Harry und Platte : Verbrechen mit Stil

Die frankobelgische Humor-Krimiserie „Harry und Platte“ hat Generationen von Lesern erfreut. Jetzt gibt es eine Gesamtausgabe, die im Gegensatz zu anderen neu aufgelegten Serien rundum gelungen ist.

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Hobbydetektive im Einsatz: Eine Szene aus dem Sammelband.
Hobbydetektive im Einsatz: Eine Szene aus dem Sammelband.Foto: Salleck

Puh, schon wieder eine Gesamtausgabe? Wer soll das alles lesen? Wer kann sich das alles leisten? Und vor allen Dingen: Wer hat so viel Stellfläche im Regal? Alles richtige und wichtige, kritische Fragen. Zumal man als Leser in den vergangenen Jahren gelernt hat: Integrale Gesamtausgaben aus Frankreich sind oft lieblos zusammengerotztes Zeug, das nur der Gewinnmaximierung dient („Isnogud“), während belgische Bände liebevoll zusammen gestellt, mit klugen Anmerkungen versehen und jeder Menge Zusatzmaterial angereichert sind.

Die Gesamtausgabe von „Harry und Platte“ ist eine rundum erfreuliche Sache. Zwar wurden die Alben nicht in der Reihenfolge ihres Erscheinen gesammelt, sondern thematisch geordnet. Mit Jijé („Jerry Spring“), André Franquin („Spirou und Fantasio“) und Morris („Lucky Luke“) bildete der Zeichner Will (Willy Maltaite) eine Haus- und Arbeitsgemeinschaft.

Gemeinsam etablierte man die École Marcinelle, benannt nach dem Vorort von Charleroi, in dem die Künstler damals wohnten, ein Zeichenstil, der sich vor allem durch Dynamik und Liebe zur modernen Technik auszeichnete.

„Harry und Platte“ nun wurden zum Semiklassiker, als der Texter Maurice Rosy zur Serie stieß und die Krimi-Elemente verstärkte. Eine besondere Rolle spielte dabei der rätselhafte Herr Schock, Anführer der Gangsterorganisation „Die weiße Hand“, der seine Verbrechen stets in einem korrekten Smoking beging und sein Gesicht immer hinter einem schicken Ritterhelm versteckte.

Klassiker für eine neue Generation: Das Cover des ersten Sammelbandes.
Klassiker für eine neue Generation: Das Cover des ersten Sammelbandes.Foto: Salleck

Und da die hier gesammelten Bände seit Jahren vergriffen sind, hat jetzt eine neue Generation – die dritte insgesamt – die Gelegenheit, diese wunderbare Serie kennenzulernen.

Will & Rosy: Harry und Platte, Gesamtausgabe Band 1, aus dem Französischen von Eckart Schott und Horst Berner. Salleck Publications, Wattenheim 2011, 160 Seiten, 29,90 Euro.

Mehr Texte von zitty-Redakteur Lutz Göllner im Tagesspiegel gibt es unter diesem Link.

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