Iran : Staatsstreich in „Persepolis“

Die iranischstämmige Comicautorin Marjane Satrapi macht Präsident Ahmadinedschad schwere Vorwürfe und bezeichnet das Wahlergebnis als Fälschung.

Exil-Iraner bei Pk im Europaparlament
Zeugen der Anklage. Marjane Satrapi und Mohsen Makmalbaf in Brüssel.Foto: dpa

Die wohl bekannteste Comicautorin der westlichen Welt sowie ein prominenter iranischer Filmemacher haben die internationale Gemeinschaft aufgerufen, die Wiederwahl Mahmud Ahmadinedschads nicht anzuerkennen. Dem Präsidenten des Iran warfen sie einen Staatsstreich vor, wie unter anderem die Website „Euronews“ meldet.

Der Regisseur Mohsen Makhmalbaf und seine Landsfrau Marjane Satrapi, Autorin des autobiografisch inspirierten Comicromans „Persepolis“, zitierten am Dienstag bei einer Veranstaltung im EU-Parlament aus einem angeblich vom iranischen Innenministerium stammendem Papier. Demnach habe der Reformpolitiker Mir-Hossein Mussawi 19 Millionen Stimmen erhalten, Ahmadinedschad aber nur gut fünfeinhalb Millionen – das seien zwölf Prozent der Stimmen, nicht wie vom angeblichen Wahlsieger behauptet 62 Prozent.

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Westmusik. Disco-Pop ist im Iran der Mullahs nicht gern gesehen. -Foto: Prokino

Makhmalbaf und Satrapi leben im französischen Exil. Beide waren auf Einladung der Grünen ins Europäische Parlament nach Brüssel gekommen. Satrapis Comic „Persepolis“ ist eine der erfolgreichsten Graphic Novels der vergangenen Jahre. Der Titel bezieht sich auf die altpersische Residenzstadt Persepolis, die Hauptstadt des antiken Perserreichs auf dem Gebiet des heutigen Iran.

Das auch in Deutschland zum Bestseller avancierte Werk (mehr dazu hier) erzählt von den Schwierigkeiten einer jungen Frau in der sittenstrengen iranischen Gesellschaft. „Persepolis“ wurde in zwei Dutzend Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Der auf dem Buch basierende, unter Leitung Satrapis gedrehte Trickfilm (mehr dazu hier) wurde 2007 in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.  (lvt)


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