Der Tagesspiegel-Fragebogen (28) : 15 Fragen an - Thomas Wellmann

Wir haben Comicschaffenden je 15 Fragen gestellt - zu ihrer Arbeit, Vorbildern und zur Lage der Comic-Nation. Heute: Thomas Wellmann, der gerade sein Debüt-Buch „Der Ziegensauger“ veröffentlicht hat.

Der Künstler im Selbstporträt. Zeichnung: Thomas Wellmann
Der Künstler im Selbstporträt.Zeichnung: Thomas Wellmann

1. Was kommt bei Ihrer Arbeit zuerst: Worte oder Bilder?
Das ist unterschiedlich. Oft fange ich mit einem Charakter oder einer bestimmten Atmosphäre an. Dann denke ich mir eine Geschichte dazu aus.

2. Hören Sie beim Zeichnen Musik, und wie beeinflusst Sie das?
Ich höre viel Musik, hauptsächlich zur Unterhaltung, aber auch um in  Arbeitsfluss zu kommen. Ich schaue beim Arbeiten auch Filme oder Serien.

3. Was essen oder trinken Sie am liebsten bei der Arbeit?
Kaffee, Wasser, Tee, Obstsaft oder auch mal Wein und Bier. Zum essen mache ich Pause.

4. Angenommen, Ihre Wohnung brennt: Welche Comics würden Sie auf jeden Fall aus Ihrem Regal retten?
Die Gus-Reihe von Christophe Blain, einige Zines von Chris Eliopoulos und Michael Deforge, sowie das grandiose Stimmungscomic „Das Internet“ von Nadine Redlich.

5. Welche Zeichner/Autoren waren für Ihre eigene Entwicklung die prägendsten?
In willkürlicher Reihenfolge: Christophe Blain, Joann Sfar, Don Rosa, Mike Mignola, Franquin, Akira Toriyama, Jim Henson, Bill Watterson, Jason, Dave Cooper, Max „Mexer“ Fiedler, Mawil, Olaf Albers, Nadine Redlich, Andreas Schuster, Wilm Lindenblatt, Scott C, Jamie Hewlett, Marc Boutavant, John K., Pen Ward, Gipi, Hayao Miyazaki, Chris Sanders, Nicolas Marlet, Loriot, Mahler, Jens Harder, Janosch, Warwick Johnson Cadwell, Michael Deforge, David Oreilly, Superbrothers, Studio 4°c, und im Moment finde ich viele flämische Künstler spannend, wie Brecht Evens, Oliver Schrauwen und Sam Vanallemeersch.

Rau aber herzlich: Eine Szene aus „Der Ziegensauger“. Illustration: Wellmann
Rau aber herzlich: Eine Szene aus „Der Ziegensauger“.Illustration: Wellmann

6. Welches Comic-Buch/Heft/Album würden Sie jemandem empfehlen, der sonst eigentlich keine Comics liest?
„Ripple“ von Dave Cooper. Und die Gus-Reihe von Christophe Blain.

7. Glauben Sie, dass dem Comic die Aufmerksamkeit zuteil wird, die er verdient?
In Deutschland wird die Wichtigkeit von Comic, Animation und Videospielen unterschätzt.

8. Welche zeitgenössischen Comiczeichner/innen verdienten mehr Aufmerksamkeit als sie sie im Moment haben?
Da möchte ich die wunderbaren Freunde und Kollegen nennen, die ich in Düsseldorf während meines Studiums kennengelernt habe: Max „Mexer“ Fiedler, Olaf Albers, Nadine Redlich und Andreas Schuster. Ausserdem verdienen die drei Illustratoren des großartigen Rotopol–Verlages mehr Aufmerksamkeit: Rita Fürstenau, Lisa Röper und Michael Meier.

9. Wenn Sie einen hoch dotierten Preis für das Comic-Lebenswerk zu vergeben hätten, wer würde ihn bekommen?
Ich finde Joann Sfar ganz besonders wichtig.  Der würde ihn dann vielleicht bekommen.

Alles fließt: Zeichnungen wie diese findet man unter www.thomaswellmann.com. Zeichnung: Wellmann
Alles fließt: Zeichnungen wie diese findet man unter www.thomaswellmann.com.Zeichnung: Wellmann

10.  Wie würden Sie einem Blinden beschreiben, was das Besondere an Ihren Comics ist?
Ich glaube ich würde versuchen, einem Blinden die Geschichte zu beschreiben und was in den Bildern geschieht. Dann kann er sich selbst eine Meinung machen.

11.  Woran arbeiten Sie derzeit, wenn Sie nicht gerade Fragebogen ausfüllen?
Zurzeit arbeite ich an zwei längeren Comics und bin freiberuflicher Illustrator.

12.  Wieso würden Sie einem jungen Menschen raten, Comiczeichner/-autor zu werden – und wieso würden Sie ihm davon abraten?
Soweit ich den Eindruck habe, lebt jeder Comiczeichner/ -autor ganz anders. Daher würde ich jemandem, der gerne Comics zeichnen oder schreiben möchte, nur raten, es einfach mal auszuprobieren.

Menschenrechte: Eine weitere Arbeit von Wellmanns Website. Illustration: Wellmann
Menschenrechte: Eine weitere Arbeit von Wellmanns Website.Illustration: Wellmann

13.  Wie fühlt es sich für Sie an, Ihre Zeichnungen als gedruckte Bücher in der Hand zu halten?
Gut. Auch weil man dann mit etwas Neuem anfangen kann.

14.  Welche Note hatten Sie im Kunstunterricht?
Meistens eine ganz Gute.

15.  Was können Sie überhaupt nicht zeichnen? 
Ich glaube alles, was man denken kann, kann man auch irgendwie zeichnen. Also kann man nicht sagen, was man nicht zeichnen kann, weil man das ja nicht denken kann.

Lust und Liebe: Eine Episode aus der Anthologie »The Royal Pantytime Society Of Pricewinning Stallions Club Magazine Number One« Illustration: Wellmann
Lust und Liebe: Eine Episode aus der Anthologie »The Royal Pantytime Society Of Pricewinning Stallions Club Magazine Number One«Illustration: Wellmann

Thomas Wellmann, 1983 im Münsterland geboren, ist freiberuflicher Zeichner und lebt in Köln. Von 2005 bis 2010 studierte er Kommunikationsdesign in Düsseldorf. Zu den vielen Dingen, die er als Illustrator macht gehören 2D-Animation, Comic und Gamedesign. Vor kurzem erschien bei rotopolpress sein Debüt-Comicbuch  „Der Ziegensauger“, mehr dazu auf der Website des Verlages. Die Tagesspiegel-Rezension des Buches steht hier. Einen Überblick über seine sonstigen Arbeiten gibt es auf der Website www.thomaswellmann.com.

Haben Sie weitere Vorschläge, welche Comic-Künstler in dieser Reihe gewürdigt werden sollten? Schicken Sie uns eine E-Mail an comics@tagesspiegel.de!

Alle bisher erschienenen Folgen unserer Fragebogen-Serie finden Sie unter diesem Link

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