Manga : Die unbekannte Freundin

Der preisgekrönte Manga „Piece“ handelt von verpassten Gelegenheiten, unterdrückten Gefühlen und dem Wert der Freundschaft. Mit prägnanten Zeichnungen erzählt Hinako Ashihara darin von einem rätselhaften Beziehungsgeflecht.

Inga Steinmetz
Verwirrendes Beziehungsgeflecht: Eine Doppelseite aus dem ersten Band.Tokyopop
Verwirrendes Beziehungsgeflecht: Eine Doppelseite aus dem ersten Band.Tokyopop

Die kühle Mizuho erhält einen unerwarteten Anruf: Ihre ehemalige Mitschülerin Haruka ist an Brustkrebs gestorben. Obwohl sie zu dem stillen Mädchen keinen Kontakt hatte, besucht Mizuho die Abschiedsfeier und trifft dort alte Bekannte aus ihrer Schulzeit. Die Trauer um die gerade mal 19-jährige Haruka ergreift viele der Anwesenden, nur Mizuho fühlt sich fehl am Platz: Tränen wollen sich bei ihr nicht einstellen, dafür kannte sie die Verstorbene zu wenig.

Umso überraschter ist sie, als sich die Mutter der Verstorbenen im Anschluss überschwänglich bei Mizuho bedankt: Haruka hätte immer von Mizuho als ihrer besten Freundin gesprochen. Mehr noch, Haruka hatte scheinbar viele Seiten, die niemand kannte. Mizuho erschien sie immer unbeteiligt und emotionslos, ihre Mutter wiederum beschreibt sie als warmherzig und gut im Imitieren anderer Menschen. Doch ein Geheimnis nahm Haruka mit ins Grab: Offenbar war sie zu einem Zeitpunkt schwanger und niemand weiß, wer der Vater des Kindes war.

Harukas Mutter bittet Mizuho, den Vater zu ermitteln, und aus einer Eingebung heraus stimmt die sonst so distanzierte Mizuho zu. Damit beginnt für sie auch eine Reise in die eigene Vergangenheit.

Viele Bekanntschaften, die sie neu aufleben lässt, scheinen anfangs ohne Bezug zu Harukas Fall, doch nach und nach entspinnt sich ein verwirrendes Beziehungsgeflecht dessen Stränge sich bei Haruka überkreuzen.

Die Reihe „Piece“, von der soeben der dritte Band erschienen ist, ist ein stiller Manga, in dem sich der Leser manchmal genauso zerrissen und orientierungslos fühlt wie die Hauptfigur Mizuho. Die Erzählung handelt von verpassten Gelegenheiten, unterdrückten Gefühlen aber auch menschlicher Wärme und Freundschaft. Auch aktuelle Themen wie Mobbing oder Werteverfall spielen eine Rolle. Das Geheimnis um Harukas Schwangerschaft hält die Erzählung zusammen, allerdings ist eine gewisse Aufmerksamkeit vonnöten, um den vielen Rückblenden folgen zu können.

Puzzlespiel: Die Covermotive der Bände 1 und 3.
Puzzlespiel: Die Covermotive der Bände 1 und 3.Foto: Tokyopop

Die Zeichnungen sind prägnant und besonders Mizuho strahlt eine gewisse kühle Eleganz aus. Für ihre noch laufende Serie bekam die Autorin dieses Jahr den Shogakukan Manga Award in der Kategorie „Mädchen-Manga“.

Hinako Ashihara: Piece – Erinnerung an eine Fremde, Tokyopop, bislang drei Bände, je 192 Seiten, je 6,50 Euro

Unsere Autorin Inga Steinmetz hat bereits mehrere Manga veröffentlicht. Aktuell erschient von ihr bei Tokyopop die Serie „Alpha Girl“. Mehr von und über Inga Steinmetz gibt es auf ihrer Website www.the-wired.de.

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