„Gotham Central“ : Batmans Konkurrenten

Besser spät als nie: Die in Batmans Heimatstadt angesiedelte Krimireihe „Gotham Central“ bekommt eine zweite Chance auf Deutsch.

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Düstere Noir-Stimmung: Eine Szene aus "Gotham Central".
Düstere Noir-Stimmung: Eine Szene aus "Gotham Central".Foto: Panini

Dass sich Qualität nicht automatisch in Quantität niederschlägt, ist eine Binse, die nicht weniger traurig wird, je öfter sie sich bewahrheitet. Auch „Gotham Central“ war so ein tragischer Fall. Genau 40 Hefte der in Batmans Heimatstadt angesiedelten Krimireihe erschienen zwischen 2002 und 2006 beim DC. Ein großer Verkaufserfolg waren sie nie, und schlussendlich führte die Einstellung der Serie sogar dazu, dass ihr Hauptautor Greg Rucka und der Verlag sich überwarfen – wenn man denn dem Branchenklatsch Glauben schenken darf.

Auch in Deutschland lief es erst nicht so gut für „Gotham Central“. 2004 startet die Serie bereits einmal bei Panini, wurde aber nach dem ersten Sammelband gleich wieder eingestellt. Nun gibt es einen zweiten Anlauf. Nach der Neuauflage des ersten Bandes „In Erfüllung der Pflicht“ im September (124 S. 14,99 €) ist kürzlich Band zwei „Doppeltes Spiel“ (172 Seiten, 16,99 Euro) erschienen. Nicht ganz unschuldig daran ist die neue TV-Serie „Gotham“, wie man beim Verlag freimütig zugibt: „Das ist der passendste Titel zur Serie, davor hat sie nicht so gut ins Programm gepasst.“

Dabei hat der Comic recht wenig mit dem TV-Format zu tun. Statt von der Jugend der Protagonisten des Batman-Universums erzählt „Gotham Central“ in Form einer Krimi-Seifenoper vom Alltag der Beamten in einer Stadt, in der man bei der Verfolgung eines Kindesentführers Mr. Freeze vor die Eiskanone laufen kann und Batman eher belastende Konkurrenz als maskierter Helfer ist.

Batmans Beste
Jeder Superheld hat eine Geschichte, die erklärt, wie er wurde, was er ist. Die von Batman wurde mehr als einmal erzählt, allerdings nie so packend und bewegend wie von Frank Miller, der mit „Year One“ den Neustart der Serie anno 1987 einläutete. Bruce Wayne kehrt nach Jahren zurück nach Gotham, parallel wird ein gewisser Lieutenant Gordon in die Stadt versetzt. Es gibt noch keinen Joker, keinen Mr. Freeze, keinen Riddler, nur den schmutzigen Alltag einer durch und durch korrupten Gesellschaft. Sowohl als Charakterstudie wie als Actioncomic überzeugt „Year One“ bis heute. Miller und Zeichner David Mazzucchelli schufen hier nicht nur einen der besten Batman-Comics, der bis heute das Bild der Figur als düsteren, komplexbehafteten Rächer prägt, sondern auch einen der besten Mainstream-Comics überhaupt.   Moritz Honert
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26.07.2012 09:43Jeder Superheld hat eine Geschichte, die erklärt, wie er wurde, was er ist. Die von Batman wurde mehr als einmal erzählt,...

Der Fokus der Geschichten liegt aber weniger auf den Superschurken als auf den Menschen. „Doppeltes Spiel“ zum Beispiel beschäftigt sich vordergründig damit, das Detective Renee Montoya unter Mordverdacht gerät. Eigentlich ist es aber ein Drama über eine Frau, die damit klarkommen muss, unfreiwillig als Lesbe geoutet zu werden. 2004 gab es dafür den Eisner- und den Harvey-Award.

Die düstere Noir-Stimmung der Storys unterstreichen die kantigen und rauen Zeichnungen von Michael Lark dabei aufs Vortrefflichste.

Mehr Informationen über die unterschiedlichen Ausgaben von "Gotham Central" auf Deutsch inkl. Leseproben gibt es auf der Website des Panini-Verlages.

Zweiter Versuch: Das Cover des zweiten Bandes von "Gotham Central".
Zweiter Versuch: Das Cover des zweiten Bandes von "Gotham Central".Foto: Panini

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