Fernsehserie „Gotham“ : Wie Bruce Wayne zu Batman wurde

Die Jugend eines Rächers: Erst Superman, dann Indiana Jones und nun Batman: Wieder zeigt eine TV-Serie die Teenagerjahre eines Helden. Ab Dienstag gibt es sie auf Deutsch zu sehen.

Christof Bock
Die erste Begegnung: James Gordon (Ben McKenzie, r.) ermittelt in seinem ersten Fall und hofft von Bruce (David Mazouz, l.) und Alfred Pennyworth (Sean Pertwee, M.) Informationen zu bekommen, wer der etwas mit dem Mord an Thomas und Martha Wayne zu tun haben könnte.
Die erste Begegnung: James Gordon (Ben McKenzie, r.) ermittelt in seinem ersten Fall und hofft von Bruce (David Mazouz, l.) und...Foto: dpa

Eingefleischte Batman-Fans kennen James Gordon als den silberhaarigen Mann am Scheinwerfer. Er ist der redliche Polizist, der den Superhelden immer wieder um Hilfe bitten muss und deswegen Lichtsignale in den Nachthimmel von Gotham City schickt. Dass er im Mittelpunkt eines Batman-Stoffes steht, ist neu.

Die Actionserie „Gotham“ zeigt die Jugendjahre von Batman alias Bruce Wayne (David Mazouz, 13, „Touch“). Der Milliarden-Erbe ist weit entfernt von der Karriere als Superheld. Star von „Gotham“ ist stattdessen der junge Detective Gordon. Er wird gespielt von Benjamin McKenzie (36), bekannt aus der Jugendserie „O.C., California“ (2003-2007). „Gotham“ beginnt am Dienstag um 21.15 Uhr auf ProSieben.

Die Handlung setzt ein mit der Ermordung der Milliardäre Thomas und Martha Wayne, die gut gelaunt auf dem Heimweg aus dem Kino sind, auch im klassischen Comic die Schlüsselszene der Vorgeschichte. Obwohl der Vater sofort sein Geld herausrückt und die Mutter ihre Perlenkette abgibt, erschießt der Täter die Eltern erbarmungslos. Der kleine Bruce muss hilflos zusehen. „Ich hätte etwas unternehmen sollen“, schluchzt der verzweifelte Junge in Maßanzug und Dufflecoat.

Detective James Gordon tröstet ihn und verspricht leichtfertig: „Wir werden den Kerl kriegen, der das getan hat.“ Während Bruce dankbar seine Hand nimmt, hat dessen Butler und späterer Ziehvater Alfred Pennyworth nur den höflichen-abschätzigen Satz „Sie sind wohl neu, oder?“ übrig. Er bringt Bruce behutsam fort und nimmt sofort die Vaterrolle ein: „Nicht hinsehen, Kopf hoch, Blick nach vorn.“

Die Figur des Alfred war immer ein Highlight in Batman-Verfilmungen, egal wie gut oder schlecht man den Fledermaus-Mann gecastet hatte. Im Kinofilm „Batman“ von 1989 spielte Michael Gough den untadeligen Briten, in „The Dark Knight Rises“ war es 2012 Michael Caine. Bei „Gotham“ übernimmt der gebürtige Londoner Sean Pertwee den Part.

Batmans Beste
Jeder Superheld hat eine Geschichte, die erklärt, wie er wurde, was er ist. Die von Batman wurde mehr als einmal erzählt, allerdings nie so packend und bewegend wie von Frank Miller, der mit „Year One“ den Neustart der Serie anno 1987 einläutete. Bruce Wayne kehrt nach Jahren zurück nach Gotham, parallel wird ein gewisser Lieutenant Gordon in die Stadt versetzt. Es gibt noch keinen Joker, keinen Mr. Freeze, keinen Riddler, nur den schmutzigen Alltag einer durch und durch korrupten Gesellschaft. Sowohl als Charakterstudie wie als Actioncomic überzeugt „Year One“ bis heute. Miller und Zeichner David Mazzucchelli schufen hier nicht nur einen der besten Batman-Comics, der bis heute das Bild der Figur als düsteren, komplexbehafteten Rächer prägt, sondern auch einen der besten Mainstream-Comics überhaupt.   Moritz HonertWeitere Bilder anzeigen
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26.07.2012 09:43Jeder Superheld hat eine Geschichte, die erklärt, wie er wurde, was er ist. Die von Batman wurde mehr als einmal erzählt,...

Für das deutsche Publikum ist der 50-jährige mit dem traurigen Blick ein unbeschriebenes Blatt. Bei britischen TV-Zuschauern ist Pertwee hingegen sehr populär. Sie lieben seine zart-schmelzende sonore Bass-Stimme, die viele Werbespots und Dokumentationen verschönert hat, Ego-Shooter-Fans kennen sie aus dem Videospiel „Killzone“.

Ein alter Bekannter ist Richard Kind als Bürgermeister Aubrey James. Er spielte in der Sitcom „Chaos City“ den unfähigen Pressesprecher Paul Lassiter. Bekannt auch die Machart von „Gotham“: Idealistischer Polizist bekommt zynischen Streifenpartner (der großartig versoffene Donal Logue, bekannt aus „Blade“), die steife Vorgesetzte verteilt regelmäßig Einläufe und Gangster sind manchmal bessere Menschen als die korrupten Saubermänner. Überhaupt ist bei „Gotham“ nichts so, wie es anfangs scheint. Der Mord an den Waynes zum Beispiel - warum trägt ein Straßenräuber Lackschuhe und warum verschießt er hochwertige Spezialmunition? Und was hat Gordons Verlobte (Erin Richards) zu verbergen? Die allgegenwärtige Brutalität erinnert an „Sin City“.

Ähnlich den ebenfalls für das TV verfilmten Vorgeschichten von Superman („Smallville“) und Indiana Jones („Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“) ist auch hier der Hauptreiz, die seelischen Jugendnarben von späteren Verbündeten und Schurken entstehen zu sehen, sie damit von einer anderen Seite neu zu entdecken. Grandios ist der erste Auftritt von Oswald Cobblepot, dem späteren „Pinguin“. Newcomer Robin Lord Taylor (36, „The Walking Dead“) wirkt herrlich neurotisch, als er mit anderen Hilfsgangstern auf einen wehrlosen Menschen einprügeln darf. Als James Gordon dem eingeschüchterten Opfer Hilfe anbietet und einen Korb bekommt, fragt die Schlägertruppe den jungen Polizisten völlig verdutzt: „Sie sind neu hier, was?“

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