Kindercomic-Klassiker : Das Jahr Schlumpf

Sagt mal, wo kommt Ihr denn her? Die Neuausgabe der Schlümpfe erfreut die Fans, wirft aber auch einige Fragen auf.

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Guter Schlumpf, böser Schlumpf: Szene aus dem ersten Band der Neuauflage.
Guter Schlumpf, böser Schlumpf: Szene aus dem ersten Band der Neuauflage.Foto: Toonfish

Jahrelang waren sie vom Markt verschwunden – zumindest als Comics, denn als vielfältiges Merchandise waren sie weiterhin präsent. So fristeten die kleinen blauen Hartgummifiguren ihr Dasein in den Büros dieser Welt, wo man gerne dem netten Kollegen, der so tennisbegeistert ist, einen kleinen Tennisschlumpf schenkte, oder als ironische Anspielung dem Besserwisser einen Brillenschlumpf. Der Chef bekam selbstverständlich den Großen Schlumpf. Die Funktionalität der Schlümpfe eröffnete ein ganzes Geschäftsfeld und die Schlumpffiguren eroberten den Alltag. Ganz zu schweigen von den enervierenden musikalischen Schlager- und Technoversuchen.

Aber gerade in dem Medium, aus dem die niedlichen kleinen blauen Gnome mit der ihnen eigenen, einprägsamen Schlumpf-Sprache eigentlich stammen, waren sie in Deutschland lange Jahre nicht mehr erhältlich. Das hatte verschiedenste Gründe, bei einem Besuch in der Schlumpf-Zentrale in der Nähe von Brüssel im Jahr 2008 ließ man noch verlauten, die Marke Schlumpf sei mittlerweile so bekannt, diese könne man nicht als Einzellizenz für ein Sammlerpublikum in Deutschland vergeben, nur eine flächendeckende Kioskausgabe mit den Schlümpfen wäre adäquat.

Zeitlose Geschichten, wunderbare Ideen

Das es nun doch ganz anders gekommen ist, ist dem Splitter-Verlag zu verdanken, der dank eines cleveren Konzeptes nun doch eine Albenausgabe starten darf. Womöglich war das Jahr in dem der 3D-Kinofilm starten soll, aber auch denkbar günstig. Nun sind sie also zurück, in hochwertigen Hardcover-Alben, neu koloriert und sprachlich leicht modernisiert. Parallel erschienen sind jüngst Band 1 und Band 28, die Lücke soll sukzessive geschlossen werden. Damit ist einer der großen franko-belgischen Funny-Klassiker wieder zurück auf dem Markt.

Ach, die Schlümpfe, um deren Erstveröffentlichung 1958 zahlreiche Geschichten ranken, etwa das gemeinsame Essen des Zeichners Peyo mit seinem Kollegen Franquin, wo sie als Ersatzwort für den Salzstreuer das Wort „Schtroumpf“ erfanden. Unvergessen auch der erste Auftritt der Schlümpfe in der Serie „Johann und Pfiffikus“ (eine neue Gesamtausgabe startet im November 2011), in der Folge, wo eine Zauberflöte alle zum Tanzen bringt, ob sie nun wollen oder nicht. Ebenfalls legendär auch die Anfänge als eigene Serie in den Mini-Recits, kleinen Din-A7-Bastelbögen, die aus den „Spirou“-Heften herausgetrennt werden mussten, um dann gefaltet zu werden. Wie überaus passend für die kleinen Figuren.

Wieder zu haben: Titeldetail des ersten Bandes der Neuauflage.
Wieder zu haben: Titeldetail des ersten Bandes der Neuauflage.Foto: Promo

Der Zeichner Pierre Culliford (1928-1992) alias Peyo hat mit dem nicht minder großartigen Redakteur Yvan Delporte ein kleines fantastisches Universum geschaffen, das heute noch verzücken kann. Zeitlos sind die frühen Geschichten, und voller wunderbarer Ideen: Der Aufstand gegen den selbsternannten König Schlumpfissimus etwa, mit maskierten Schlümpfen, die im Halbdunkel um die Häuser schleichen (Band 2); die Erschaffung von Schlumpfine durch den Zauberer Gargamel: Die erste Version wurde noch von den Schlümpfen als zu hässlich befunden und, sehr erschreckend, erst nach einem Lifting und einer Blondierung wurde Schlumpfine zum Gegenstand des Begehrens aller Schlümpfe (Band 3); der lange Weg der Schlümpfe zum Vulkan, wo man dem Weltraumschlumpf vorspielte, dass es doch im Weltraum gar nicht so toll sein muss (Band 6); oder auch die ganz wunderbare Parabel auf den Sprachstreit der Wallonen und Flamen mit dem Titel „Rotschlümpfchen und Schlumpfkäppchen“, in der sich die Schlümpfe in zwei Lager teilen, weil die einen Schlumpfzieher und die anderen Schraubenschlumpf sagen (Band 8). Wer diese Geschichten kennt, der wird sich dem Seufzer anschließen, ach, die Schlümpfe. Für Leser jeder Altersstufe ein Genuss.

Nach Peyos Tod führte die Familie das Erbe weiter

Nebenbei baute Peyo sein Produktuniversum aus, kam kaum noch zum Zeichnen, weil die Anfragen zur Vermarktung immer mehr geworden waren. Das mündete schließlich in Erschöpfungssymptomen und Depressionen beim Zeichner, die er sich noch einmal von der Seele zeichnete, im Album „Der Finanzschlumpf“, als Geld alles im den kleinen Schlumpfhausen auf den Kopf stellt. Es war sein letztes Album, denn er starb an Heiligabend 1992. Schon früh arbeiteten die Kinder mit an der Serie, schließlich übernahmen sie auch das ganze Imperium und sorgen mit einem großen Stab an Mitarbeitern dafür, dass regelmäßig neue Comics erscheinen.

Nun liegen sie auch hierzulande wieder vor, der neueste Band als deutsche Erstausgabe. Band 1, ein Klassiker, erzählt von einer Krankheit, die durch eine Mücke übertragen wird und die aus den friedliebenden blauen Schlümpfen, aggressive schwarze Schlümpfe werden lässt. Zudem taucht in dem Band auch der Zauberer  Gargamel mit seinem Kater Azrael erstmals auf, der zum Gegner der Schlümpfe avanciert. Die dritte Geschichte  im Album mit dem Titel „Der fliegende Schlumpf“ über die Kraft der Träume steckt voller wunderbarer Ideen, dass man schnell dem eigenwilligen Charme der Serie erliegt.

Kindercomic-Klassiker: Eine Seite aus dem zweiten Band.
Kindercomic-Klassiker: Eine Seite aus dem zweiten Band.Foto: Toonfish

Der neue Band „Schlumpfine greift ein“, beginnt traditionell, entwickelt sich in der ersten Hälfte zu einer heiteren Feminismus-Parabel, doch als plötzlich die „Innung der Hexen und Zauberer“ Gargamel prüfen will, wird die Modernisierung etwas überstrapaziert. Allerdings sollen Kinder von heute angesprochen werden, und denen helfen altbackene Parabeln weniger, als ein wenig Magie. Selbstredend ist es auch schwieriger geworden, Kinder mit Figuren zu begeistern, die mittlerweile mehr als 50 Jahre alt sind und somit aus einer ganz anderen Zeit kommen. Doch das kann sich mit dem Film und der Welle an flankierenden Werbemaßnahmen schnell ändern.

Aus dem Großen Schlumpf wird Papa Schlumpf

Es ist also mehr als erfreulich, dass das Label Toonfish, die Aufgabe übernommen hat, die Schlümpfe wieder etablieren zu wollen. Das Zauberwort heißt selbstverständlich Buchhandel, denn nur mit der Belustigung von Altfans wird sich der Aufwand nicht rentieren, neue Leser sollen angesprochen werden. Denen wird auch kaum auffallen, dass es eine kleine, aber gewichtige Veränderung gibt. Denn der Lizenzgeber verlangte von der Ausgabe, dass die Namen der „Smurf“-Zeichentrickserie aus den USA übernommen werden müssen – es ist zu erwarten, dass die Schlümpfe im Kinofilm ebenfalls so heißen. Deshalb nennt sich der Bastelschlumpf nun Handy, der Brillenschlumpf Schlaubi oder der Überraschungsschlumpf Jokey (sic!). Daran könnte man sich gewöhnen, wenn nun nicht der Große Schlumpf plötzlich Papa Schlumpf wäre. Das wirft natürlich unangenehme Fragen auf: Ist er der Vater aller Schlümpfe? Hat er sie erschaffen oder gezeugt? Und wenn, dann mit wem?

Doch das soll das Geheimnis der Schlümpfe bleiben. Die Rückkehr dieses Kindercomic-Klassikers, an dem auch Erwachsene ihre Freude finden können, war lange überfällig, und es ist zu hoffen, dass das auch die Eltern zu schätzen wissen, denn für die Kleinen sollte kein Schlumpf zu teuer sein.

Zur Website des Toonfish-Labels mit den Schlümpfe-Büchern geht es hier.

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