Filmkritik : Scharf geschossen

Die Figuren lungern auf der Leinwand herum, Scarlett Johansson ist anwesend wie ein Stück Möbel - unser Filmkritiker findet deutliche Worte für „The Spirit“.

Sebastian Handke
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Die Welt der Comics verdankt Frank Miller viel. Grandiose Bildgeschichten hat er erfunden und dabei etlichen Genres neue Facetten abgewonnen. Als sein „Sin City“ verfilmt wurde, durfte er als Koregisseur neben Robert Rodriguez sitzen – und reklamierte anschließend für „The Spirit“ den Chefsessel für sich selbst. Aber ein Regisseur ist er nicht.

Der Comic noir über einen maskierten Helden und seine Stadt sieht zwar ähnlich berauschend aus wie „Sin City“. Ansonsten aber ist „The Spirit“ ein Zeugnis vergeblichen Bemühens. Szenen ohne Sinn und Ziel lösen einander ab, ziehen sich viel zu lange hin, enden dann abrupt. Die Figuren lungern auf der Leinwand herum und werfen Halbsätze aus („Keine Eier auf mein Gesicht“).

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Hauch des Todes. Auch Scarlett Johansson hat ein Plakat signiert, dass wir unter unseren Lesern verlosen.

Hauptdarsteller Gabriel Macht wirkt, als trage er seine schwarze Gesichtsmaske aus Scham. Eva Mendes rückt ihr Hinterteil in den Vordergrund. Scarlett Johansson ist anwesend wie ein Stück Möbel. Samuel L. Jackson als böser „Octopus“ gebärdet sich wie jemand, der eine hoffnungslos absackende Party in Schwung bringen will und mit seinem Eifer nur auf die Nerven geht. Immerhin: er setzt beachtliche neue Standards in Sachen Selbstparodie.

Einige Szenen haben das Zeug zum Klassiker des Sonderbaren. Die schier endlose Prügelei im schwarzen Schlamm, in deren Verlauf die Erzfeinde Spirit und Octopus sich immer größere Gegenstände über den Schädel ziehen und zwischen die Beine wuchten („Komm schon, Toiletten sind immer lustig!“). Oder Jacksons Großauftritt in Nazi-Uniform, als er vor rotem Vorhang, umgarnt von einer Bauch tänzerin, zu den leiernden Klängen des Deutschlandlieds seine schlechten Absichten zum Vortrag bringt, bevor er ein weißes Kätzchen in Säure auflöst. Fehlt nur noch eine Showtreppe – die operettenhafte Grandezza dieser Filmtravestie wäre vollkommen.

Ein Erlebnis ist dieser Film also durchaus. Am Ende läuft alles auf eine Frage zu: Habe ich wirklich gesehen, was ich gesehen habe?

Ab Donnerstag in 15 Berliner Kinos, OmU im Moviemento


Hinweis: Die Verlosung ist beendet, die Gewinner werden per Post benachrichtigt. 

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