Manga : Cyberpunk für Expressionisten

Die blutrünstige Science-Fiction-Serie "Biomega" ist ein Meisterwerk: Atemberaubend schnell, kunstvoll gezeichnet, aber nichts für schwache Nerven

Florian Kneist
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Übernatürliche Gegner. Eine Fluchtszene aus dem kürzlich erschienenen dritten Band.Illustration: Tsutomu Nihei / Egmont Manga & Anime

Im Jahr 3005 landet erstmals eine bemannte Raumfähre nach 700 Jahren wieder auf dem Mars, wo sie in einer zerstörten Kolonie eine Frau vorfinden. Ein halbes Jahr später verunglückt das Raumschiff beim Rückflug in der Umlaufbahn der Erde. So beginnt die Handlung der actionreichen Manga-Reihe Biomega, deren erste Bände jetzt auf Deutsch erschienen sind.

Das Raumschiffunglück hat fatale Folgen: Ein mutierter Astronaut, der mit dem mysteriösen N5S-Virus infiziert ist, schwebt in der Umlaufbahn der Erde und verstreut Sporen über die ganze Welt. Infizierte werden zu „Drohnen“: Sie sehen aus wie Zombies, die körperexterne Gedärme ausbilden, die ihnen vom Körper hängen.

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Sauberer Schnitt, schmutziges Handwerk. Der Humanoid Kanoe Zoichi räumt unter den vom Virus infizierten "Drohnen" auf.Illustration: Tsutomu Nihei / Egmont Manga & Anime

Viele Menschen weltweit sind schon infiziert und dem Rest der Weltbevölkerung steht, falls nichts unternommen wird, das selbe Schicksal bevor.

Um virusresistente Menschen zu ausfindig zu machen, rast der mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattete Agent Zoichi Kanoe auf seinem riesiger Motorrad durch die futuristische Alptraumwelt, unterstützt unter anderem von einem bewaffneten, sprechenden Grizzly-Bär. Bei seinem Kampf stößt der Humanoid Zoichi auf den Plan einer Verschwörergruppe, die dichtbesiedeltsten Regionen der Erde auszulöschen. Das Ziel der Organisation ist eine neue Generation Menschen, die gegen das Virus immun ist.

Die Zeichnungen von Tsutomu Nihei sind düster und wirken durch die vielen Schraffierungen sehr expressionistisch. Viele Seiten kommen ohne eine Einzige Textblase aus, ohne dass der Lesefluss gestört wird. Die Geschichte wird durch viele brutale Abbildungen begleitet.

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C.Jahn

Die vielen Szenen- und Perspektivenwechsel der skizzenartigen Zeichnungen erhöhen den Handlungsfortlauf.

Diese atemberaubend schnell handelnde Cyberpunk-Geschichte verliert auf keiner Seite an Spannung. Für Leser die nicht vor Zombiegemetzel, Explosionen und quietschende Reifen zurückschrecken ist dies die perfekte Leseempfehlung. Das auf den Umschlag gedruckte „adult“ sollte aber auch 15- bis 16-jährige Leser nicht abschrecken.

Tsutomu Nihei: Biomega, Egmont Manga & Anime, bislang drei Bände, je rund 200 Seiten, je 6,50 Euro.

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