Kordon-Klassiker als Comic : Zwischen Krieg und Frieden

Der Roman „Der erste Frühling“ vermittelt ein bewegendes Bild Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt gibt es den Roman als Comic

Lars von Törne
240246_0_86ba52d1.jpeg Illustration: Heuer/Althoff
Stadt in Trümmern. Die zwölfjährige Änne ist die Hauptfigur in Klaus Kordons »Der erste Frühling«.Illustration: Heuer/Althoff

Berlin, Frühjahr 1945. Die Stadt liegt in Trümmern, die Menschen leiden unter Bombenangriffen und der Willkür der Nazis und ihrer Helfer, die verblendet an den Sieg glauben. Dazu kommen Angst und Unsicherheit angesichts der heranrückenden Roten Armee. Was das für den Alltag der Menschen bedeutete, hat Jugendbuchautor Klaus Kordon Anfang der 90er Jahre in dem Buch „Der erste Frühling“ am Beispiel der fiktiven Familie Gebhardt beschrieben.

Jetzt haben sich zwei Comic-Autoren daran gemacht, das mehrfach ausgezeichnete Werk als Bildgeschichte umzusetzen. Mit Erfolg: Der Szenaristin Gerlinde Althoff und dem Zeichner Christoph Heuer ist eine beeindruckende Adaption des Klassikers gelungen. Vor allem die bildliche Beschreibung des vom Bombenkrieg gezeichneten Berlin kann jungen Lesern ein Gefühl von jener Zeit vermitteln, wie es Worte alleine nur schwer vermögen.

Mit der Zwölfjährigen Änne gibt es eine sympathische Identifikationsfigur, die durch die Wirrnisse der letzten Kriegs- und der ersten Friedensmonate führt. Sie radelt zwischen Schutthaufen und Leichenbergen hindurch, muss mit ihren Großeltern immer wieder in Schutzkeller flüchten, wo sie Todesängste aussteht, und erfährt nach und nach, wie der Nationalsozialismus ihre Familie zerrissen hat.

Heuer und Althoff lassen auch emotional bewegende Szenen mit wenigen Bildern authentisch wirken, wie die Rückkehr von Ännes Vater aus dem Konzentrationslager. Da Kordon die Charaktere prototypisch angelegt hat, gibt es Mitläufer und Nazis, Widerstandskämpfer und Stalinisten zu erleben, die sich vor allem nach Kriegsende darum streiten, wer sich wie verhalten hat und wie es nun weitergehen soll – und dabei der jungen Hauptfigur sowie den Lesern vor Augen führen, dass im Mai 1945 zwar der Krieg endete, aber der Frieden erst noch gewonnen werden musste. Lars von Törne

Christoph Heuer/Gerlinde Althoff: Klaus Kordons „Der erste Frühling“, Carlsen-Verlag, Hamburg 2007. 230 Seiten, 14,90 Euro. Ab zwölf Jahren.

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