Der Tagesspiegel-Fragebogen (20) : 15 Fragen an - Gabriel Bá

Wir haben Comicschaffenden je 15 Fragen gestellt - zu ihrer Arbeit, zu ihren Vorbildern und zur Lage der Comic-Nation. Heute: Gabriel Bá („Umbrella Academy“).

Gabriel Bá.
Gabriel Bá.Foto: Promo

1. Was kommt bei Ihrer Arbeit zuerst: Worte oder Bilder?
Als erstes kommt ein Bild, eine Sequenz, ein Ereignis. Wenn das einmal klar ist, dann denke ich mir aber erst Plot, Dialoge und Text aus, bevor ich wirklich anfange die Story zu zeichnen.

2. Hören Sie beim Zeichnen Musik, und wie beeinflusst Sie das?
Eigentlich arbeite ich immer in einer stillen Umgebung weil ich ständig mit meinem Bruder Fábio (Fábio Moon - Anm. d. Red.) rede. Würden wir Musik hören, würde das unserer Konzentration schaden.  

3. Was essen und trinken Sie am liebsten bei der Arbeit?
Ich unterbreche nur am frühen Abend mal kurz für einen Kaffee.

4. Angenommen, Ihre Wohnung brennt: Welche Comics würden Sie auf jeden Fall aus Ihrem Regal retten?
Ich würde gar nichts mitnehmen. Was für die Ewigkeit bestimmt ist, wird das Feuer schon überleben.

5. Welche Zeichner/Autoren waren für Ihre eigene Entwicklung die prägendsten?
Laerte, ein brasilianischer Cartoonist, der Stories schreibt, die in São Paulo spielen und von realen Menschen handeln, die in meiner Stadt und meiner Nachbarschaft leben. Als ich aufgewachsen bin, hat mir das sehr viel bedeutet. Ich respektiere ihn sehr für sein Werk und Leben.

6. Welches Comic-Buch/Heft/Album würden Sie jemandem empfehlen, der sonst eigentlich keine Comics liest?
„Fun Home“ von Alison Bechdel wäre ein guter Anfang, oder Craig Thompsons „Blankets“. Das aktuellste wäre David Mazzuchellis „Asterios Polyp”. Und ganz ehrlich: Ich würde auch noch „Daytripper“ empfehlen, das ich gerade erst mit meinem Bruder gemacht habe.

7. Glauben Sie, dass dem Comic die Aufmerksamkeit zuteil wird, die er verdient?
Das hängt stark von dem Land ab. In Brasilien könnte er mehr Aufmerksamkeit vertragen. In Frankreich wird er hingegen sehr geschätzt und erreicht Millionen von Lesern. Seit ich in Brasilien bin, versuche ich immer, mich für Comics stark zu machen.

8. Welche zeitgenössischen Comiczeichner/innen verdienten mehr Aufmerksamkeit als sie sie im Moment haben?
Der italienische Zeichner Gipi. Oder Sam Hiti.

9. Wenn Sie einen hoch dotierten Preis für das Comic-Lebenswerk zu vergeben hätten, wer würde ihn bekommen?
Vielleicht Kazuo Koike?

Drama, Slasher, Krimi: Eine Seite aus dem Buch.
Drama, Slasher, Krimi: Eine Seite aus dem Buch.Foto: CrossCult

10. Wie würden Sie einem Blinden beschreiben, was das Besondere an Ihren Comics ist?
Die besten Geschichten finden nicht auf den Seiten statt, sondern zwischen den Bildern und im Kopf des Lesers.

11. Woran arbeiten Sie derzeit, wenn Sie nicht gerade Fragebogen ausfüllen?
Gerade bin ich mit dem dritten Album von „Casanova“ beschäftigt, das Matt Fraction schreibt und das bei Icon erscheint.

12. Wieso würden Sie einem jungen Menschen raten, Comiczeichner/-autor zu werden – und wieso würden Sie ihm davon abraten?
Wenn jemand Geschichten erzählen will und es liebt, das Leben in Bildern nachzuzeichnen, dann sind Comics das richtige für ihn. Falls jemand ein leichtes Leben will und einen lauen Bürojob, der die Miete zahlt, dann: Finger weg!

13. Wie fühlt es sich für Sie an, Ihre Zeichnungen als gedruckte Bücher in der Hand zu halten?
Es ist, als wäre man wieder ein Kind. Das einzige, was das noch schlägt, ist das Gefühl, wenn jemand dir sagt, wie sehr er deine Geschichte liebt, oder dass mein Comic ihn auf eine besondere Weise berührt hat.

14. Welche Note hatten Sie im Kunstunterricht?
Immer zehn Punkte, beziehungsweise ein „A“.

Gabriel Bá (34) lebt und arbeitet in Sao Paolo, Brasilien, wo er sich gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Fabio Moon ein Atelier teilt. Bá zeichnet und schreibt seit gut 15 Jahren Comics – oft gemeinsam mit seinem Bruder. Seine mit Abstand bekanntesten Arbeit dürfte die von Chemical-Romance-Sänger Gerard Way (zum Tagesspiegel-Interview mit ihm geht es hier) geschriebene Serie „Umbrella Academy“ sein, die 2008 mit dem „Eisner Award“ ausgezeichnet wurde. Vor kurzem erschien der zweite Sammelband der schrägen Superhelden-Reihe unter dem Titel „Dallas“ (Rezension hier). Eine Auswahl seiner erschienenen und Informationen über  kommenden Projekte finden sich auf der Webseite fabioandgabriel.blogspot.com.

Alle bisher erschienenen Folgen unserer Fragebogen-Serie finden Sie unter diesem Link

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