Der Tagesspiegel-Fragebogen (17) : 15 Fragen an - Robert Heracles

Wir haben Comicschaffenden je 15 Fragen gestellt - zu ihrer Arbeit, zu ihren Vorbildern und zur Lage der Comic-Nation. Heute: Robert Heracles („Noli Me Tangere“, „Son of the Sun“)

Robert Heracles (rechts) und Ingo Schwedler beim Comicsalon Erlangen. Foto: Lars von Törne
Robert Heracles (rechts) und Ingo Schwedler beim Comicsalon Erlangen.Foto: Lars von Törne

1. Was kommt bei Ihrer Arbeit zuerst: Worte oder Bilder?
Das ist sehr verschieden. Bei „Noli Me Tangere“ stand zum Beispiel eindeutig der titelgebende Begriff im Vordergrund, aus dem dann eine Story entstand. Bei „Son of the Sun“ nahm alles den Anfang durch eine Melodie und die Vorstellung eines andinen Soldaten, der dazu marschieren könnte. In manchen Fällen ist es aber auch eine mögliche Situation oder Szene, vielleicht auch ein spezieller Überraschungseffekt, um den dann eine ganze Geschichte gespannt werden will.

2. Hören Sie beim Zeichnen Musik, und wie beeinflusst Sie das?
Beim Zeichnen ja, in der Planungsphase mit Skript und Thumbnails eher weniger, da das die Gedanken doch etwas durcheinander bringt. Sobald es aber mit Bleistift oder Tusche aufs Papier losgeht, höre ich sehr gerne Musik. Das steigert die Freude an der Arbeit.

3. Was essen und trinken Sie am liebsten bei der Arbeit?
Keine besonderen Vorlieben.

4. Angenommen, Ihre Wohnung brennt: Welche Comics würden Sie auf jeden Fall aus Ihrem Regal retten?
Als erstes würde ich mir wohl „The Dark Knight Returns“ von Frank Miller greifen. Und danach, falls die Flammen noch nicht zu hoch schlagen, „Watchmen“ von Alan Moore.

5. Welche Zeichner/Autoren waren für Ihre eigene Entwicklung die prägendsten?
Hinsichtlich der Zeichnungen sicherlich all die Marvel- und DC-Zeichner, deren Beiträge damals Mitte der 90er in den guten alten Dino-Comics erschienen sind. Bei den Autoren gibt es wiederum viele. So kann beispielsweise Frank Miller hervorragend die Gedanken- und Seelenwelt seiner Protagonisten durch die Kombination aus Wort und Bild darstellen. Aber was das Erzählerische betrifft, finde ich auch nicht-graphische Werke sehr inspirierend, hier begeistern mich insbesondere Werke aus der amerikanischen Science-Fiction-Literatur.

6. Welches Comic-Buch/Heft/Album würden Sie jemandem empfehlen, der sonst eigentlich keine Comics liest?
Neben den unter Punkt 4 genannten Comics wären da sicher die Werke von Scott McCloud zu empfehlen. Da er in seinen Büchern, die ja gleichzeitig Comics sind, die ganze Vielfalt und die Möglichkeiten des Mediums beschreibt, ist das vielleicht ein guter Einstieg, um Begeisterung für Comics zu entfachen.

7. Glauben Sie, dass dem Comic die Aufmerksamkeit zuteil wird, die er verdient?
Hierzulande eigentlich nicht. Leider entgeht dadurch vielen ein großartiges Medium, das genau wie Filme oder Bücher Phantasie lebendig werden lässt. Sowohl für Leser als auch für Künstler bietet sich im Comic eine große Chance, entweder durch gute Geschichten unterhalten zu werden, oder aber selbst aktiv zu werden und seine Kreativität auszuleben.

Krieg gegen die grünen Fremden. Eine Seite aus "Son Of The Sun", dem jüngsten Gemeinschaftswerk von Robert Heracles und Ingo Schwedler, das im Oktober erschienen ist. Foto: The Next Art
Krieg gegen die grünen Fremden. Eine Seite aus "Son Of The Sun", dem jüngsten Gemeinschaftswerk von Robert Heracles und Ingo...Foto: The Next Art

8. Welche zeitgenössischen Comiczeichner/innen verdienten mehr Aufmerksamkeit als sie sie im Moment haben?
Tomppa ... und im Grunde jeder, der sich mit Herzblut für die Verwirklichung seiner Träume einsetzt.

9. Wenn Sie einen hoch dotierten Preis für das Comic-Lebenswerk zu vergeben hätten, wer würde ihn bekommen?
Ganz klar der, der ihn auch verdient hat. Also wenn es soweit ist und ich den Preis zu vergeben hätte, müsste ich mir da echt mal Gedanken drüber machen :)

10. Wie würden Sie einem Blinden beschreiben, was das Besondere an Ihren Comics ist?
Auf die Schnelle ist das natürlich etwas schwierig. Vermutlich würde es auf eine Zusammenfassung der Story hinauslaufen. Sinnvoller (wenn auch zeitaufwändiger) wäre es wohl, eine „Übersetzung“ in ein bildloses Medium vorzunehmen, in diesem Fall ein Hörspiel oder Hörbuch, mit allen erzählerischen Kunstgriffen, die da möglich sind. Die Idee ist vielleicht etwas ausgefallen, aber lustig wäre es mit Sicherheit. Neben den ganzen bekannten Ablegern a la „Comic zum Film“ oder „Buch zum Film“ gäbe es dann eben auch das „Hörbuch zum Comic“ :)

11. Woran arbeiten Sie derzeit, wenn Sie nicht gerade Fragebogen ausfüllen?
Momentan hauptsächlich an einem Beitrag für den Perry-Comic. Außerdem soll es nach den Comics „Noli Me Tangere“ und „Son of the Sun“ natürlich auch dort weitergehen. Nachdem die ersten beiden Hefte den Krieg zwischen Menschen und Außerirdischen mehr aus Sicht der Terraner geschildert haben, soll in der nächsten Geschichte die Seite der grünen Fremden beleuchtet werden.

12. Wieso würden Sie einem jungen Menschen raten, Comiczeichner/-autor zu werden – und wieso würden Sie ihm davon abraten?
Wer Spaß daran hat, Geschichten zu erzählen, die nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern bewegen und beeindrucken sollen, der ist beim Comic hervorragend aufgehoben. Okay, wer unter den gleichen Voraussetzungen auch noch das nötige Kleingeld hat, um aus seiner Idee gleich einen Film zu machen, der sollte vermutlich dieses tun :) Comics bieten aber mehr als die schlichte Kombination aus Bild und Text, weshalb mit ihnen im gewissen Sinne auch mehr möglich ist, als mit Büchern oder Filmen. Fehlt eigentlich nur noch Durchhaltevermögen und ein starker Wille, denn wie bei jeder Betätigung kommt der Erfolg nicht von heute auf morgen.

13. Wie fühlt es sich für Sie an, Ihre Zeichnungen als gedruckte Bücher in der Hand zu halten?
Genial! Eine der schönsten Phasen in diesem Schaffensprozess ist es, wenn die fertigen Seiten bei der Druckerei liegen und man sich auf das Resultat freuen kann.

Von Aliens bedroht: Cover von "Noli me tangere" von Robert Heracles und Ingo Schwedler. Foto:
Von Aliens bedroht: Cover von "Noli me tangere" von Robert Heracles und Ingo Schwedler.

14. Welche Note hatten Sie im Kunstunterricht?
Meist im Einserbereich. Nur den Bildbeitrag zur Abi-Prüfung hab ich dann verhauen ... aber unter Druck arbeitet es sich eben nicht so gut.

15. Was können Sie überhaupt nicht zeichnen?
Gedanken. Aber dafür gibt's ja zum Glück die Textboxen :)

Robert Heracles, Jahrgang 1981, ist der Autor mehrerer Fantasy-Kurzgeschichten und Science-Fiction-Comics. Zusammen mit Ingo Schwedler hat er die Comics „Noli Me Tangere“ und „Son of the Sun“ geschaffen, die im Verlag The Next Art erschienen sind. Mehr über seine Kurzgeschichten und Comics gibt es auf Robert Heracles' Blog.

Alle bisher erschienenen Folgen unserer Fragebogen-Serie finden Sie unter diesem Link

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