Historiencomic : Das Ende der Unschuld

Existenzielle Fragen, sensible Bilder: Der Zweiteiler „Unter dem Hakenkreuz“ spielt kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten

Elke Vogel
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Alltägliche Gewalt. Eine Szene aus dem Buch.Illustration: Beuriot / Schreiber & Leser

Die Welt sollte Martin offen stehen. Bald hat er das Abitur in der Tasche, er könnte seine beschauliche rheinische Heimatstadt verlassen und das Leben und die Liebe kennen lernen. Doch Martin erlebt das Ende seiner Jugendzeit unter dem Hakenkreuz, wie die französischen Comic-Macher Jean-Michel Beuriot (Zeichnungen) und Philippe Richelle (Text) ihren ausdrucksstarken Band genannt haben.

Eine zunächst sanfte, später zunehmend resignative Melancholie durchzieht die sorgfältig konstruierte Geschichte mit ihren schlanken, transparenten Figuren. „Der letzte Frühling“ heißt der erste Band der Reihe um den feingeistigen und sinnsuchenden Martin.

Es ist das Jahr 1932.

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Hitler und seine Versprechungen sind Gesprächsthema in den Wohnzimmern der Deutschen. Doch Martin interessiert sich weniger für Politik, sondern viel mehr für Literatur, Theater - und Katharina, die Tochter der neuen jüdischen Nachbarsfamilie. Es sind die Details aus dem Alltags- und Gefühlsleben der Menschen, die diesen Comicband so spannend machen.

Tatsächlich geht es am Ende um die existenzielle, immer gültige Frage: Warum schaut ein Mensch bei Unrecht weg - und warum greifen andere ein? (dpa)

Jean-Michel Beuriot und Philippe Richelle: „Unter dem Hakenkreuz“, Verlag Schreiber & Leser, München, 88 Seiten, 22,80 Euro, in Kürze folgt der zweite Band.

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