Krimi-Comic : Kleiner Raub mit großen Folgen

Mitreißend, berührend und voller ungewöhnlicher Charaktere: Zeichnerin Elke R. Steiner wünscht sich nach dem jetzt neu aufgelegten Krimi „Das Zeichen des Widders“ weitere Comics von Fred Vargas und Edmond Baudion.

Elke R. Steiner
Bewegte, schwarz-weiße Tusche-Zeichnungen: Eine Doppelseite aus dem Buch.
Bewegte, schwarz-weiße Tusche-Zeichnungen: Eine Doppelseite aus dem Buch.Illustration: Edmond Baudion/Aufbau

„Das Zeichen des Widders“, zuerst in Frankreich und 2008 auf Deutsch beim Aufbau-Verlag in Berlin erschienen, wurde kürzlich als Softcover neu aufgelegt. Die von Fred Vargas geschriebene und von Edmond Baudion gezeichnete Geschichte spielt in Paris und in der südfranzösischen Stadt Orange. Im Mittelpunkt steht der hübsche, androgyn wirkende Halbwüchsige und Kleinkriminelle Gregoire Braban. Mit seinem Kumpan Vincent raubt er einem Mann die Tasche. Darin finden sich Unheil verheißende Dinge: Zahnsplitter, Haarsträhnen und satanistische Botschaften.

Finster, ungläubig, aufgelöst - alles in einem Pinselstrich

Nachdem ein Ritualmord geschehen ist, lässt Gregoire sich nur widerstrebend auf die Fragen des verschrobenen Kommissars Adamsberg ein. Dieser hat schon ähnliche Fälle bearbeitet und eine alte Rechnung zu begleichen. Noch interessanter ist Gregoires Familienhintergrund: vier überwiegend erwachsene Brüder, zwei Ehefrauen und, auf einem Baugerüst thronend, der Vater. Beständig baut er an einer riesigen Kopie des römischen Vierströmebrunnens. Das Baumaterial, Kronkorken und Bierdosen, wird von den Söhnen liebevoll eingesammelt. Aus Geldmangel leben sie alle unter einem Dach, ebenso tolerant wie verschworen.

Die Geschichte entwickelt sich rasant und ist fesselnd erzählt. Baudoins unübertroffen bewegte, schwarz-weiße Tusche-Zeichnungen reißen mit und berühren. Gelegentlich hemmt jedoch das Maschinen-Lettering den Lesegenuss. Es wirkt leblos, stemmt sich fast gegen die Bilder. Ich würde mir eine andere Typographie wünschen, ein Handlettering.

An anderer Stelle vertragen sich Text und Bilder. Wunderbar das erste Gespräch zwischen Gregoire und Adamsberg: links der textbuchartige Dialog, rechts Gregoires Kopf mit von oben nach unten sich wandelnder Mimik. Von finster zu ungläubig bis buchstäblich aufgelöst wirkt es wie ein einziger Pinselstrich.

„Comic trifft Vargas“ verkündet die Homepage des Verlags. „Baudoin trifft Krimi“ würde ich sagen. Durch den Comic-Zeichner Baudoin wurde ich erst auf die Krimi-Autorin Vargas aufmerksam. Weitere Krimi-Comics dieses Duos würde ich gerne lesen.

Jetzt auch als Taschenbuch: Cover des Buches.
Jetzt auch als Taschenbuch: Cover des Buches.Foto: Aufbau

Fred Vargas/Edmond Baudion: Das Zeichen des Widders, Aufbau Taschenbuch-Verlag, 224 Seiten, 14,95 Euro, mehr unter diesem Link.

Unsere Gastautorin, die Comiczeichnerin Elke R. Steiner, lebt in Berlin. Vor kurzem erschien von ihr das Buch Risiken und Nebenwirkungen (Gütersloher Verlagshaus, 80 Seiten, 14,99 Euro) zum Thema Medikamentenmissbrauch. Außerdem hat sie u.a. die Familiengeschichte „Die anderen Mendelssohns“ (Reprodukt) sowie die Kinderbücher „Bella´s Brazilian Football“ und „Bella´s Chocolate Surprise“ (Milet Publishing) gezeichnet. Ihre Website: www.steinercomix.de. Weitere Comic-Empfehlungen von ihr unter diesem Link.

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