Literatur-Comic : Halbstarke in der Hochkultur

Irgendwann um 2000 vor Christus entstand mit dem Gilgamesch-Epos die älteste erhaltene Erzählung der Weltgeschichte. Mehr als 4000 Jahre später hat der Maler Burkhard Pfister das Werk in die Moderne geholt.

von
Tod, Rache, Sintflut: Eine Szene aus dem Buch.Alle Bilder anzeigen
Illustration: Pfister/Projekte
26.03.2011 15:26Tod, Rache, Sintflut: Eine Szene aus dem Buch.

Die Menschheit schreibt das Jahr Zweitausendirgendwas vor Christus und ein Babylonier mit „Gilgamesch“ ihren ersten Bildungsroman. Das Epos gilt als älteste erhaltene Erzählung der Literaturgeschichte. Auf einem runden Dutzend mit Keilschrift behauenen Steintafeln berichtet sie vom Leben des Königs der Stadt Uruk im heutigen Irak.

Zum Plot gehört alles, was bis heute in keinem Fantasy-Roman fehlen darf: Männerfreundschaft, Kampf gegen Monster, Tod, Rache und auch eine Sintflut wie in der Bibel kommt vor. Am Ende ist aus dem hedonistischen Gewaltherrscher, der jede Braut erstmal für sich beansprucht und bei jedem Spiel gewinnen muss, ein milder und weiser Herrscher geworden.

Helden in Jeans

Mehr als 4000 Jahre später, im Jahr 2005, hatte der deutsche Maler und Bildhauer Burkhard Pfister begonnen, das Gilgamesch-Epos zu illustrieren. Gut 400 Schwarz-Weiß-Zeichnungen und eine Handvoll Farb-Aquarelle sind im Laufe der Jahre entstanden. Jetzt erscheinen sie gebündelt in einem telefonbuchdicken Hardcoverband.

Für seine Bilder kopiert Pfister sowohl antike Wandreliefs wie moderne Superheldencomics und siedelt die Geschichte an einen in der Schwebe zwischen Antike und Moderne liegenden Schauplatz an. Die Helden tragen Speere und Schilder aber auch Jeans. In Uruk stehen Tempel und Hochhäuser. König Gilgamesch selbst erinnert mehr an den Befehlshaber einer Gang Halbstarker als an den einer antiken Hochkultur. Doch diese Doppeldeutigkeit war Pfisters erklärtes Ziel - schließlich seien die verhandelten Themen immer noch aktuell. 

Handwerklich mag seine Arbeit vielleicht nicht überragend sein – oft hat man das Gefühl, die Proportionen stimmen nicht und oft wirken die Bilder statisch – aber das kann, wer will, auch als künstlerische Freiheit verbuchen. Das Ziel, das Werk in eine moderne Fassung zu überführen und für ein Publikum des 21. Jahrhunderts lesbar und frisch zu halten, wurde jedenfalls erreicht.

Burkhard Pfister: Gilgamesch, Projekte Verlag, 358 Seiten, 29,50 Euro, mehr unter diesem Link.

 

 

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben