Historischer Krimi : Der letzte Polizist

Ein Comic aus stürmischen Zeiten: "Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski" spielt im revolutionären München von 1918. Aus der Kriegsgeschichte wird ein Politkrimi.

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Umbruchsszenen: Fabrikanten und Revolutionäre in Zeiten des Umbruchs.
Umbruchsszenen: Fabrikanten und Revolutionäre in Zeiten des Umbruchs.Illustration: Bernd Wiedemann

 Der Einstieg ist bombastisch: Mit Szenen aus dem Ersten Weltkrieg, grau in schwarz gezeichnet, beginnt der Krimi-Comic. Bernd Wiedemanns teils feiner, teils brachialer Zeichenstift fängt die Atmosphäre einer Zeit ein, in der Not, Wut und revolutionärer Groll alles andere überdeckten. Wiedemann hat sich offenbar von den Expressionisten anregen lassen, die das, was sie im Krieg gesehen und erlebt hat, in teils ziemlich drastischen Bildern verarbeiteten. Die Schwarz-Weiß-Technik nimmt Wiedemanns Kriegsszenen nichts von der bedrückenden und beängstigenden Stimmung. Beim Szenenwechsel in das revolutionäre München von 1918 meint man, der Zeichner sei dabei gewesen, als Polizisten mit dem Säbel auf Leute losgingen, die von Krieg und Kaiser nichts mehr wissen wollen. Aber seltsam: Die Maler von damals waren mutiger, exzessgeneigter, erotischer als der Zeichner von heute, wenn es darum ging, die Exzesse einer Zeit zu zeigen, in der Moral viele nicht mehr interessiert.

Mit Gesetz und Ordnung war es wohl ebenso. In der Mordabteilung der Münchner Polizei lässt sich nur der wackere Inspektor Kajetan dazu hinreißen, einen verschwundenen Journalisten zu suchen. Der war einer Verschwörung auf der Spur – und an diesem Punkt wird aus der Kriegsgeschichte ein Politkrimi. Der könnte wirklich spannend und polit-expressionistisch interessant werden – wenn es dem Duo aus Zeichner Wiedemann und Autor Robert Hültner gelungen wäre, die verworrenen Handlungsfäden etwas fester zu verbinden. So ahnt man in diesem Krimi die Motive mancher Leute eher als dass man sie erkennt und begreift. Und weil auch die Krimihandlung, zu der noch eine kleine Liebesgeschichte gehört, optisch schön, aber thematisch zu brav gezeichnet ist, wirkt „Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski“ eher wie ein schwarz-weißer Fernseh-Krimi als wie ein Comic von 2011.

Robert Hültner, Bernd Wiedemann: Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski. Graphic Novel. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, 111 Seiten, 24,99 €

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