Literaturkrimi : Die Botschaft des Mörders

Die Graphic Novel „Die schwarze Seite“ verknüpft die erzählerischen und visuellen Möglichkeiten des Comics zu einem faszinierenden Verwirrspiel.

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Kongeniale Verbindung von Form und Inhalt: Eine Seite aus dem besprochenen Band.
Kongeniale Verbindung von Form und Inhalt: Eine Seite aus dem besprochenen Band.Foto: Salleck

Zwei Geschichten werden in diesem Album erzählt, die anfangs scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Doch nach und nach zeigt sich, dass die Suche einer Literaturkritikerin nach einem geheimnisvollen Autor und das Kriegsschicksal einer palästinensischen Waise eng miteinander verknüpft sind. Wie die Autoren Frank Giroud und Denis Lapière sowie der Zeichner Ralf Meyer das erzählerisch und visuell umsetzen, ist fesselnd, an manchen Stellen gar atemberaubend.

Dabei beginnt die Geschichte eher behäbig und wirkt anfangs allzu schematisch konstruiert. Im Wechsel zwischen den beiden Erzählsträngen führt das Trio den Leser in zwei Welten ein, die auch zeichnerisch klar voneinander abgegrenzt sind: eine aufstrebende Literaturkritikerin hier, ein traumatisierter weiblicher Bürgerkriegsflüchtling dort, klare versus vage Linien, kühle Grün- versus warme Rotbraun-Töne.

Kongeniale Verbindung von Form und Inhalt

Während die eine Hauptfigur sich mehr und mehr in das Leben eines mysteriösen Starautoren hineingräbt, wird die andere von Alpträumen heimgesucht, deren reale Hintergründe erst nach und nach deutlich werden.

Dunkles Geheimnis: Das Cover von „Die schwarze Seite“ .
Dunkles Geheimnis: Das Cover von „Die schwarze Seite“ .Foto: Salleck

Als die junge Palästinenserin, die einst als einziges Familienmitglied ein Massaker überlebte, eine mysteriöse Botschaft erhält, die offenbar vom Mörder ihrer Familie stammt, gewinnt das Drama an Fahrt – und die Dämme zwischen den bis dahin zeichnerisch und erzählerisch klar getrennten Welten brechen.

Egal ob man dieses Buch als Literaturkrimi, verschachtelten Thriller oder klug konstruiertes Drama liest - „Die schwarze Seite“ besticht durch eine kongeniale Verbindung von Form und Inhalt.

Frank Giroud, Denis Lapière, Ralph Meyer: Die schwarze Seite, Salleck, 100 S., 20 Euro

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