Interview : „Wir sprechen immer mehr Frauen an“

Was Comics für den Buchhandel bedeuten? Cornelia Krüger, Sortimentsmanagerin für die Bereiche Manga, Comic und Humor bei der Buchhandelskette Hugendubel, erklärt es.

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Cornelia Krüger ist Sortimentsmanagerin bei Hugendubel. Foto: Promo
Cornelia Krüger ist Sortimentsmanagerin bei Hugendubel.Foto: Promo

Tagesspiegel: Frau Krüger, Comics werden in Deutschland traditionell über Kioske, den Fach- und den Versandhandel verkauft. Seit wann interessiert sich der klassische Buchhandel für das Thema?

Cornelia Krüger: Traditionelle Comichefte werden hierzulande nach wie vor über die Comicläden verkauft. Was im Buchhandel jedoch gut funktioniert, ist die Graphic Novel. „Persepolis“ war im Jahr 2007 ein Schlüsselwerk, mit dem auch klassische Buchkäufer einen Zugang zu dem Medium gefunden haben. Seitdem finden sich selbst im Angebot belletristischer Verlage vermehrt Comic-Romane.

Welche Bedeutung haben Graphic Novels für die Buchbranche, die seit längerem mit Absatzproblemen zu kämpfen hat?

Die Graphic Novels gehören zu den am stärksten wachsenden Märkten. Nach „Persepolis“ haben wir gemerkt, dass sich Comics und Graphic Novels rechnen. Auch weil die Kunden bereit sind, 30 Euro und mehr für einen hochwertigen Band auszugeben. Besonders gut funktionieren Titel, wenn sie von einem Film begleitet werden. „Watchmen“ war da ein sehr erfolgreiches Beispiel. Am besten laufen aber nach wie vor die Klassiker. Ohne die geht es nicht.

Wie viel Umsatz machen Sie heute mit Comics und Graphic Novels?

Die Zahlen sind schwer aufzuschlüsseln, weil wir die japanischen Mangas, Comichefte, Graphic Novels und Humor gemeinsam erfassen. Unter Humor fallen allerdings nicht nur Cartoons, sondern auch einige Sachbücher. Übergreifend wächst der Bereich seit 2007 jedoch zweistellig.

Wie viel Potenzial sehen Sie noch?

Die Mangas wachsen nicht mehr so explosionsartig wie noch vor ein paar Jahren, sondern liegen auf einem konstant hohen Niveau. Besonders bei Graphic Novels ist aber noch ganz viel Musik drin. Über dieses Label, das viel für die Akzeptanz von Comics getan hat, können wir Belletristikleser und auch zunehmend Frauen ansprechen. Der klassische Comicleser ist männlich. Allerdings ist das Interesse an Comics noch stark auf die großen Städte und Filialen beschränkt, dort haben wir von Spitzentiteln mitunter Absätze im vierstelligen Bereich. Bis der Comic hierzulande eine Bedeutung wie beispielsweise in Frankreich erfährt, wo auch die Grenze zwischen Kinderbuch und Comic fließender ist, wird es aber noch dauern.

Das Gespräch führte Moritz Honert

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