„Åke Ordür“ von Lars Sjunnesson : Zündeln, fluchen und genießen

Politische Kritik als absurdes Comic-Theater oder Blödsinn mit Attitüde? Die Episodenerzählung „Åke Ordür“ des in Berlin lebenden Schweden Lars Sjunnesson ist so verrückt wie vergnüglich. Auf Deutsch kann man sie bislang allerdings noch nicht lesen.

Thomas Greven
Unfrohes Neues: Eine typische Lars-Sjunnesson-Szene.
Unfrohes Neues: Eine typische Lars-Sjunnesson-Szene.Foto: Promo

Der schwedische Comic-Zeichner Lars Sjunnesson lebt zwar seit Ende der 1990er Jahre in Berlin, hat aber mit seinem minimalistischen Werk – irgendwo zwischen South Park und Nicolas Mahler, nur ohne jede Pointenorientierung – bisher eher in Frankreich Erfolg gehabt. Auf Deutsch gibt es bislang von ihm nur den so lustigen wie verstörenden Balkan-Reisebericht „Bosnian Flat Dog“, die Gemeinschaftsarbeit mit Max Andersson. Dass das jetzt auf Französisch veröffentlichte „Åke Ordür“ bisher nicht ins Deutsche übertragen wurde, liegt nicht etwa daran, dass die Übertragung aus dem Schwedischen ins Französische leichter wäre, sondern eher an einer in Deutschland weitgehend fehlenden anarchistischen Tradition.

Denn „Åke Ordür“ – in Schweden bereits 1984 zuerst erschienen – ist ein verstörender Protagonist, der einerseits deutlich herrschende kapitalistische Verhältnisse und ihre Repräsentanten konfrontiert, während er sich durch eine von abstrakt dargestellten gewaltsamen Auseinandersetzungen geprägte Kulisse bewegt, stets rauchend oder jedenfalls mit dem brennenden Zündholz in der Hand.

Häufig ragt ein erigierter Penis aus der Hose

Andererseits ist er eben nicht nur ein radikaler, ständig fluchender Zündler – oft hat er eine Pistole in der Hand, abfeuern tut er sie jedoch nie – sondern es scheint ihm in erster Linie um die hedonistischen Freuden des Lebens zu gehen. Meist verlangt er nach Zigaretten und Alkohol und er ist recht häufig mit aus der Hose ragendem erigierten Penis zu sehen – zum Vollzug kommt es allerdings ebenfalls nie. In Schweden hat die Punk-Szene „Åke Ordür“ seit langem entdeckt und zum Vorbild erkoren, angeblich tragen viele ein Åke-Ordür-Tattoo.

Hedonist und Brandstifter: Das Cover der jetzt veröffentlichten französischen Ausgabe.
Hedonist und Brandstifter: Das Cover der jetzt veröffentlichten französischen Ausgabe.Foto: L'Association

Auch von den anderen Protagonisten des Episoden-Comics darf der Leser kein logisch nachvollziehbares Rollenverhalten erwarten und so bleibt nach der Lektüre die Frage offen, ob man es mit einer letztlich ernsthaften politischen Kritik im Gewand eines absurden Comic-Theaters zu tun hat, oder mit einem mit vorgeschobener Polit-Attitüde vorgetragenen Blödsinn. Hat man sich einmal auf das verrückte Spiel eingelassen ist „Åke Ordür“ in jedem Fall eine vergnügliche Lektüre.

Lars Sjunnesson: Åke Ordür, Paris: L’Association, 2013, 80 Seiten, 11,99 Euro. Mehr von Lars Sjunesson gibt es hier.

Unser Autor Dr. Thomas Greven ist Senior Research Fellow am Institut für Internationale Politik, Berlin, und Privatdozent am John-F.-Kennedy-Institut der FU Berlin. Mehr Texte von ihm zu politischen und sozialen Themen im Comic finden sich unter diesem Link. 

0 Kommentare

Neuester Kommentar