Leseraktion : Das Beste zum Feste

Wir haben unsere Leser gefragt, welchen Comic sie als Weihnachtsgeschenk empfehlen. Hier eine Auswahl der Antworten.

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Illustration: Schulz/Ballantine Books

Zu Weihnachten empfehle ich dieses Jahr das Buch "Da war mal was…” von Flix. Flix hat verschiedenste Menschen, Freunde und Bekannte, zu Ihren Erinnerungen an die Berliner Mauer befragt und die Antworten in kurzen Comics verarbeitet. Herausgekommen sind sehr persönliche Geschichten. Teils lustig, aber auch traurig, mit realpolitischem Hintergrund, die mich sehr gerührt haben. Sehr nett gemacht.
Dieter Götz

Meine Empfehlung: Art Spiegelmans "Maus". Dieser Comic erzählt auf unvergleichliche Art und Weise vom Schrecken der Verfolgung. Weil der Leser hier das Tempo des Lesens und Betrachtens der eindrucksvollen Zeichnungen selbst bestimmt, verdichtet sich das Gefühl des Miterlebens zu einem nachvollziehbaren Grauen.
Susanne Schmidt

Wer die Sache mit der besinnlichen Weihnachtszeit ernst nehmen will und einen Comic sucht, der nachdenklich macht, echte Menschen mit ihrem Leben, ihren Freuden und ihren Sorgen zeigt und dabei immer einen freundlichen, mitfühlenden, aber nie naiven Blick auf sie bewahrt, der kommt schwerlich an Will Eisner vorbei. Ganz egal, ob man nun "Ein Vertrag mit Gott" oder "The Building" zur Hand nimmt - Eisners Geschichten sind anrührend, gut erzählt und immer unterhaltsam. Schade nur, dass die genannten Bände nur noch antiquarisch zu finden sind - unter anderem, weil der Carlsen-Verlag den Erscheinungstermin der längst fälligen Neuausgabe seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit vor sich her schiebt. Das wäre übrigens mein frommer Wunsch fürs neue Jahr: dass diese Bände 2010 tatsächlich erscheinen!
Markus Binder

Der Comic des Jahres wurde von Michael Meier verfasst.

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Ausgezeichnet. Michael Meiers Comicdebüt "Die Menschenfabrik".

Die Parabel „Die Menschenfabrik“

stellt zwar wieder nur einmal den Glauben an den unbedingten technischen Fortschritt auf den Prüfstand, doch in dieser Arbeit werden Tradition und Natur des Menschen eindrucksvoll dem kapitalistischen Verwertungsinteresse gegenübergestellt. Als Debüt doppelt eindrucksvoll, ja fast genial, bis hin zum überraschenden Schluss der Geschichte. Sind wir bereits in einem postdemokratischen Zeitalter angekommen, wie es die von Michael Meier mitbegründete Künstlergruppe deren jüngster Ausstellung in Kassel als Frage voranstellt? Kassel hat doch mehr zu bieten als die Documenta :)
Uwe Filbert

Als Empfehlung zum 20 jährigen Jubiläum der Grenzöffnung verschenke ich einen Klassiker: Seyfrieds "Flucht aus Berlin". Warum? Weil man auch nach 20 Jahren erstaunlicherweise Orte der Handlung wiedererkennen kann.
Jürgen Müller

Der Comic "Spirou - Porträt eines Helden als junger Tor" von Emile Bravo ist für mich DIE Empfehlung. Dank André Franquin bin ich seit meinen Jugendjahren ein Fan der Serie. Allerdings muss man auch zugeben, dass durch verschiedene Autoren die Qualität der Serie auch immer schwankte. Was davon gut oder schlecht ist, möchte ich nicht entscheiden. Ist vermutlich eine Gewissensfrage. 2009 jedoch wurde ich nach längerer Abstinenz (Ende der 90er habe ich die Serie vollständig aus dem Auge verloren und las nur dann und wann die Franquin-Bände) auf diesen frankobelgischen Klassiker wieder aufmerksam und, was mir extrem wichtig ist, neugierig. Bravo hat es mit seinem Werk geschafft mich an diese Serie wieder heranzuführen. Mit einem unglaublich schönen Strich, seinen gelungenen zeichnerischen wie auch textlichen überaus gekonnten Anspielungen, seiner fesselnden Geschichte und seiner genialen Charakterisierung der Protagonisten hat er eine Spirou-Geschichte geschaffen, die einzeln bestehen kann, aber sich auch wunderbar in das Gesamtuniversum einfügt. Dabei scheut sich Bravo nicht, die Handlung in der Vergangenheit anzusiedeln und politisch zu werden. Aus seinem Handlungsbogen entwickelt sich trotz aller Anspielungen und Ansiedlungen in der Vergangenheit ein frisches und spannendes Werk, das aktuell anmutet. Einerseits weiß man, dass es sich um ein Abenteuer handelt, das im 21. Jahrhundert veröffentlicht wurde, andererseits hat man das Gefühl einen echten und wunderbaren Klassiker zu lesen. Damit hat es Bravo im Alleingang mit nur einem Album geschafft, was etliche Autoren und Zeichner in den letzten Jahren nicht mehr geschafft haben: Mich nämlich für diese Serie zu begeistern. Daher kann es für mich nur diese Empfehlung geben.
Holger Wedeking

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Unverwüstlich. Carl Barks' Dagobert-Reihe.

Meine Wahl: Carl Barks: Onkel Dagobert Band 3, weil niemand die Ducks besser getroffen hat als der Altmeister Carl Barks.
Andreas Shu

Ich würde jedem "Omega the Unknown" von Jonathan Lethem empfehlen, weil ich einfach glaube, dass es hier in Deutschland noch zu wenig Menschen gelesen habe. Lethem erfüllt sich mit dem Buch einen Traum, so wie vielleicht viele Fans von "Zurück in die Zukunft" hoffen, eines Tages ihre ganz eigene Interpretation der Geschichte zu verwirklichen. Was uns in der Kindheit begeistert hat, wächst mit uns und wird groß und größer.
Matthias Cingöz

Ich würde Jeder und Jedem "Pinocchio" von Winshluss unter den Comicbaum legen: Lange nicht hat mich ein Comic derart fasziniert - eine wendungsreiche Story, geniale Parallelstränge, die auf wunderbare Weise zusammenfinden, und all das furios gezeichnet - Wagenladungen von Tinte wurden hier in fast unheimlicher Perfektion verpinselt. Doppelt kaufen! Schenken und selber behalten! 
Johanna Roither

 
Ich würde den neuesten Asterix empfehlen, nicht so sehr wegen des Inhalts, sondern um die Sammlung zu vervollständigen.
Leonie Valenta

Das schönste Comic-Weihnachtsgeschenk ist für mich ist "Sommerblond" von Adrian Tomine.

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Immer wieder gut. Adrian Tomines "Sommerblond".

Warum gerade diese Graphic Novel? Weil Tomine es wie kein anderer Zeichner schafft, Geschichten so traurig und schön gleichzeitig zu erzählen. Auch die kleinsten Gesten und das Nichtgesagte haben hier eine unglaubliche Ausdruckskraft.
Arne Pannen

Ganz klar: "The League of Extraordinary Gentlemen - Century: 1910". Nach dem seltsamen "Black Dossier" ist das wieder ein "League" in Reinform: Präzise Zeichnungen von Kevin O'Neill mit knalliger Kolorierung, dazu Alan Moores enormes kulturelles Verweiswissen und sein Fatalismus, der mit Brecht / Weills "Dreigroschenoper" perfekt zusammengeht. Episches Theater in Comicform am Rande der Apokalypse!
Ulrich Lücke

Ich würde die Graphic Novel "Drei Schatten" von Cyril Pedrosa empfehlen, auch wenn ich gelesen habe, dass Pedrosa selbst mit dem Begriff "Graphic Novel" nicht all zu viel anzufangen weiß. Empfehlen möchte ich es, weil die Geschichte derart mitreißend ist, dass ich durch das Buch geflogen bin. Und die Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Pedrosas Strich, der so gar nichts von der Ligne Claire hat, die ich nicht besonders schätze, sind derart beeindruckend, dass ich mir das Buch gleich noch einmal staunend und schwelgend anschaute, nachdem ich es zu Ende gelesen hatte. Ein absolut empfehlenswertes Buch für den ersten, faulen Weihnachtsfeiertag!
Dirk Ladwig

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