Humor-Comic : Kein Tod ist schön

Ente im Trenchcoat: Nach langem Warten ist jetzt der erste richtige Sammelband der Gesamtausgabe zu Sokals tierischer Noir-Serie „Canardo“ erschienen.

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Ungestüm: Eine Szene aus dem Sammelband.
Ungestüm: Eine Szene aus dem Sammelband.Foto: Schreiber & Leser

Braucht der deutsche Comic-Markt noch mehr Gesamtausgaben? Eigentlich nicht. Trotzdem ist es schön und sinnig, dass Schreiber & Leser der „Nullnummer“ mit den frühen Kurzgeschichten rund um Sokals erpelhaften Detektiv Canardo nun auch den ersten Sammelband mit den Original-Alben eins bis drei Folgen lässt, die lange genug vergriffen waren.

Sicher, das erste längere Übergangs-Abenteuer nach den kurzen, knalligen und extrem experimentierfreudigen Episoden aus „Eine schöne Flasche“ ist ganz schön ungestümer, kruder Stoff. Gleichzeitig installierte der junge Sokal seinen Titel-„Helden“ in „Ein aufrechter Hund“  jedoch in nur wenigen Panels endgültig als zynische, lakonische und eben ganz und gar nicht heldenhafte Randfigur der Dramen des Lebens in der tierischen Welt seiner Serie.

Bereits die beiden nachfolgenden Geschichten „Das Zeichen des Rasputin“ und „Ein schöner Tod“ zeigen zudem, weshalb die Noir-Serie aus den 80ern einen so ausgezeichneten Ruf genießt und sich noch immer einer großen Fangemeinde erfreut, während die Reihe im Hier und Jetzt auf das 20. Album zusteuert. Egal wie Sokal damals den Wandel dermaßen kurzfristig hinbekommen und sich vom Ton der Magazin-Happen fortbewegt hat - vom ersten zum zweiten Original-Band fand der 1954 geborene Belgier endgültig die Stimme für seinen traurigen, desillusionierten Enten-Detektiv mit der Dauer-Depression und der Anti-Disney-Haltung.

Watscheln und Wandeln

„Glückliche Menschen haben keine Geschichten“, sagte Sokal einmal und legte seinem Ermittler im Columbo-Trenchcoat noch diese Weisheit in den gewaltigen Schnabel: „Ich halte mich besser im Hintergrund.“ Wenn man so möchte, sind das die beiden Maximen des Erfolgs von „Canardo“, die es Sokal auch erlauben, mit allen möglichen, beinharten Klischees des Genres zu spielen und sie in kraftvolle Geschichten zu werfen, die unterm Strich prächtig funktionieren.

Comic-Hommagen an den Krimi Noir: Das Cover des Sammelbandes.
Comic-Hommagen an den Krimi Noir: Das Cover des Sammelbandes.Foto: Schreiber & Leser

Und so ist das trotz des etwas ungeschliffenen Starts dann doch ein toller Auftakt für die dringend notwendige Canardo-Gesamtausgabe - und natürlich ein Abgesang auf die gnadenlose Finsternis und die schonungslose Trostlosigkeit des Noir-Genres. Große Füße. Großer Weltschmerz. Großer Comic.

Sokal: Canardo Sammelband I: Der aufrechte Hund / Das Zeichen des Rasputin / Ein schöner Tod, Schreiber & Leser, 144 Seiten, 22,80 Euro.

 

 

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