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Der Tagesspiegel-Fragebogen (32) : 15 Fragen an - Ulf K.

19.12.2012 18:00 Uhr
Der Comic-Poet: Ulf K. im Selbstporträt.Bild vergrößern
Der Comic-Poet: Ulf K. im Selbstporträt. - Foto: © Ulf K.

Wir haben Comicschaffenden je 15 Fragen gestellt - zu ihrer Arbeit, Vorbildern und zur Lage der Comic-Nation. Heute: Ulf K., dessen Werk derzeit in einer Ausstellung mit umfangreichem Katalog gewürdigt wird.

Was kommt bei Ihrer Arbeit zuerst: Worte oder Bilder?
Das ist unterschiedlich. Mal ist da eine Idee, vielleicht sogar schon eine ganze Geschichte, die ich direkt aufschreibe. Es kann aber auch nur ein Bild im Skizzenbuch sein, bei dem ich mich frage: was war davor und/oder was kommt danach?

Hören Sie beim Zeichnen Musik, und wie beeinflusst Sie das?
Musik, Hörbücher oder Hörspiele. Alles hilft mir irgendwie, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Und da der Sound vom Rechner kommt, kann dieser auch stundenlang durchlaufen, ohne das ich eine CD wechseln, oder gar eine Platte umdrehen muss.

Beim Entwickeln einer Geschichte brauche ich allerdings Ruhe. Oder auch eine ganz andere Umgebung. Dann aber ruhig auch wieder mit Musik. Aber eben nicht meine bevorzugte. Wenn ich in einem Café sitze läuft halt irgendwas. Dazu noch die Stimmen der anderen Gäste. Nicht wirklich Ruhe, aber irgendwie kann ich dabei doch an Geschichten arbeiten.

Was essen oder trinken Sie am liebsten bei der Arbeit?
Essen: Schokolade, Weingummi, Lakritz. Egal. Hauptsache ungesund. Trinken: Im Sommer Wasser. Im Winter grünen Tee.

Angenommen, Ihre Wohnung brennt: Welche Comics würden Sie auf jeden Fall aus Ihrem Regal retten?
In meiner Wohnung befindet sich kein Comic, den ich nicht ersetzen könnte, oder dessen Verlust mir Schmerzen bereiten würde. Im Atelier sieht das anders aus. Allerdings würde ich mich da wohl eher um meine Originale kümmern. Sowohl meine eigenen, als auch die Originale anderer Zeichner. Das Original von Chaland verbrennen zu lassen wäre schon sehr töricht.

Welche Zeichner/Autoren waren für Ihre eigene Entwicklung die prägendsten?
Die meisten Zeichner der Nouvelle Ligne Claire. Am Anfang ganz besonders Yves Chaland und Serge Clerc. Mit der Zeit wurde die Reihe um Max, Francois Avril, Petit-Roulet, Dupy-Berberian, Stanislas, David B. und Sempé ergänzt. Als nicht Comiczeichner könnte ich noch Oscar Wilde, Frans Masereel, George Grosz und Max Ernst (vor allen Dingen seine Collagen-Romane) auflisten.

Hieronymus B.: Eine der Arbeiten, die im Original in  der aktuellen Ausstellung zu sehen ist.Bild vergrößern
Hieronymus B.: Eine der Arbeiten, die im Original in der aktuellen Ausstellung zu sehen ist. - Foto: © Ulf K./Edition 52

Welches Comic-Buch/Heft/Album würden Sie jemandem empfehlen, der sonst eigentlich keine Comics liest?
Macht das Sinn jemanden einen Comic zu empfehlen, der sonst keine Comics liest? Ich schaue zum Beispiel keine Splatter-Filme und da braucht mir auch keiner einen empfehlen. Ich würde ihn nicht schauen, auch wenn er für das Genre super wichtig und vielleicht sogar anspruchsvoll ist. Aber wenn es unbedingt sein muss, würde ich wohl „Hey Wait“ von Jason empfehlen. Natürlich mit dem Hinweis, dass Comics nicht zwangsläufig lustig sein müssen.

Glauben Sie, dass dem Comic die Aufmerksamkeit zuteil wird, die er verdient?
Da ist zwar noch Luft nach oben, aber eigentlich wird dem Comic im Moment doch schon einiges an Aufmerksamkeit zuteil. Vor allen Dingen wenn der Comic als Graphic Novel daher kommt.

Welche zeitgenössischen Comiczeichner/innen verdienten mehr Aufmerksamkeit als sie sie im Moment haben?
Im Grunde alle, bis auf die üblichen Verdächtigen, die schon genug Aufmerksamkeit bekommen.

Wenn Sie einen hoch dotierten Preis für das Comic-Lebenswerk zu vergeben hätten, wer würde ihn bekommen?
Der Spanier Max. Ich finde sein Werk wirklich großartig und er ist auch als Motor für die spanische Comicszene (die in Deutschland mehr Beachtung finden dürfte) unglaublich wichtig.

Wie würden Sie einem Blinden beschreiben, was das Besondere an Ihren Comics ist?
Die Stille und die Melancholie.

Neu und neu aufgelegt: Die zwei jüngsten Veröffentlichungen von Ulf K. bei Edition 52.Bild vergrößern
Neu und neu aufgelegt: Die zwei jüngsten Veröffentlichungen von Ulf K. bei Edition 52. - Foto: Promo

Woran arbeiten Sie derzeit, wenn Sie nicht gerade Fragebogen ausfüllen?
Im Moment arbeite ich an einem Comic für Kinder, der im Frühjahr 2013 bei Reprodukt erscheinen wird. Danach geht es wieder daran, ein paar Kinderbücher zu illustrieren.

Wieso würden Sie einem jungen Menschen raten, Comiczeichner/-autor zu werden – und wieso würden Sie ihm davon abraten?
Ich würde einem jungen Menschen dazu raten, wenn ich das Gefühl hätte, dass er Talent hat, um Comiczeichner zu werden. Wenn er oder sie was zu erzählen hat und sich grafisch und zeichnerisch nicht total ungeschickt anstellt. Aber natürlich würde ich klar machen, dass Comiczeichnen auch etwas mit Verzicht zu tun hat und in der Regel recht unökonomisch ist. Aber, mit der nötigen Leidenschaft lässt sich das ertragen. Darin steckt dann auch direkt das Abraten. Und dieses Abraten nimmt derjenige an, der nicht die nötige Leidenschaft besitzt.

Wie fühlt es sich für Sie an, Ihre Zeichnungen als gedruckte Bücher in der Hand zu halten?
Es ist immer wieder ein schönes Gefühl. Vor allen Dingen, wenn alles so geworden ist, wie man es sich vorgestellt hat, oder sogar noch besser.

Welche Note hatten Sie im Kunstunterricht?
Eine eins. Gott sei dank. Das hat mir das Abi gerettet. In Mathe stand ich nämlich fünf und der Rest war auch eher so lala.

Was können Sie überhaupt nicht zeichnen?
All die Dinge, die ich nicht zeichnen will. Es gibt diesen schlauen Satz: Vor dem Können kommt das Wollen. Also muss ich es nur wohl wollen, Menschen hinter langen Tischen beim Essen zu zeichnen. Oder Insekten. Oder ...

Besuch von Freunden: Der Zeichner im Kreise seiner Schöpfungen.Bild vergrößern
Besuch von Freunden: Der Zeichner im Kreise seiner Schöpfungen. - Illustration: Ulf K.

Ulf K., der 1969 in Oberhausen als Ulf Keyenburg zur Welt kam, ist einer der profiliertesten deutschen Illustratoren und Comiczeichner. In den 1990er Jahren veröffentlichte er seine ersten zeichnungen, 2004 wurde er als bester deutschsprachiger Comiczeichner mit dem Max-und-Moritz-Preis der Stadt Erlangen ausgezeichnet. Unter dem Titel „Ulf K - Der Poet unter den Comiczeichnern“ zeigt die Oberhausener Ludwiggalerie noch bis zum 13. Januar eine Ausstellung mit Comics und Illustrationen von Ulf K. Mehr Informationen über das Museum, das parallel zur Ausstellung auch einen Comicpreis für Kinder und Jugendliche auslobt, gibt es auf dessen Website. Und mehr von und über Ulf K. gibt es auf seiner Website ulf-k.blogspot.de. Zur Ausstellung ist bei Edition 52 ein 80-seitiger Katalog mit Beiträgen von Nina Dunkmann, Volker Hamann, Andreas Platthaus und Christine Vogt erschienen (Hardcover, 80 Seiten, ca. 200 Abbildungen, 19,90 Euro). Im selben Verlag sind von Ulf K. zuletzt die Bücher „Tango de la Mort“ und „Die Dolomiti-Jahre“ erschienen.

Alle Tagesspiegel-Comicfragebögen finden Sie unter diesem Link.

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