Fantasy-Comics : Grimmige Märchen

Mit aktuellen Fantasy-Alben zeigen deutsche Zeichner ein weiteres Mal, dass sie bei Genrestoffen den internationalen Vergleich nicht mehr zu scheuen brauchen.

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Gefährdetes Paradies: Eine Szene aus "Macha". Foto: Carlsen
Gefährdetes Paradies: Eine Szene aus "Macha".Foto: Carlsen

Ein Schiff mit Neuankömmlingen landet an der Küste einer verzauberten Insel. Die Ureinwohner leben im Einklang mit der Natur, viele von ihnen können ihre Gestalt nach Belieben wechseln, sind mal Mensch, mal Tier. Als die Neuankömmlinge sich ausbreiten und die Ureinwohner ihren Lebensraum zu verlieren drohen, eskaliert die Lage.

Es ist ein politisches Märchen, das die französische Autorin Flora Grimaldi und die Berliner Illustratorin Maike Plenzke in ihrer Alben-Reihe von der Insel Errance erzählen, kürzlich ist mit „Macha“ Band zwei erschienen. Die Analogie zur Kolonialgeschichte ist offensichtlich, dazu gesellt sich eine ökologisch-humanistische Botschaft und menschliche Beziehungsdramen, die die Handlung vielschichtig machen.

In einen Raben verwandelt, weil er die Ureinwohner provoziert hat

Im Zentrum der aktuellen Geschichte steht die Heilerin Macha, die über Zauberkräfte verfügt. Sie kennt man aus Band eins, in dem ein böser Prinz mit einem Fluch belegt und in einen Raben verwandelt wird, weil er die Ureinwohner provoziert hat.

Das Cover von "Macha". Foto: Carlsen
Das Cover von "Macha".Foto: Carlsen

Während die Geschichte weitgehend Genrekonventionen folgt, beeindrucken vor allem die Zeichnungen von Maike Plenzke. Ihre mit hellen, fast strahlend wirkenden Farben fein abgestufte Computer-Kolorierung schafft mit Hilfe geschickt eingesetzter Lichteffekte phantastische, plastisch wirkende Räume, in denen die mit fließendem Strich gezeichneten Figuren agieren.

Deren Erscheinungsbild verbindet eine an nordamerikanische Trickfilme erinnernde Ästhetik mit den großen, ausdrucksstarken Augen japanischer Anime und Manga. Wohltuend fällt zudem das differenzierte Lettering auf, das die Anmutung einer individuellen Handschrift vermittelt und daher den Figuren eine menschliche Stimme verleiht.

Viele Kämpfe - und ein Finale mit offenem Ausgang

Eine lang erwartete Fortsetzung gibt es jetzt auch bei einem weiteren Comic-Märchen aus einem deutschen Zeichnerstudio, das ähnlich wie „Macha“ zeigt, wie stark hiesige Zeichner inzwischen bei Genrestoffen sind, die lange Zeit eher aus Frankreich zu uns kamen: Mit „Hexenjagd“ legt der Kölner Autor und Zeichner Daniel Schreiber den dritten und letzten Band seiner Album-Trilogie „Annas Paradies“ vor. Im Zentrum steht ein gefallener Todesengel in Gestalt einer jungen Frau, die im Nachkriegsdeutschland in einem städtischen Armenviertel gelandet ist und Unterschlupf bei einem Schwarzmarkthändler findet - hier geht es zu einem früheren Tagesspiegel-Artikel über die ersten Bände der Reihe.

Auf Leben und Tod: Eine Seite aus dem dritten Band von "Annas Paradies". Foto: Splitter
Auf Leben und Tod: Eine Seite aus dem dritten Band von "Annas Paradies".Foto: Splitter

Durch ihr unkontrolliertes Verhalten stellt die Hauptfigur die prekäre Gemeinschaft im dritten Band auf eine existenzielle Probe. Mit kantigem Strich und leicht karikierend überzeichneten Figuren sowie einer auf Rot- und Brauntöne setzenden Kolorierung schafft Schreiber die passende Atmosphäre für das düstere Spektakel. Nach vielen Kämpfen gibt’s ein Finale, das genug Raum für Fortsetzungen lässt.

Flora Grimaldi und Maike Plenzke: Macha, Carlsen, 64 Seiten, 16 Euro. Daniel Schreiber: Annas Paradies, Band 3: Hexenjagd, Splitter, 46 Seiten, 14,80 Euro

Das Cover des dritten Bandes von "Annas Paradies". Foto: Splitter
Das Cover des dritten Bandes von "Annas Paradies".Foto: Splitter

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