DC-Comic : Keep Smiling

Zwei Comic-Meister setzen Heath Ledger mit der Graphic Novel „Joker“ ein Denkmal.

Lars von Törne
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Nicht Jack Nicholson. Man sieht, welcher Joker gemeint ist.Foto: promo

Heath Ledger lebt. Die letzte große Rolle vor seinem Tod, die Darstellung des psychopathischen Killers namens Joker im letzten Batman-Film „The Dark Knight“, war nicht der letzte Beitrag Ledgers zur Batman-Mythologie. Posthum hat der Schauspieler jetzt einen weiteren Auftritt als sadistischer Gegenspieler des Dunklen Ritters. In der Comic-Erzählung „Joker“ von Autor Brian Azzarello und Zeichner Lee Bermejo lebt der ewig grinsende Unterweltprinz so fort, wie ihn der Anfang 2008 gestorbene Ledger auf der Leinwand neu definiert hatte.

In beklemmend realistischen, teils getuschten, teils gezeichneten Bildern haben Bermejo und Azzarello ihren Joker offensichtlich exakt nach Ledgers Vorbild gestaltet, vom blutig geschwulstigen Mund im verschmierten Clownsgesicht über die zwischen grenzenloser Belustigung, Wahnsinn und Hass changierenden Augen bis hin zum grünlich-verfilzten Haarschopf.

Ein Rachefeldzug gegen abtrünnige Unterwelt-Figuren

Zum Glück haben die Autoren/Zeichner aber nicht versucht, den Kinofilm nachzuerzählen.

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Heath Ledger setzte neue Maßstäbe für die Interpretation der klassischen Rolle des Jokers.Foto: Promo

Sondern sie haben den Ledger-Joker ins Zentrum einer packenden Geschichte gestellt, in der es um einen Rachefeldzug gegen abtrünnige Unterwelt-Figuren geht, die den Joker hintergangen haben, als er eine Auszeit in der geschlossenen Anstalt zu verbringen hatte.

Azzarello und Bermejo haben die Geschichte so angelegt, dass die Hauptfigur ihren Wahn und ihre Gelüste so ausleben kann, wie es Heath Ledger auf der Leinwand auf atemberaubende Weise vorgeführt hat - nur dass es diesmal mit den Mitteln des Comics passiert, in dichten Bildstrecken, die nahtlos ineinander übergehen und neben den meisterhaften Zeichnungen durch eine atmosphärisch vielseitige Kolorierung bestechen.

Handwerkliche Perfektion, beklemmender Realismus

Aus der üblichen Superhelden-Massenware sticht „Joker“ auch deswegen heraus, weil es ähnlich wie „The Dark Knight“ eigentlich kaum eine Batman-Geschichte ist, auch wenn das Buch seinen Namen mit auf dem Titel trägt.

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Bis auf wenige Gastauftritte des maskierten Rächers am Rande dreht sich aber in diesem Buch alles um seinen Gegenspieler, den dauergrinsenden Quälgeist, der seine einstigen Gangsterfreunde auf die ihm eigene euphorisch-brutale Art dafür bezahlen lässt, dass sie ihn hintergangen haben.

Zusätzliche Spannung erzeugt Azzarello durch die Erzählperspektive: Der Leser erlebt den Rachefeldzug quasi an der Seite des Jokers, da der Ich-Erzähler ein kleiner Gangster ist, der dem Joker als Chauffeur dient und ihn bei seiner Tour durch die Unterwelt begleitet – bis auch seine Stunde geschlagen hat.

Die Bilder, in denen Bermejo diese immer wieder von Gefühlsausbrüchen des Jokers durchzogene Gewaltorgie erzählt, sind von handwerklicher Perfektion und vor allem in den Szenen, in denen der hart gezeichnete Stil in einen sanfter wirkenden getuschten Look übergeht, von beklemmendem Realismus. Ein würdiges Comic-Denkmal für einen großartigen Übeltäter und seinen viel zu früh gestorbenen Darsteller.

Brian Azzarello und Lee Bermejo: Joker. 124 Seiten, 16,95 Euro Softcover, 25 Euro Hardcover, DC Premium / Panini-Verlag

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