Graphic Novel : Das Geheimnis der Vogelmenschen

Mit Oliver Grajewskis Graphic Novel „Der Tag im Moor“ steigt der neue Verlag Breitkopf Editionen in den deutschen Comicmarkt ein. Ein mutiger Einstand, denn das Buch macht es dem Leser nicht leicht.

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Mysteriöse Mutanten: Eine Seite aus dem Buch.
Mysteriöse Mutanten: Eine Seite aus dem Buch.Foto: Breitkopf Editionen

Merkwürdiges geschieht draußen im Moor: Aggressive Vogelmenschen fliegen durch die Luft, ein maskierter Mann, der sich „weißer Alb“ nennt, taucht unvermittelt aus dem Nebel auf. Um das Rätsel zu lüften, das im Zentrum von Oliver Grajewskis Graphic Novel „Der Tag im Moor“ steht, muss der Leser sich auf eine vielschichtige Erzählung einlassen, bei der es der Berliner Zeichner einem nicht leicht macht, ihm zu folgen.

Alles beginnt als lakonische Jugenderinnerung des ebenfalls aus Berlin stammenden Ich-Erzählers, der bei einem Besuch im Nordwesten Deutschlands seine alte Heimat mit anderen Augen neu entdeckt. Stetig mehren sich die Anzeichen dafür, dass draußen im Moor etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Dabei bleibt lange unklar, wohin die Geschichte sich entwickelt.

„Der Tag im Moor“ ist über weite Strecken spannend zu lesen und regt zum Nachdenken über persönliche und gesellschaftliche Fragen an, die die Geschichte aufwirft. Stellenweise nervt aber der belehrende Ton, der sich durch die zunehmend systemkritischen und politisch aufgeladenen Dialoge zieht. Nach und nach entdeckt der Ich-Erzähler nämlich, was die merkwürdigen Vorgänge im Moor mit einem in der Nähe stehenden Atomkraftwerk zu tun haben – Aufhänger für eine systemkritisch-ökosozialistische Botschaft, die am Schluss etwas zu dick aufgetragen daherkommt.

Vielleicht wollte der Autor, der sich mit seiner Independent-Heftreihe „Tigerboy“ einen Namen gemacht hat, mit seiner Mischung aus Persönlichem und Politischem, Science Fiction und Gesellschaftskritik einfach zu viel auf einmal.

Stilmix: Grajewski kombiniert Fotos und unterschiedliche Zeichentechniken, wie hier auf dem Buchcover.
Stilmix: Grajewski kombiniert Fotos und unterschiedliche Zeichentechniken, wie hier auf dem Buchcover.Foto: Breitkopf

Dazu kommt, dass Grajewskis Mischung unterschiedlicher, teilweise mit Fotos und Computerbildern collagierter Zeichenstile inkonsistent und sprunghaft wirkt, was den Zugang zu der verwirrend rätselhaften Erzählung nicht gerade erleichtert.

Dennoch: Ein beachtlicher, mutiger Einstand für den neuen Berliner Verlag Breitkopf-Editionen, der mit diesem Buch seinen ersten Schritt auf den Graphic-Novel-Markt unternimmt - mehr über diesen und zwei weitere neue Comicverlage unter diesem Link..

Oliver Grajewski: Der Tag im Moor, Breitkopf Editionen 2013, 352 Seiten, 25 Euro. Die Website des Künstlers findet sich hier: www.skalien.de.

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