Interview : "Ja, warum denn nicht?"

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat im Tagesspiegel die wachsende öffentliche Anerkennung von Comics als Kunstform begrüßt - im ersten Interview eines Regierungsvertreters zu diesem Thema.

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Vom Struwwelpeter zu Persepolis: Staatsminister Bernd Neumann (CDU).
Vom Struwwelpeter zu Persepolis: Staatsminister Bernd Neumann (CDU).Foto: Mike Wolff

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat die wachsende öffentliche Anerkennung von Comics als Kunstform begrüßt. „Die qualitative Entwicklung von Comics und Graphic Novels und die entsprechende Akzeptanz im Kunst- und Literaturbereich sind erfreulich“, sagt der CDU-Politiker im Interview mit dem Tagesspiegel. Der Erfolg des Mediums gerade bei jüngeren Lesern liege „sicherlich auch daran, dass diese Kunstform den Sehgewohnheiten der Menschen in der modernen Kommunikationsgesellschaft besonders entgegenkommt“.

Es ist das erste Mal, dass sich ein Vertreter der Bundesregierung offiziell zur Bedeutung des Mediums Comic äußert. Im vergangenen Jahr hatte der frühere Bundesfinanzminister und heutige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) erstmals ausführlich in einem Tagesspiegel-Interview über seine Comicleidenschaft gesprochen.

Auch Neumann hat seit frühester Kindheit einen persönlichen Bezug zum Medium, wie er sagt: „Das allererste Buch war für viele in meiner Generation ein Comic: Der Struwwelpeter.“ Zudem hätten ihn auch viele Bildgeschichten von Wilhelm Busch erfreut, „dem Vater des deutschen Comics“. Außerdem spiele auch seine enge Beziehung zum Medium Film eine Rolle: „Es besteht ja eine enge Verwandtschaft von Film und Comic , die sich unter anderem in der Erstellung von Storyboards während der Produktionsphase eines Films zeigt.“

Zuletzt habe er die Graphic Novel „Persepolis“ gelesen, angeregt durch den Zeichentrickfilm nach der Comicvorlage von Marjane Satrapi.„Es gab Zeiten, an die ich mich noch sehr genau erinnere, in denen Comics außerhalb eingeschworener Fan-Gemeinden als anspruchsloser Kinderkram galten“, sagt der 1942 geborene Neumann. „Das hat sich grundlegend verändert.“

Der Minister attestiert aktuell einen „international anhaltenden Comic-Hype“, der durch die digitalen Medien verstärkt werde. Bei aktuellen Comics beeindrucke ihn vor allem die thematische Bandbreite von Science-Fiction und Kriminalgeschichten über Kriegsdokumentationen bis hin zur Adaption von Romanen.

Gefragt, ob Deutschland nicht wie Frankreich oder Belgien Comics mit öffentlichem Geld mehr fördern sollte, sagt Neumann: „Darüber kann man nachdenken.“ Zudem könne er sich vorstellen, als Kulturstaatsminister auch mal ein Comicfestival zu besuchen: „Ja, warum nicht?“ Der Bund fördere ja über den Hauptstadtkulturfonds bereits das Internationale Literaturfestival Berlin, wo es seit vergangenem Jahr auch einen Graphic-Novel-Tag gibt.

Das komplette Interview, das per E-Mail geführt wurde, finden Sie unter diesem Link.

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