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Helden-Comic : Postmoderner Übermensch

27.09.2011 19:04 Uhrvon
Zitatenspiel: Eine Seite aus der Neuauflage.Bild vergrößern
Zitatenspiel: Eine Seite aus der Neuauflage. - Foto: Nona Arte

Comic-Star Alan Moore hat bisher drei Mal als Autor an „Superman“ gearbeitet. Was er noch gern mit dem Superhelden angestellt hätte, kann man jetzt in einer neuen deutschen Ausgabe des satirischen Meta-Comics „Supreme“ nachlesen.

Von den drei Superman-Geschichten, die Alan Moore zwischen 1985 und 1986 für DC verfasste, bevor er sich mit dem Verlag überwarf, sind „For The Man Who Has Everything“ und „Whatever Happened To The Man Of Tomorrow“ sicherlich die bekanntesten. Beide Erzählungen stellen einen Abgesang auf das Superman-Universum des Comic-Autors und -Herausgebers Mort Weisingers während des Silver Age dar und werden  häufig als Beispiel angeführt, wenn wahlweise auf a) Moores Brillianz oder b) die beste Superman-Geschichte aller Zeiten oder c) beides hingewiesen werden soll.

Die dritte Geschichte trägt den Titel „The Jungle Line“. Sie beinhaltet nicht nur ein Superman-Crossover mit Swamp Thing, sondern auch eine Zusammenarbeit mit Zeichner Rick Veitch. Das ist deshalb erwähnenswert, weil Veitch zu einem der zukünftigen Hauptkollaborateure Moores bei dessen Silver-Age-Hommagen wie „1963“ oder eben dem jetzt neu auf Deutsch im Verlag Nona Arte veröffentlichten „Supreme“ wurde, die ab 1993 beziehungsweise 1996 für den Verlag Image entstanden.

Tumbe Gigantomanie, dünne Inhalte

Image war eine Verlagsgründung, bei der sich 1992 einige mehr oder weniger talentierte Künstler zusammenfanden, um – entnervt von den Geschäftspraktiken der beiden Branchenriesen DC und Marvel - das Copyright an von ihnen erfundenen Figuren zu behalten. Dass Image es im Falle geistiger Eigentumsrechte selbst nicht so genau nahm und massenhaft Plagiate produzierte, änderte nichts an der rasch wachsenden Popularität des Verlages. Auch war der vorwiegend etablierte Haus-Zeichenstil von tumber Gigantomanie geprägt und wirkte extrem überdimensioniert. Egal ob es sich nun um Frauenbrüste, Männermuskeln oder Waffen handelte - alles verhielt sich proportional umgekehrt zu den dünnen Inhalten. Dies stand den stetig weiter ansteigenden Umsätzen allerdings nicht im Weg, ganz im Gegenteil. Jedoch führte die irgendwann selbst den dümmsten Fanboy ermüdende Abwesenheit von Geschichten bei dem von vielen Zeichnern und wenigen Autoren gegründeten Unternehmen zu einem Umdenken. Fortan engagierte der Verlag Gastautoren. Neben Neil Gaiman, Dave Sim und Frank Miller wurde 1993 auch Alan Moore für Todd McFarlanes „Spawn“ angeheuert. 

Koalition der Willigen: Eine von Rick Veitch gezeichnete Supreme-Seite.Bild vergrößern
Koalition der Willigen: Eine von Rick Veitch gezeichnete Supreme-Seite. - Foto: Promo

Diese Engagements hatten zur Folge, dass Moore nach seinem „Spawn“-Gastspiel nicht nur drei Spin-Offs der McFarlane-Reihe und Jim Lees „WildC.A.T.S“ schrieb, sondern auch eine eigene Serie für den Verlag verfasste: „1963“, ein gelungener Pastiche der 1960er Marvel-Comics, welcher allerdings mit parodistischen Seitenhieben auf Stan Lees operettenhafte Selbstinszenierung als Genius Loci des „Hauses der Ideen“ nicht sparte. Mit liebevoller Hingabe an diese Ära ließ man auf billigem Papier drucken und inszenierte Fakes von redaktionellen Seiten, Leserbriefen sowie Anzeigen. Das ganze gipfelte in Interviews der beteiligten Künstler in den Rollen, die sie in diesem Comic-Universum einnahmen – nachzulesen unter www.comicon.com.

Mit Alan Moore ging es von vorne los

Die bereits erwähnte sehr großzügig ausgelegte „künstlerische Freiheit“ der Image-Kreativen kulminierte 1992 in der Rob-Liefeld-Schöpfung „Supreme“. Angelegt als ein gewalttätiger und egomanischer Superman-Abklatsch, findet sich der comic-historische Tiefpunkt dieser Figur in der „Bloodstrike“-Ausgabe Nr. 5 aus dem Jahr 1993: Bei seinem Gastauftritt vernichtete ein wildgewordener Supreme die gesamten Bloodstrike-Teammitglieder in einer bis dato im amerikanischen Superhelden-Comic selten zu sehenden Qualität der Gewaltdarstellung: Über mehrere Seiten hinweg wurden brutale Sadismen wie ausgestochene Augen und herausgerissene Gedärme detailliert dargestellt.

Mit „Supreme“-Ausgabe Nr. 41 übernahm ab 1996 Alan Moore die Regie über das bis dahin psychopathische Superman-Derivat und fing von vorn an. Unter Verwendung eines nicht unüblichen erzählerischen Kniffs ließ er die Figur seine Erinnerung einbüßen und verschob Teile des bestehenden Supreme-Universums in das so benannte Supremat. Dieses fungierte außerdem als eine Art Zwischendimension für ausgemusterte Ideen vergangener Epochen einer in diesem Fall fiktiven (oder besser gesagt: von „Superman“ übernommenen) Publikationshistorie der Figur. So baute Moore gleichzeitig ein Ideen-Reservoir für zukünftige Erzählungen zum beliebigen Einsatz auf, was dann in den folgenden Ausgaben auch ausgiebig von ihm genutzt wurde.  

Eine postmoderne Metaerzählung

Erzählerisch bewegte er sich stets auf verschiedenen Ebenen, die zusammengefasst betrachtet eine postmoderne Metaerzählung ergaben. Supremes Alter Ego, Ethan Crane, ist der Zeichner der Dazzle-Comics-Serie Omniman. Diesen Ausgangspunkt nutzte Moore, um Aussagen über die ökonomische und konzeptionelle Funktionsweise des Mediums zu treffen. Hier ist ein Beispiel aus dem zweiten Band der „Story Of The Year“ für die ironisierte und referentielle Herangehensweise: „Bei Kirbys Zigarre! Dazzle Comics wird angegriffen von einem riesigen, generischen Superschurken, der Omniman für echt hält! Woher kommen diese Typen?“ Nicht untypisch für Moore, dessen Werk generell viele Querverweise und Reminiszenzen enthält: Die Protagonisten in „Watchmen“ basierten auf den Comic-Helden des Charlton-Verlages, „The League Of Extraordinary Gentlemen“ setzte sich aus Figuren der phantastischen Literatur zusammen und „Lost Girls“ rekrutierte sein Personal in bekannten Kinderbüchern.    

Auf der nächsten Seite lesen Sie, was Alan Moores Erzählung mit Krazy Kat und Donald Duck verbindet.

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