Jubiläum : Für immer Jungs

Vor zehn Jahren wurde das Comic-Magazin "Zack" neu gestartet. Viele Leser verbinden mit dem Titel aber bis heute vor allem Erinnerungen an die eigene Jugend in den 70er Jahren. Michael Hüster, Autor des Magazins, lässt für uns die Geschichte Revue passieren

Michael Hüster
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Klassiker. Das Cover der Jubiläumsausgabe.

Wir befinden uns im Jahre 1972. An einem Tag im April erscheint das Comicmagazin Zack zum ersten Mal. Der Medien-Konzern Springer hatte den Koralle-Verlag gegründet, um unter anderem im Comic-Bereich mit dem Jugendmagazin Zack neue Lesergruppen zu gewinnen, die bisher durch Springer noch nicht erreicht wurden.

Zielgruppe von Zack waren die zwölf- bis 16-jährigen Jungen. Das blieb natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Auswahl der Comic-Serien: Es wurden vorwiegend semi-realistisch gezeichnete Abenteuer-Comics aus den Genres Western (Leutnant Blueberry, Los Gringos, Comanche), Piraten (Der rote Pirat, Howard Flynn), Rennfahrer (Michel Vaillant, Julie Wood), Flieger (Mick Tangy, Dan Cooper), Agenten (Bruno Brazil, Gentlemen GmbH), Krimi (Rick Master) und Science Fiction (Luc Orient, Valerian) ausgewählt. Das (Comic-) Material wurde weitestgehend durch Kooperations- und Lizenzverträge mit ausländischen Verlagen aus Belgien, Frankreich und Italien beschafft.

Der Erfolg von Zack, vor allem in den ersten Jahren, war auf das besondere Magazin-Konzept mit redaktionellem Teil und eben dem sehr guten Comic-Material zurückzuführen. In den Jahren 1979 und 1980 erschienen auch französische, flämische und niederländische Ausgaben von Zack (SuperAs bzw. Wham!).

Nach 291 Ausgaben wurde das Magazin-Projekt, das eine ganze Comic-Generation prägte, im Jahre 1980 schließlich beendet. Das Leserinteresse war aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch das Fernsehen geschwunden, aber auch die hohen Produktionskosten für die Comics konnten durch das Magazin nicht mehr erwirtschaftet werden.

Das Trauma vor dem Neustart

19 Jahre später die Wiederauferstehung: Seit Sommer 1999 wird das Zack-Magazin durch den Berliner Mosaik-Steinchen für Steinchen Verlag wieder herausgegeben. Die Idee zum Relaunch des Zack-Magazins hatte Martin Jurgeit, der 1999 erster Chefredakteur des Mosaik-Zack-Magazins wurde (und der heute Chefredakteur der Fachzeitschrift Comixene sowie Tagesspiegel-Autor ist - unter diesem Link findet man seine Kolumnen).

In einem Interview im ICOM-Comic-Jahrbuch 2004 erinnert er sich: „Ganz konkrete Planungen, Zack neu zu starten, existierten bereits seit Herbst 1980. Für mich war die Einstellung von Zack ein wirklich traumatisches Erlebnis. Ich befand mich damals erstmals auf einem Auslandsurlaub in Österreich. Unsere Nachbarin arbeitete in einer Bäckerei, in der auch Comics verkauft wurden, und dadurch war sichergestellt, dass alle wichtigen Hefte für mich zurückgelegt wurden. Als ich dann aus Österreich zurückkehrte, freute ich mich schon darauf, vier Ausgaben von Zack nachlesen zu können, habe dann aber kein einziges Heft mehr vorgefunden, weil direkt nach meiner Abreise Zack eingestellt wurde. Ich war ca. zwölf Jahre alt und habe damals auch noch wöchentlich bei Koralle angerufen und darauf bestanden, das Magazin wieder aufleben zu lassen. Ich hatte auch konkrete Ideen, wie das Magazin wieder belebt werden könnte und diese hatte ich über die Jahre immer im Hinterkopf.“

Es sollte jedoch noch viele Jahre dauern, bis Martins Idee realisiert wurde. 1998 nahmen seine Pläne konkrete Züge an, denn mit dem Mosaik-Verlag (Zack-Herausgeber: Klaus D. Schleiter) fand sich ein Partner, der bereit war, die Zack-Pläne zu realisieren. Nach 19 Jahren Zack-Abstinenz waren die Fans natürlich auf die Rückkehr ihres Magazins gespannt.

Alte Leser ansprechen, neue finden - ein Spagat

Die Zack-Redaktion stand damit einer großen Erwartungshaltung gegenüber. Zielgruppe des neuen Magazins sollten ja nicht nur alte Fans sein, auch neue junge Leser sollten für Zack begeistert werden.

Mit der ersten neuen Ausgabe Juli 1999 war es dann soweit. Die erste Ausgabe des neuen Zack erschien, auf dem Titel ein alter Bekannter: Rennfahrer Michel Vaillant, zumindest älteren Lesern aus früheren Jahren gut bekannt.

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Wiedergeburt. Das erste Heft der neuen Reihe erschien vor zehn Jahren.

Mit Comics auf internationalem Niveau, besonders aus dem franko-belgischen Raum und einem informativen Redaktionsteil wurde eine bis heute erfolgreiche Mischung gefunden. Von 1999 bis Ende 2002 gestaltete Martin Jurgeit maßgeblich 42 Ausgaben des Zack-Magazins. Ab Anfang 2003 folgte Martin Surmann als verantwortlicher Redakteur. Damit setzte Mosaik auf eine Nachfolge aus den eigenen Reihen, denn Martin Surmann war als freier Mitarbeiter von Anfang an mit Beiträgen im neuen Zack vertreten. Ebenfalls von Beginn an für das Mosaik-Zack in der Verlagsredaktion dabei: Mirko Piredda. Im Frühjahr 2008 beendeten Piredda und Surmann ihr Zack-Engagement, um sich neuen Zielen zuzuwenden, unter anderem der Herausgabe von Comic-Büchern in einem eigenen Verlag. Seitdem ist Mark O. Fischer als Chefredakteur für den Inhalt des Zack-Magazins verantwortlich.

Allen Beteiligten war natürlich klar, dass sich das neue Zack deutlich von seiner Version der 1970er-Jahre unterscheiden würde. Zu viel hatte sich seit der Einstellung des Magazins im Sommer 1980 verändert. Auch die Zielgruppe hat sich verändert: Während die Zielgruppe des „alte“ Zack zwölf- bis 16-jährige Jungen waren, richtet sich das neue Zack eher an eine erwachsene Zielgruppe und dabei vor allem an die ehemaligen Leser des alten Zack.

Klassische Mischung, aktuelle Stoffe

Bei den Comics knüpfte man bewusst an den alten Zack-Stil an. Dazu kamen eine ganze Reihe deutscher Comic-Beiträge. Es war zunächst Teil des neuen Konzeptes, insbesondere deutsches Comic-Material einer breiten Leserschaft bekannt zu machen. Da dieses Konzept jedoch nicht den erwünschten Erfolg bei den Lesern hatte, reduzierten sich die deutschen Comics später auf wenige Titel. Ebenso wie das Koralle-Zack-Magazin setzte das Mosaik-Zack-Magazin auf Top-Serien aus den verschiedenen klassischen Genres. Hierzu zählen u. a. Blueberry/Ringo/Silbermond über Providence bei den Western-Storys, Luc Orient/Jeremiah/Mayam/Phenomenum im SF-Bereich, Soda/Green Manor/Rubine/Largo Winch/Franka/XIII/Lady S. (Krimi/Agenten), Michel Vaillant/Dan Cooper/Biggles/Buck Danny (Autorennsport/Flieger), Schrei des Falken (Piraten & Seefahrer), Die Legende von Malemort (Abenteuer) und Lucky Luke/Die Blauen Boys/Boule & Bill/Cubitus/Pittje Pit/Isnogud im Funny-Genre.

Insgesamt zeichnet sich bei der Entwicklung des Comic-Inhalts eine Hinwendung zu ‚aktuellen Stoffen’ und damit verbunden das Zurückfahren der klassischen Serien der Koralle-Zeit ab. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die klassischen Serien entweder eingestellt wurden oder nur noch in geringer Albenzahl produziert werden. Somit kommen zwangsläufig immer mehr neue Serien in das Zack-Magazin, was grundsätzlich durchaus als Bereicherung des Inhalts zu sehen ist, da auch in der jüngeren Vergangenheit viele qualitativ gute Serien in Frankreich und Belgien entstanden sind. Außerdem ist Zack traditionell eine Plattform, um den Comic-Fans neues Comic-Material zu präsentieren.

Schwerpunkte der redaktionellen Arbeit sind, angepasst an die Leserschaft, vor allem Artikelreihen, Serien- und Autorenporträts, Interviews, Berichte u. a. von Comic-Veranstaltungen, News-Seiten und Vorschauseiten über deutsche Comic-Neuerscheinungen. Aber es gab auch redaktionelle Beiträge wie Treffpunkt Zack (bzw. „Leserbriefe“), die an die alten Traditionen anknüpfen sollten. Die Rubrik ist jedoch seit einiger Zeit nicht mehr erschienen, denn in Zeiten des Internets nutzen die meisten Fans das Comic-Forum, um miteinander in Kontakt zu treten.

Die Zack-Jubiläumsausgabe gibt es für 7,90 Euro überall im Bahnhofsbuchhandel und im Comicfachhandel. Weiteres auf der
Zack-Website.

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