„Magritte. Dies ist keine Biografie“ : Sprung in die Kunst

In dem Comic „Magritte. Dies ist keine Biografie“ führen Thomas Campi und Vincent Zabus auf originelle Weise durch die Bilderwelt des Surrealisten.

Björn Bischoff
Traumwelt: Eine Doppelseite aus „Magritte. Dies ist keine Biografie“.
Traumwelt: Eine Doppelseite aus „Magritte. Dies ist keine Biografie“.Foto: Carlsen

Charles Singullier leistet sich eine kleine Extravaganz – kurz darauf zerfällt seine bürgerliche Welt. In ihrem Comic „Magritte. Dies ist keine Biografie“ liefern Thomas Campi und Vincent Zabus keine Nacherzählung des Lebens des belgischen Surrealisten René Magritte. Stattdessen lassen sie jenen unschuldigen Singullier als Hauptfigur ihres Comics nach dem Kauf einer modischen Melone in einen Traum abgleiten. Schließlich gehörte dieser Hut einst dem bekannten Maler.

So finden der belgische Autor Zabus und der aus Italien stammende und in Australien lebende Zeichner Campi einen adäquaten Zugang für ihre Geschichte. In ihren Panels schicken sie Charles Singullier immer wieder durch Magrittes Bilder. Campi stellt die perfekte Verbindung zu den Gemälden her: Die Farben, die Atmosphäre, der Zeichenstil – alles passt zusammen. Oft gleitet die Geschichte unauffällig in die Werke des Belgiers. Im Taumel der Geschehnisse trifft Singullier auf eine geheimnisvolle Frau und Magrittes Biografen. Der fährt stilecht mit dem Zug durch den Kamin ins Zimmer. Den Maler selbst sieht Singullier nur aus der Ferne. Für den Leser heißt das ebenfalls: Wir kommen dem surrealistischen Künstler nicht nahe. Die Kunst Magrittes tragen Campi und Zabus umso näher an ihr Publikum heran.

Ein Ausflug in die Kunstgeschichte ohne akademische Leitplanken

Nur an einer Stelle hakt der Comic. Zu Anfang setzt Singullier sich die Melone auf und sofort erscheinen Figuren, die ihm und dem Leser alle Regeln seiner Mission erklären. Das ist kein elegantes Erzählen, doch zum Glück verfällt Zabus nach zwei Seiten in den narrativen Takt, der dieses Album auszeichnet. Ob im Blau eines Bildes, im Reich der Lichter oder im Wasser: Besonders das Gespür zum Verweilen bei bestimmten Momenten prägt „Magritte“. Und selbst für das berühmte Ölbild „Ceci n’est pas une pipe“ finden die beiden noch einen Dreh.

Das Titelbild von „Magritte. Dies ist keine Biografie“.
Das Titelbild von „Magritte. Dies ist keine Biografie“.Foto: Carlsen

Der Comic ist ein Ausflug in die Kunstgeschichte, ganz ohne akademische Leitplanken. Campi und Zabus nähern sich auf eigene Art dem Surrealismus von Magritte, der nie zu den Werken von Dalí oder Ernst passen wollte. Weil der Belgier seinen eigenen Kopf hatte – und sei es mit einem Apfel vor dem Gesicht. Mit wenigen Strichen stellte er das bürgerliche Selbstverständnis infrage, zeigte die Risse in der Fassade. Da blieb nur ein Ausweg, den schließlich auch Charles Singullier für sein eigenes Glück nimmt: der Sprung in die Kunst.

Thomas Campi und Vincent Zabus: Magritte. Dies ist keine Biografie, Carlsen, 64 Seiten, 17,99 Euro

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