Illustration : Schöner Schmerz

Gebrochene Herzen als Markenzeichen: Ihre Bilder finden sich auf Depeche-Mode-Postern und in Tattoos. Ihre Wurzeln liegen im Comic und in der bildenden Kunst. Kürzlich war die amerikanische Grafik-Künstlerin Tara McPherson in Berlin zu Besuch

Tatjana Schäfer
Tara McPherson Foto: Felix Abraham (ddp)
Vielseitig. Tara McPherson signierte bei ihrem Berlin-Besuch im Comicladen "Modern Graphics" auch Designer Toys.Foto: Felix Abraham (ddp)

Es gehört zu den Gepflogenheiten im Musikbusiness, dass eine Rockband auf Tour geht, wenn sie ein neues Album veröffentlicht hat. Im Kunstbetrieb ist das weniger üblich. Die US-amerikanische Malerin und Illustratorin Tara McPherson hingegen hat das Ritual von den Musikern übernommen. Sie schätzt den direkten Kontakt zu ihren Fans und tourt derzeit durch Europa, um ihr Artbook „Lost Constellations“ vorzustellen. Auch in Berlin gastierte sie für eine Signierstunde und einige ihrer Anhänger hatten sich bereits eine Stunde vor dem offiziellen Beginn in dem Kreuzberger Comicladen „Modern Graphics“ eingefunden.

Die Werke der 33-jährigen Künstlerin, die in Kalifornien aufwuchs und mittlerweile in New York City lebt, sind vielfältig und unverwechselbar zugleich. Ihre meist weiblichen, vom Comicstil beeinflussten Figuren verkörpern eine Mischung aus Erotik und verspielter Unschuld, die von grotesken und manchmal rätselhaft dunklen Elementen kontrastiert wird. Ein Markenzeichen von Tara McPherson ist das herzförmige Loch in der Brust ihrer Protagonistinnen, ein Sinnbild für das gebrochene Herz.

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Unheilbar. Eine Bildgeschichte von Tara McPherson.Illustration: McPherson

„Jeder hat das in seinem Leben schon einmal gefühlt: Es verletzt Verstand und Seele und kommt mitten aus der Brust“, sagt McPherson über ihr bekanntestes Motiv im Gespräch.

Auf eine bestimmte Kunstform legt sie sich nicht fest. McPherson gestaltet Plakate für Rockbands wie beispielsweise Depeche Mode oder Beck, zeichnet Comics, schafft Gemälde und Illustrationen, beschäftigt sich mit Kunstdrucken und entwirft Skulpturen und Spielzeuge. „Die Abwechslung ist wichtig für mich, anderenfalls würde ich mich langweilen“, erklärt sie die Bandbreite ihrer Werke. Eine bewusste Entscheidung war das jedoch nicht, die Vielfalt hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Vielgestaltig sind auch ihre künstlerischen Einflüsse. Botticelli gehört ebenso dazu wie zeitgenössische amerikanische Künstler. Beeindruckt haben sie auch die Arbeiten von Tsukioka Yoshitoshi, eines japanischen Künstlers aus dem 19. Jahrhundert, dessen Farbholzschnitte unter anderem drastische Gewalt- und Todesdarstellungen zeigen.

Für Kunst hat sich Tara McPherson schon als Kind interessiert, und ihr war rasch klar, dass sie daraus einen Beruf machen würde. In diesem Entschluss hat sie sich nicht beirren lassen. Sie studierte am Art Center in Pasadena und schloss das Studium mit Auszeichnung ab. „Einer der Lehrer sagte immer zu uns: Ein Prozent von Euch wird später Künstler, 99 Prozent müssen sich nach etwas anderem umsehen. Ich wusste aber immer, dass ich Künstlerin werde“, erzählt sie lachend. Ihre künstlerische Karriere begann damit, dass sie in einer Rockband spielte.

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Druckfrisch. Kürzlich erschien der zweite Sammelband mit McPhersons Arbeiten.

Als ehemalige Kunststudentin entwarf sie die Plakate für die Auftritte. Später tat sie das auch für andere Bands und schließlich wurde sie dafür bezahlt.

Tara McPhersons Arbeiten sind nicht nur auf Papier zu finden, sondern mitunter auch als Tattoos auf den Körpern ihrer Fans. Das ist durchaus passend. „Eine Zeit lang habe ich überlegt, Tattoo-Künstlerin zu werden. Das hätte mir bestimmt auch Spaß gemacht.“ Dennoch war ihre Überraschung groß, als sie zum ersten Mal davon erfuhr, dass ihre Arbeiten in dieser Form verewigt werden. „Ich konnte es kaum glauben. Das ist ein ganz tolles Kompliment“, freut sich die Künstlerin. Mittlerweile gestaltet sie auf Einzelanfrage von Fans auch die Vorlagen für den Tätowierer. Bei den Tätowierungen, die ihre eigenen Arme zieren, handelt es sich jedoch um die Werke anderer Künstler. „Zu Hause hänge ich ja auch nicht meine eigenen Bilder an die Wände!“ (ddp)

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