Horrorcomic : Ein Pin-Up zum Fürchten

Sexappeal mit Splatterfaktor: Von der Horror-Serie "Wulf and Batsy" liegt jetzt der erste Sammelband vor – ein großer Spaß für Freunde schwarzen Humors und garantiert nicht kinderzimmerkompatibel

Frank Wochatz
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Schön böse. Coverausschnitt des ersten Sammelbandes der Reihe.

Wulf und Batsy - das sind die Hauptfiguren in der amerikanischen Horrorcomicserie, deren erster Sammelband vor einigen Wochen erschienen ist. Wulf ist ein riesiger und mitunter recht aggressiver, aber seiner Begleiterin Batsy stets treu ergebener Werwolf. Batsy verkörpert mit einigem Sexappeal und Gothic-Style die weibliche Hauptrolle der Reihe.

Autor und Zeichner Bryan Baugh arbeitet hauptsächlich eigentlich an Storybooks für die Trickfilmindustrie. Zu seinen Auftraggebern gehören u.a. Disney, Sony Pictures und Warner Brothers. Wulf and Batsy entstand eher als Freizeitprojekt. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat Baugh an den Geschichten des vorliegenden Bandes gearbeitet. Inzwischen zeichnet Baugh auch für die Comicreihe Hack/Slash.

Lynchmobs, Monster, lange Schatten

Baughs Wurzeln liegen im Trickfilmgeschäft, und sein investiertes Künstlerherzblut merkt man dem Comic auf jeder Seite an. Den Comic kann man stilistisch dabei - ohne das negativ zu meinen - als altmodisch bezeichnen.

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Lange Schatten, seltsame Kulissen. Szene aus dem besprochenen Band.Illustration: Bryan Baugh

Dafür sorgt die voll auf Kontrast setzende Schwarz-Weiß-Grafik ohne Grautöne, sowie auch das Setting mit verrückten Wissenschaftlern, naiven Blondinen, Lynchmob, Monstern und Zombies, langen Schatten, seltsamen Gebäuden und so weiter.

Der Stil erinnert mitunter besonders bei der Darstellung von Batsy an alte Pin-Up-Bilder, das macht auch das Besondere des Bandes aus. Viele Abbildungen erinnern zudem an alte Zeichentrickserien. Baugh spielt mit Klischees und zitiert hier quer durch das Horrorgenre. Dazu kommt eine gute Portion Humor, ohne dass Wulf and Batsy dabei ins Funny-Genre abdriftet.

Der erste Band enthält die abgeschlossenen Geschichten "We Have No Home" und "Bizarre Experiments". Das Cover wurde illustriert von Josh Howard (Autor und Zeichner von Dead@17). In "We Have No Home" stoßen die beiden Protagonisten auf ihrer Suche mit Menschen zusammen, die ihnen nichts Gutes wollen.

Baugh nimmt seine Geschichte nie zu ernst

Spätestens bei der Eskalation der Situation wird klar, dieser Comic ist nicht kinderzimmerkompatibel, obwohl manchmal - ja fast niedlich gezeichnet. Dafür sorgt ein ordentlicher Splatterfaktor. Baugh macht gleich klar, es geht nicht um den Kampf zwischen Gut und Böse oder ein Happy End oder Charaktere auf dem Weg zur Selbstfindung. Wulf und Batsy sind nicht "die Guten", sondern sie sind was sie sind: ein Werwolf und ein Vampir, und Täter und Opfer zugleich. Wobei die beiden Figuren natürlich den Sympathiebonus auf ihrer Seite haben.

In der zweiten und umfangreicheren Geschichte "Bizarre Experiments" wird dann ordentlich am Spaßfaktor gedreht.

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Friedhofswächter. Immer wieder wird der Horror durch ironische Töne gebrochen.

Baugh setzt hier ein paar sehr schöne Ideen um, die spannende Geschichte steigert sich im wahrsten Sinne des Wortes "monstermäßig" von Seite zu Seite. Das schöne an dem Comic ist, das Baugh seine Geschichte nie zu ernst nimmt. Es gibt immer wieder ironische Töne. Sehr witzig sind auch die immer wieder eingestreuten fiktiven Werbeanzeigen im Stil alter Annoncen, in denen makaberste Scherzartikel zum Kauf angepriesen werden. Umfangreiches Bonusmaterial mit Skizzen und Artwork-Galerie mit Gastkünstlern runden den Band ab.

Empfehlen möchte ich den Band allen, die Spaß an schön-altmodischen, schwarzhumorigen und spannenden Horrorcomics haben. Sammelband 2 soll übrigens im Dezember erscheinen.

Bryan Baugh's Wulf and Batsy: Volume 1, CryptLogic Comics, US-Import, ca. 20 Euro.

Unser Gastautor Frank Wochatz ist Geschäftsführer des auf anspruchsvolle grafische Literatur spezialisierten Comic-Fachgeschäfts "Comics und Graphics", Prenzlauer Allee 46 (Berlin-Prenzlauer Berg). Internet: www.bluetoons.de.

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