Geschichtsdrama : Die Obsession des Verstoßenen

Das opulente Geschichtsdrama „Peplum“ bietet eine bildgewaltige Inszenierung über Obsession, Liebe, Gewalt und Macht im alten Rom. Der Autor Blutch verlässt sich allerdings zu sehr auf seine Illustrationen und irritiert durch seine erzählerische Sprunghaftigkeit.

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Der Fluch der gefrorenen Frau: Eine Seite aus dem Buch.
Der Fluch der gefrorenen Frau: Eine Seite aus dem Buch.Illustration: Blutch/Avant

Sobald sie sie sehen, sind sie wie besessen: Am äußersten Rand des römischen Imperiums stößt eine Truppe um den verbannten Publius Cimber auf eine in Eis eingefrorene Frau. Einst Freigeborener, römischer Ritter und Gelehrter, irrt Cimber, verstoßen von Julius Cäsar, als Vertriebener durch die Fremde. Doch gebannt von der Schönheit der eingefrorenen Frau, gerät die Gruppe immer mehr in Zwietracht und zerfällt schließlich.

Während in Rom der Mord an Julius Cäsar unter der Anführung seines Sohnes Brutus vollzogen wird, ermordet der letzte verbliebene Jüngling der Vertriebenen Publius Cimber. Fortan nimmt er den Namen des Ermordeten an, um dessen Rechte ob seiner adligen Abstammung zu nutzen und die Eisstatue auf einem Schiff fortzuschaffen. Doch die eingefrorene Angebetete wird ihm zum Verhängnis.

Christian Hincker alias Blutch hat sich zuletzt auch hierzulande durch Graphic Novels einen Namen machen können. Der in Angoulême schon mehrfach ausgezeichnete Comickünstler entwickelt sich immer mehr zu einem unberechenbaren Autor. Während Blutch sich in „Blotch – der König von Paris“ (Tagesspiegel-Rezension hier) auf satirische Weise der historischen Bohème gewidmet hat und in „Der kleine Christian“ (Rezension hier) eine humorvolle Hommage an die Welt des Comics und der Popkultur inszeniert hat, erschafft er nun in „Peplum“ einen üppigen Comic-Roman über die Antike.

Schwarzweißer Bildersturm

Angeregt durch die Passagen aus dem „Satyricon“ von Petronius, inszeniert Blutch einen unvergleichbaren, schwarzweißen Bildersturm aus Gewalt und Obsession. Die meist grimmigen, düster gehaltenen und oft schraffierten Zeichnungen bestechen durch eine Mischung aus Andeutung und Detailfülle. Das Auge des Betrachters überfliegt filigrane Hintergründe oder fast schon holzschnittartige Landschaften. Der Leser betrachtet ausdrucksstarke Gesichter mit vielen Furchen oder nur skizzierte Gesichter. Diese Abwechslung ist eine große Stärke des Buches.

Der Text tritt hinter dieser Bilderflut stark zurück. Die Dialoge und der Erzähltext sind größtenteils an die antike Sprache angepasst und wirken daher prosaisch oder lyrisch. Doch große Strecken lässt Blutch seine Erzählung allein durch seine Zeichnungen fortschreiten. Und hier kommt das große Manko der Graphic Novel: Oft wirken die Übergänge sehr sprunghaft und manchmal sogar unnachvollziehbar.

Monumentales Epos: Das Covermotiv des Buches.
Monumentales Epos: Das Covermotiv des Buches.Foto: Avant

„Peplum“ wirkt auf den ersten Blick wie ein moderner Klassiker im Comic-Format. Aber auf den zweiten Blick offenbaren sich einige erzählerische Schwächen. Trotzdem ist Blutch ein monumentales Epos über das antike Rom gelungen, in dem er die Konsequenzen von Obsession ausleuchtet. „Peplum“ ist deswegen letztlich keine Geschichtsstunde, sondern vielmehr ein Drama innerhalb einer historischen Kulisse. Liebhaber antiker Tragödien oder Mythen sollten einen Blick in dieses Buch werfen.

Blutch (Zeichnungen und Szenario): Peplum, Avant-Verlag, 118 Seiten, 25 Euro. Mehr unter diesem Link. Der Blog unseres Autors Marco Behringer findet sich hier.

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