Moses die Musikszene und Gegenkultur seiner Heimat.

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Am Ende geht es doch wieder nur um Liebe. Um den Ich-Erzähler, Anfang zwanzig, und seine starken Gefühle für die trotzige JJ, die gerade mal 15 ist, aber in mancher Hinsicht doch reifer wirkt als er, zumindest viel krasser. Die sich manchmal unnahbar gibt und dann wieder brutale Nähe sucht, und die sich nachts vor den Rechner setzt und Blogeinträge schreibt wie: "Meine Ma sagt, dass ich immer meine Milch trinken soll... Ohne Milch wird mein Körper nicht wachsen. Bitch, ich hasse es, angelogen zu werden."

Beide gehören der israelischen Punkszene an, und das traf auch auf Comic-Zeichner, Texter und Musiker Gabriel Moses zu, bevor er vor zwei Jahren nach Berlin zog und hier seine erzählerisch als auch stilistisch sehr erfrischende Graphic Novel "Spunk" zeichnete.

In Moses' Punkszene gibt es keine Irokesenschnitte und auch keine obligatorischen Bierdosen, die sich Jugendliche an ihren Schädeln eindrücken. Es sind Skater-Punks der Nullerjahre, die sich ärgern, dass Blink182 tatsächlich kommerziell geworden sind, die Emo-Kids hassen und nicht recht wissen, ob man Myspace nun cool oder doof finden soll. Der heute 27-jährige Moses hat auf einen klaren Handlungsstrang verzichtet, spielt lieber mit Collagen und assoziativen Einschüben. Manchmal bestehen seine Sprechblasen bloß aus wenigen Wörtern, manchmal schreibt er gleich eine ganze Seite voll. Dazu kommen wirre Dialoge, die man kaum einzelnen Figuren zuordnen kann, außerdem Stickersprüche und JJs fiktive Blogeinträge. Viele Bilder sind absichtlich verschwommen, auf Panelbegrenzungen wurde meist verzichtet, und wenn nicht, hat der Zeichner zumindest außen mit Schmierschrift drumherum gekritzelt.

Weil Gabriel Moses nicht nur mit Stift und Papier, sondern nach eigenen Angaben auch sehr viel mit Photoshop gearbeitet hat, wurde seine Graphic Novel letztlich ein ebensolcher Crossover-Bastard wie die Punkszene, die er beschreibt. Kurios ist der Anhang, in dem er 120 seiner Lieblingsbands in alphabetischer Reihenfolge auflistet und sie einer Stilrichtung zuordnet ("Mondo Gecko: Hardcore, Monkey Son Of A Donkey: Sludge, Mono Addicted Acid Man: Indie") und außerdem in einer Fußnoten-Sammlung Punkabkürzungen, aber auch jiddische Fremdwörter erklärt.

Gabriel Moses: Spunk. Eine Graphic Novel, 96 Seiten, 18 Euro, Archiv der Jugendkulturen.

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