Erinnerungen : Der Geruch der Kindheit

Nadia Buddes Buch "Such dir was aus, aber beeil dich!" öffnet Türen in die Jugend und gibt nebenbei spannende Einblicke in den DDR-Alltag.

Micha Wießler
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Fremde Welt. Nadia Budde benutzt Comic-Panels und Sprechblasen, aber auch Fließtext und einzelne Illustrationen.Illustration: Nadia Budde

Nadia Budde ist meine Lieblings-Kinderbuchautorin. Und Berlinerin. Und nun gibt es ein neues Buch von ihr, das mit den Mitteln des Comics arbeitet. Drei Gründe, hier davon zu schwärmen.

Schon Nadia Buddes Kinderbücher "Eins, zwei, drei, Tier" oder "Flosse, Fell und Federbett" sind in ihrem Wortwitz und den lustigen Zeichnungen unübertroffen... Was wirklich gute Kinderbücher ausmacht, außer, dass man sie auf Anhieb gut findet?

Man kann (oder muss) sie 100 mal lesen und findet sie immer noch toll! Und das trifft auf Nadia Buddes Bücher ganz besonders zu. In ihnen gibt es immer noch etwas zu entdecken, obwohl sie auf den ersten Blick eher schlicht wirken.

In ihrem neuesten Buch "Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln" wendet sie sich allerdings eher an Erwachsene und nimmt uns mit auf die Reise in ihre und in unsere eigene Kindheit.

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Ost-Tradition, West-Klopapier. Ganz nebenbei gibt es Einblick in den Alltag der ehemaligen DDR.Illustration: Nadia Budde

Sie erinnert sich in zehn Kapiteln am Beispiel ihrer eigenen Biografie daran, was Kindsein ausmacht: Gerüche, Gefühle, Nicht-verstehen-können (oder -wollen!) der Erwachsenenwelt, Spielen, Nasebohren, Weinen, Schorf abkratzen, das kindliche Verhältnis zu Zeit, dem Älterwerden und vieles andere mehr. Und sie beschreibt dabei mit sichtlicher Wonne, wie man es als Erwachsener immer noch schafft, Türen zur eigenen Kindheit wieder zu öffnen. Das funktioniert wie es wohl jeder schon mal erlebt hat, z.B. über Gerüche, aber ganz gewiss auch über die Lektüre dieses Buches.

Ganz nebenbei bieten die autobiografischen Elemente dem west-sozialisierten Leser einen interessanten Einblick in Teile des Alltags der ehemaligen DDR, während im Osten Aufgewachsene sicherlich vieles Altbekannte wiedererkennen.

Spannend ist auch die wilde Stilmischung derer Nadia Budde sich bedient: Sie benutzt typische Comic-Panels und Sprechblasen, aber daneben auch Fließtext und einzelne Illustrationen, dadurch entsteht ein wirklich ungewöhnliches, tolles Buch, das ich jedem nur empfehlen kann, egal ob er seine eigenen Kinder besser verstehen möchte oder nur die Tür zur eigenen Kindheit mal wieder einen Spalt weiter öffnen möchte.

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