Die Tipps der Zeichner, Teil 3 : Willkommen im Wahnsinn

Ferienzeit, Lesezeit: Was empfehlen Comicautoren als Sommerlektüre? Flix schwört auf "Hector Umbra" von Uli Oesterle

Flix
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Wilder Ritt durch die Unterwelt. Szene aus "Hector Umbra".Illustration: Oesterle/Carlsen

„Hector Umbra“ ist ein beeindruckendes Stück Comic. Schon allein für die Entstehungsgeschichte hat dieses Buch meinen Respekt gewonnen. Gut sieben Jahre hat Uli Oesterle gebraucht, bis die 220 Farbseiten fertig waren. Ein Zeitraum, über den viele die Geduld verlieren. Oder ihre Geschichte. Uli nicht. Er weiß, was er mit „Hector Umbra“ erzählen will und hält daran konsequent fest. Stück für Stück für Stück fügt er Striche, Linien, Schwarzflächen, Farbe zu graphisch imposanten Szenen. Und sein sich über die Jahre, sprich über die Seiten, verändernder Zeichenstil fügt sich organisch passend in die Handlung.

Wenn man den Inhalt mal grob umreißt, „Also da ist ein Maler und sein bester Freund, der ist der beste Deejay der Welt, und der wird beim Auflegen von so kleinen Wesen entführt, aber das sind keine Außerirdischen, nein,

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das sind Wahnvorstellungen im Kopf des Malers und der andere beste Freund von ihm ist tot und der hilft ihm, den entführten Deejay zu befreien und da sind noch so Leute mit „Wachturm“-Heften und das ganze spielt in München“, dann klingt das schon ein bisschen krude.

Die wahrscheinlich größte Leistung Uli Oesterles ist, das man beim Lesen des Bandes dennoch nicht das leiseste Knirschen im Story-Gebälk vernimmt. Alles ist in sich stimmig und plausibel. Und so lässt man sich freudig und gebannt vom Autor durch eine Welt führen, für die das Wort „Wahnsinn“ erfunden wurde. Mike Mignola, der Vater von Hellboy, ist Fan von Uli Oesterles Werk. Dem kann ich mich nur anschließen.

Uli Oesterle: Hector Umbra, 216 Seiten, Hardcover, 24,90 Euro,
Carlsen.


Unser Autor Flix, bürgerlich Felix Görmann, ist einer der profiliertesten und produktivsten jüngeren deutschen Comicautoren und -zeichner.

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Flix zeichnet im Wechsel mit seinen drei Kollegen alle vier Wochen einen Comic für den Tagesspiegel. Gedruckt findet man die...Illustration: Flix

Seit bald drei Jahren veröffentlicht der Wahl-Berliner unter anderem im Wechsel mit Arne Bellstorf, Mawil und Tim Dinter alle vier Wochen einen Comicstrip in der Sonntagsausgabe des Tagesspiegels, den wir auch auf unseren

Online-Comicseiten

zeigen.

Flix hat die autobiographisch inspirierten Bücher "Held", "Sag Was" und "Mädchen" veröffentlicht (Carlsen-Verlag) und  präsentiert auf seiner Website ein laufend aktualisiertes gezeichnetes Tagebuch, dessen jüngster Sammelband kürzlich mit dem Comicpreis "Peng" ausgezeichnet wurde. Dieser Tage erscheinen seine bisherigen Tagesspiegel-Comics als Buch bei Carlsen, zu dem Buch "Da war mal was..." und der dazugehörigen Open-Air-Ausstellung, die am 5. August an der Berliner Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße eröffnet wird, gibt es auch eine eigene Website. Außerdem begann kürzlich auf den Seiten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein weiterer Flix-Strip, in dem er den klassischen Faust-Stoff neu interpretiert. Hier geht es zum Auftakt der Serie.

Leseraufruf: Welchen Comic empfehlen Sie anderen Lesern als Sommerlektüre, und warum? Schreiben Sie uns bis 15. August unter
comics@tagesspiegel.de. Die Antworten veröffentlichen wir auf diesen Seiten. Unter den Einsendern verlosen wir mehrere druckfrische Comicbände.

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