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Karikaturenstreit : Frecher als Teheran und Paris lieb ist

02.01.2013 13:36 Uhr
Professioneller Provokateur: Stéphane Charbonnier, Herausgeber und Zeichner von „Charlie Hebdo“, mit dem umstrittenen Comic.Bild vergrößern
Professioneller Provokateur: Stéphane Charbonnier, Herausgeber und Zeichner von „Charlie Hebdo“, mit dem umstrittenen Comic. - Foto: AFP

UpdateEin französisches Satire-Magazin hat an diesem Mitttwoch einen neuen Mohammed-Comic veröffentlicht. Das provozierte schon vor der Veröffentlichung die erste Empörung - und jetzt auch eine Rüge der französischen Regierung.

In Frankreich steht möglicherweise neuer Ärger um Muhammad-Karikaturen bevor. Das Satire-Blatt „Charlie Hebdo“ veröffentlichte an diesem Mittwoch ein Sonderheft mit einem Comic zum Leben des islamischen Propheten Muhammad. Das Heft schildert mit den für den Zeichner und Herausgeber Stéphane Charbonnier alias Charb charakteristischen gelben Männchen das Leben von Muhammad: Die Situation seiner Eltern Abdullah und Amina, seinen Geburtsort Mekka, Muhammad als Neugeborenes, Kind, Heranwachsender, seine Reisen und Kriege gegen andere Karawanen.

Das als „erste Ausgabe“ mit Fortsetzungshinweis erschienene Heft endet mit der Begegnung Muhammad mit dem Erzengel Gabriel. Am Mittwoch gab es vom Verlag noch keine Informationen darüber, ob es tatsächlich Fortsetzungen geben soll.

Das 64 Seiten umfassende Sonderheft liegt für sechs Euro an französischen Kiosken aus. Der Verlag hat nach Angaben vom Mittwoch etwa 80.000 Exemplare drucken lassen. Damit liegt die Auflage rund 10.000 Stück oberhalb der regulären Auflage des Wochenblattes.

Stephane Charbonnier spricht von einer „vom Islam autorisierten Biografie, da sie von Muslimen redigiert wurde.“ Auf der offiziellen Buchseite wirbt er denn auch nicht mit provokanten Witzen, sondern wirft die ernsthafte Frage auf: Was wissen wir eigentlich über den Propheten Muhammad? Können wir ihn karikieren, wie wir Jesus oder Napoleon karikieren würden?

Charbonnier wolle es versuchen, mit einer "halal"-Version - also einer nach islamischer Lehre "zulässigen" oder "erlaubten" Interpretation. Ganz zulässig kann sie jedoch bei aller historischen Sorgfalt nicht sein: Zwar spricht der Koran kein Verbot bildlicher Darstellungen Muhammads aus. Jedoch interpretieren viele Rechtsgelehrte den Koran genau in diese Richtung, sich weder von Gott noch von seinen Propheten ein Bildnis zu machen. Ein ganzes Buch voll mit Muhammad-Zeichnungen dürfte so viele Rechtsgelehrte verärgern.

In einer ersten Reaktion auf das Sonderheft verwies die Sprecherin der französischen Regierung, Najat Vallaud-Belkacem, auf die Meinungsfreiheit im Land. Dem Sender France 2 sagte sie gleichzeitig: „Es ist nicht notwendig, Öl ins Feuer zu gießen.“ Frankreich brauche ein Gleichgewicht zwischen Meinungsfreiheit und dem Respekt für öffentliche Ordnung.

Im September hatte eine „Charlie Hebdo“-Ausgabe mit derben Muhammad-Karikaturen zu weltweiten Protesten von Muslimen geführt. Französische Einrichtungen wurden in einigen Ländern zeitweise aus Sicherheitsgründen geschlossen. Strenggläubige Muslime empfinden es bereits als anstößig, den Propheten Muhammad als Person zu zeigen.

„Wenn die Leute schockiert sein wollen, werden sie schockiert sein“, sagte „Charlie Hebdo“-Zeichner und Herausgeber Charbonnier, vor der aktuellen Veröffentlichung. Es sei aber nichts Schockierendes dabei. Noch vor den Karikaturen hatte im Sommer ein Schmäh-Video über Muhammad zu Protesten von Muslimen gegen die westliche Welt geführt. Bei den wochenlang anhaltenden Unruhen starben etliche Menschen. Bei Protesten nach der Veröffentlichung von Muhammad-Karikaturen in einer dänischen Zeitung 2006 kamen mehr als 150 Menschen ums Leben.

Der Iran kritisierte am Dienstag die geplante Veröffentlichung der Muhammad-Karikaturen. „Wir verurteilen jegliche religiöse Beleidigung, insbesondere die des islamischen Propheten, und fordern juristische Schritte gegen die Karikaturisten“, sagte Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast am Dienstag während einer Pressekonferenz in Teheran. (dpa)

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