Der Tagesspiegel-Fragebogen (31) : 15 Fragen an - Baru

Wir haben Comicschaffenden je 15 Fragen gestellt - zu ihrer Arbeit, Vorbildern und zur Lage der Comic-Nation. Heute: der französische Altmeister Baru, von dem demnächst ein neuer Sammelband auf Deutsch erscheint.

In Ehren ergraut: Baru auf einem offiziellen Foto seines Verlages.
In Ehren ergraut: Baru auf einem offiziellen Foto seines Verlages.Foto: Casterman

Was haben Sie bei Ihrer Arbeit als erstes im Kopf: den Text oder die Bilder?
Weder noch. Zuerst ist da eine Grundsituation, die sich entwickelt, die als eine Art Gerüst funktioniert. Dann verfeinern sich Text und Bild immer mehr, bis zum  Ende dieses Prozesses, der Realisation der eigentlichen Bilder.  

Hören Sie beim Zeichnen Musik? Inspiriert Sie das?
Fast immer. Rock 'n’ Roll, sehr laut. Das inspiriert mich nicht, sondern reißt mich mit, das gibt mir Energie. Es ist für genauso wichtig wie die Luft, die ich atme.

Was essen oder trinken Sie bei der Arbeit?
Um ehrlich zu sein, ist mir das egal - was mir in die Finger gerät.

Stellen wir uns vor, Ihre Wohnung stünde in Flammen: Welchen Comic aus Ihrer Sammlung würden Sie unbedingt retten wollen?
Keinen. Ich bin kein Fetischist. Aber ich würde mein Portemonnaie retten, um Comics erneut kaufen zu können.

Welche Autoren haben ihren Stil/Ihre Entwicklung am meisten beeinflusst?
José Munoz und Jacques Tardi.

Welchen Comic würden Sie jemandem empfehlen, der eigentlich keine Comics liest?
„Blast“ von Larcenet. Wohl wissend, dass es nichts bringen würde.

Frühwerk: Dieser Sammelband erscheint im Frühjahr auf Deutsch.
Frühwerk: Dieser Sammelband erscheint im Frühjahr auf Deutsch.Foto: Edition 52

Finden Sie, dass man dem Genre Comic genügend Aufmerksamkeit schenkt?
Natürlich nicht. Aber die Ursachen hierfür sind so gravierend, dass man sich der Frage nicht mit wenigen Worten annähern kann.

Welche zeitgenössischen Comic-Zeichner und -autoren hätten mehr Aufmerksamkeit verdient als sie tatsächlich bekommen?
Jean-Claude Denis, David Prudhomme, Benjamin Flao, Igort, Gipi…

Wenn Sie einen hochdotierten Preis verleihen könnten - wer würde ihn erhalten?
Der Empfänger des Preises für das beste Albums des Jahres, in Angoulême, im Regelfall. Dieses Jahr: „5000 km pro Sekunde“ von Manuele Fior.

Wie würden Sie einer blinden Person das Charakteristische Ihrer Comics beschreiben?
Geschichten, die sich mit der Bosheit der Welt beschäftigen, gezeichnet mit einer Axt.

Grotesk: Eine Szene aus "Elende Helden".
Grotesk: Eine Szene aus "Elende Helden".Foto: Edition 52

An was arbeiten Sie zurzeit, wenn Sie gerade keinen Fragebogen ausfüllen?  
Ich bereite meinen nächsten Band „Canicule“ vor, nach dem Roman von Jen Vautrin (auf Deutsch bei Edition52 in Planung) . Ich habe gerade das Szenario für meine Umsetzung beendet und werde, sobald ich Zeit habe, mit dem Zeichnen beginnen. Anfang 2012 vielleicht.

Aus welchem Grund würden Sie einem jungen Menschen empfehlen, Comiczeichner oder -autor zu werden? Aus welchem Grund würden Sie ihm abraten, einer zu werden?
Wenn er Talent hat, würde ich ihm zuraten, ganz einfach. Aber ich würde ihm auch raten, Mittel und Wege zu finden, sein tägliches Brot auf andere Weise zu verdienen.  

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie die gedruckte Version Ihrer Zeichnungen in den Händen halten?
Ich schaue sie kaum an. Denn diese Geschichte ist ja schon seit 3 oder 4 Monate beendet, wenn das Buch erscheint. Das ist dann schon eine alte Geschichte.

Wie waren Ihre Schulnoten im Fach Kunst?
Sehr mittelmäßig. Wenn ich überhaupt welche hatte.

Was gelingt Ihnen überhaupt nicht zu zeichnen?
Sarkozy. Aber das kommt daher, dass ich ihn nicht zeichnen WILL! Sonst kann ich alles zeichnen, wenn es erforderlich ist.

Raue Schale: Eine Szene aus „Hau die Bässe rein, Bruno!“.
Raue Schale: Eine Szene aus „Hau die Bässe rein, Bruno!“.Foto: Edition 52

Baru, mit vollem Namen Hervé Barulea, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen französischen Comicautoren und Zeichner. Der 64-Jährige, der unter anderem mit dem „Grand Prix“ des Comicfestivals in Angoulême ausgezeichnet wurde, gilt als Pionier der sozialkritischen Erzählung und setzt bei seinen Figuren auf karikierende, dynamische, manchmal grotesk überzeichnete Darstellungen. Auf Deutsch ist von ihm zuletzt bei Edition 52 der Band „Hau die Bässe rein, Bruno!“ erschienen, davor „Elende Helden“. Als sein wichtigstes Werk gilt die Graphic Novel „Autoroute de Soleil“ (Carlsen). Im kommenden Frühjahr erscheint mit dem Band „Schönes Neues Jahr“ bei Edition 52 eine Sammlung von drei Kurzgeschichten aus seinem Frühwerk.

Alle bisher erschienenen Folgen unserer Fragebogen-Serie finden Sie unter diesem Link. 

 

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