„Malcolm Max“ : Viktorianische Action

Aus dem Hörspiel in den Comic: In „Malcolm Max“ treten ein paranormaler Problemlöser und eine Halbvampirin im viktorianischen London gegen das Böse an.

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Fortschrittliche Technologie und düstere Magie: Eine Seite aus dem Sammelband.
Fortschrittliche Technologie und düstere Magie: Eine Seite aus dem Sammelband.Foto: Splitter

Die Ursprünge der „Malcolm Max“-Comics liegen im Hörspiel, was wohl ihre gelegentliche Geschwätzigkeit erklärt. Doch auch in Panelform machen der paranormale Ermittler und seine vampirische Begleiterin Charisma Myskina eine gute Figur. Autor Peter Mennigen, Jahrgang 1952, vereint im London des Jahres 1889 Krimi, Steampunk-Fantasy und Horror.

Malcolms und Charismas Laufbahn als übersinnliche Problemlöser im Herzen des britischen Empires von Königin Victoria begann 2008 in mehreren Hörspielen von Peter Mennigen, der schon so gut wie alles geschrieben hat – darunter eine Menge Bildergeschichten mit Geisterjägern und dem ikonischen Cowboy Lucky Luke. 2013 erschien schließlich der erste von Mennigen verfasste „Malcolm Max“-Comic, zwei weitere Alben folgten.

Der jetzt abgeschlossene Dreiteiler konfrontiert den Titelhelden und seine Gefährtin mit Leichenräubern, einem Serienkiller, engstirnigen Scotland-Yard-Beamten, Voodoo-Beschwörungen, Geistern, skrupellosen Wissenschaftlern, dem Sexismus der damaligen Zeit und massigen Robotern. So entsteht eine historische Alternativwelt mit zumeist fortschrittlicher Technologie und düsterer Magie.

Dazu gesellen sich Themen und Tropen aus dem altehrwürdigen Schauerroman und dem viktorianischen Krimi – Sherlock Holmes findet in Malcolms und Charismas Abenteuern sogar ab und zu als Nachbar zweier jugendlicher Nebenfiguren Erwähnung

Der Leser wird direkt in die Handlung geworfen

Bereits das erste „Malcolm Max“-Album profitiert von Anfang an erheblich davon, dass der Comic zwar für jeden zugänglich sein soll, zugleich jedoch die Etablierung der Figuren durch die vorangegangenen Hörspiele akzeptiert. In den Alben gibt es daher keine lange Herkunftsgeschichte auf den ersten zwanzig Seiten, nicht einmal kurze Flashbacks in die Zeit des Kennenlernens – Malcolm und Charisma sind längst ein flirtendes Duo und stürzen sich einfach auf ihren neuesten Fall. Ihre Beziehung und Hintergründe werden vorab in einem knappen Textblock geklärt, danach wird der Leser direkt in die Handlung geworfen.

Die kommt zwischendurch allerdings eher gemächlich voran, und überhaupt wirkt manch eine Szene ein bisschen zu üppig und ungeachtet des Strebens nach Ironie etwas steif. Dennoch stimmen die Atmosphäre und die Chemie zwischen den Figuren.

Nicht von dieser Welt: Eine Seite aus dem Abschlussband.
Nicht von dieser Welt: Eine Seite aus dem Abschlussband.Foto: Splitter

Außerdem ist da ja noch Ingo Römling. Die Bildfolgen des Zeichners, der dank diverser „Star Wars“-Comics inzwischen auch internationales Ansehen genießt, sind grandios. Was auf den ersten Blick ein wenig statisch wirken mag und den frankobelgischen Vorbildern zu sehr nacheifert, sitzt dank perfekt gewählter Perspektiven und Einstellungen immer gut und sorgt für genügend Fluss zwischen den Bildern. Die Linienführung des 1969 geborenen Römling überschreitet nie die Grenze von selbstbewusst-markant zu kantig, dazu kommen ausdrucksstarke Gesichter mit großen Augen und eine stimmungsvoll-gediegene, nichtsdestoweniger breite Farbpalette.

„Malcolm Max“ gehört nicht zuletzt dank Ingo Römlings Artwork zu den überzeugendsten Comic-Eigenproduktionen aus Deutschland, wenn es um Genre-Stoff dieser Art geht. So können sich das viktorianische London, seine Beschützer und deren Gegenspieler sehen lassen.

Peter Mennigen & Ingo Römling: Malcolm Max, Splitter-Verlag, drei Bände à 64 bzw. 80 S., je 14,80 bzw. 15,80 €, limitierter Sammelband mit Bonusstory: 192 S., 44,80 €.

Mehr Tagesspiegel-Artikel von Christian Endres gibt es hier, zu seinem Blog geht es hier.

Komplett: Das Cover des dritten Bandes.
Komplett: Das Cover des dritten Bandes.Foto: Splitter

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