"Mäcke Häring" von Michael Schröter : Schnüffler mit Berliner Schnauze

Zum dritten Mal schickt Michael Schröter seinen Detektiv Mäcke Häring durch das Berlin der 1920er Jahre. Die Geschichte ist seine bisher beste - ihr eigentlicher Star ist die Stadt, in der sie spielt.

Die Stadt als Held: Eine Seite aus dem besprochenen Band.
Die Stadt als Held: Eine Seite aus dem besprochenen Band.Foto: Schröter

Der historische Krimi ist in der Literatur inzwischen ein feststehendes Subgenre, das akribische Rechercheure wie Max Allan Collins genauso anzieht wie bis unter die Haarspitze innovative Stilisten wie etwa James Ellroy. Und selbst mit historischen Berlin-Krimis, kommen sie nun vom Schotten Philip Kerr oder von Volker Kutscher aus Wuppertal, kann man schon ganze Regale füllen. Im Comic dagegen ist ein Held wie Mäcke Häring, der mit einer Schiebermütze auf dem Kopf in Lederjacke im Berlin der 20er Jahre ermittelt, immer noch eine spannende Ausnahme.

Sein inzwischen dritter – und bisher bester – Fall führt Mäcke ins Theatermilieu der Weimarer Republik, und nicht nur Mäckes Motorrad der Marke NSU macht des möglich, dass die 20er Jahre ordentlich röhren. Die Suche nach der jungen Ida Siebenschuh führt Mäcke mit Ringelnatz zusammen, mit Erwin Piscator und sogar ins „noch nich so berühmte Theater am Schiffbauerdamm“, wo ein zigarrerauchender Impresario mit Nickelbrille das Wort führt. In der „Möwe“ beobachtet er eine bekannte Tänzerin, im „Uhu“ am Schlesischen Bahnhof trifft er auf Apachenmaxe, und die Dadaisten kündigen ihre erste Messe an. Doch gleichzeitig geht im Hintergrund gerade ein Serienmörder um, die „Bestie vom Landwehrkanal“. Mäcke befürchtet, dass Ida das neueste Opfer geworden ist.

Dieser Mäcke Häring, erfunden vom Autor und Zeichner Michael Schröter, ist ein typischer Berliner: vom Weltkrieg traumatisiert, immer etwas ruppig, mit einem gesunden Misstrauen gegenüber allen Autoritäten, bewegt er sich durch die ruhelose Stadt, immer auch auf der Suche nach seinem privaten Idyll. Auch die kulturellen Großkopferten Berlins betrachtet Mäcke eher belustigt, er selber sammelt Swing- und Jazz-Schallplatten und den Hintern seiner Freundin findet er allemal interessanter als die große Politik. Denn als ob der Fall der Bestie nicht schon düster genug wäre, lauert eine noch viel brutalere Zukunft auf den Straßen der Stadt.

Der dritte Streich: Alle Bücher - hier das Cover des aktuellen Bandes - sind im Selbstverlag erschienen.
Der dritte Streich: Alle Bücher - hier das Cover des aktuellen Bandes - sind im Selbstverlag erschienen.Foto: Schröter

Schröter, der wie die beiden „UPgrade“-Schöpfer Sascha Wüstefeld und Ulf Graupner aus dem kreativen Stall des Mosaik-Verlags stammt, erzählt seine Geschichte lässig, konstruiert die Dialoge im Berliner Dialekt, zeigt detailreich recherchierte Straßenszenen und Werbetafeln oder alle Räume der „Möwe“ in einem Aufriss, der über eine ganze Buchseite geht. Und immer wieder ist zu spüren, wie sehr Schröter Berlin liebt. Die Stadt mit ihren Boulevards, Nebengassen und Hinterhöfen ist der eigentliche Held dieser Geschichten.

Michael Schröter: Mäcke Häring – Ein Fall mit falschen Fuffzigern, Eigenverlag, 84 Seiten, 17,50 Euro. Diesen und auch die beiden sehr empfehlenswerten Vorgänger (der erste Band war lange Zeit nicht lieferbar) findet man in vielen Comic- und Bücherläden in Berlin, man kann sie aber auch über die Webseite www.michaschroeter.de bestellen.

 

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