Krimi-Comic : Parkers Welt

Zwei Meister des Fachs in Bestform: Darwyn Cooke, einer der interessantesten Comic-Künstler der Gegenwart, hat sich Donald Westlakes „Parker“-Reihe angenommen. Jetzt gibt es den ersten Band auf Deutsch.

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In Jagdlaune: Ein Porträt der Hauptfigur von "Parker".
In Jagdlaune: Ein Porträt der Hauptfigur von "Parker".Illustration: Darwyn Cooke / Promo

Für viele Jahre war Donald Westlake, der seine „Parker“-Romane unter dem Pseudonym Richard Stark schrieb, ein reiner authors' author, dessen Arbeit vor allem von Kollegen geschätzt wurde. Stephen King widmete ihm gleich ein ganzes Buch, für John Banville ist er einer der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, in Seminaren für kreatives Schreiben wird Westlakes komprimierter Stil als Vorbild gelobt. Da ist es schon schade, dass die Wiederentdeckung für das große Publikum erst nach seinem Tod (Westlake starb am Silvesterabend 2008) erfolgte. Jetzt lief gerade ein sehr solider Film mit Jason Statham in den Kinos und mit drei Jahren Verspätung kann der deutsche Leser nun endlich Darwyn Cookes Comicadaption des ersten „Parker“-Romans „The Hunter“ lesen, kürzlich erschienen im Eichborn-Verlag.

Cooke ist momentan einer der spannendsten und innovativsten Künstler im modernen Comic, egal ob er nun Superhelden macht („Neue Horizonte“), Lyrik illustriert (in der leider eingestellten Serie „Creator-owned Heroes“) oder – wie hier – einen 50 Jahre alten, rabenschwarzen Krimi adaptiert. Der Antiheld Parker ist ein Gewohnheitsverbrecher, der einen Rachefeldzug plant und auf Leichen an seinem Wegesrand keine Rücksicht nimmt. Dabei gerät er immer wieder mit den Bossen des Syndikats aneinander. Cooke siedelt diese Geschichte nun in den 60er-Jahren an und erschafft hier eine ebenso elegante wie düstere Welt, betont das existenzialistische an Westlakes Sicht.

Sein vom Trickfilm inspirierter Zeichenstil, seine Fähigkeit, der literarischen Vorlage alles Überflüssige zu entfernen und dazu Westlakes ökonomische Sprache lassen eigentlich nur ein Urteil zu: Hier haben sich zwei Meister ihres Fachs gesucht und gefunden.

Die drei Filmversionen dieses ersten „Parker“-Romans – 1967 kam „Point Blank“ von John Boorman mit Lee Marvin in die Kinos, 1999 spielte Mel Gibson die Rolle in Brian Helgelands „Payback“, von dem es zwei vollkommen unterschiedliche Schnittfassungen auf einer Blu-ray gibt - kann Cookes Version jedenfalls locker ausstechen. In den USA liegen bereits zwei weitere Romanadaptionen vor (Westlake schrieb 16 „Parker“-Romane von 1961 bis 1974, von 1997 bis 2008 noch einmal acht), Cooke plant im Moment, die Serie auf insgesamt sechs Bände zu erweitern.

Gelungene Übertragung: Das Cover der deutschen Ausgabe.
Gelungene Übertragung: Das Cover der deutschen Ausgabe.Foto: Eichborn

Von der sehr guten Übersetzung durch Stephanie Grimm, bis hin zum passenden Lettering von Mille Möller gibt es nichts, was an diesem Buch nicht gelungen wäre. Lediglich der fantasielose deutsche Titel, der sich natürlich an den Statham-Film ranhängen will, ist etwas Pillepalle.

Darwyn Cooke: „Parker“ (nach dem Roman „The Hunter“ von Richard Stark), Eichborn/Bastei Lübbe, 142 Seiten, 19,99 Euro

Eine ganz ausgezeichnete Seite über alles rund um Donald Westlakes Werke gibt es unter diesem Link. Einen Überblick über die in den USA bisher erschienen Bücher von Cookes Parker-Reihe gibt es hier. Und weitere Artikel von unserem Autor Lutz Göllner finden Sie unter diesem Link.

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