Marvel-Comic : Superhelden wie wir

Obama trifft Spider-Man: Jetzt gibt es die jüngste Symbiose von Pop und Politik auch in Deutschland

Lars von Törne
268543_0_962b1eee.jpg Illustration: Panini
Yes, he can. Bestseller Barack Obama verhilft Spider-Man zu Auflagen-Höhenflügen - jetzt auch auf Deutsch.Illustration: Panini

Sie können auch anders. Seitdem die ersten Superhelden vor rund 70 Jahren in der Populärkultur auftauchten, setzen sich Superman und Co. nicht nur mit gewöhnlichen Gangstern oder außerirdischen Bedrohungen auseinander, sondern auch mit der Tagespolitik und ihren Akteuren. Es begann mit dem Krieg gegen Hitlers Horden, den Captain America und andere mit Cape und Strumpfhose bekleidete Helden in den vierziger Jahren ausfochten. Und es endete noch lange nicht mit dem 11. September 2001 und dem Irakkrieg, die in Comics verarbeitet wurden und werden. So arbeitet „Sin City“-Schöpfer Frank Miller gerade an den letzten Seiten eines Buches, in dem Batman es mit Al Qaida aufnimmt.

Mit Barack Obama hat jetzt die Verbindung gezeichneter Fantasie-Universen mit der realen Welt eine neue Stufe erreicht. Bislang rund ein Dutzend ComicTitel sind in den vergangenen Monaten in den USA erschienen, in denen der neue US-Präsident eine tragende Rolle spielt – mehr als wohl je bei einem US-Präsidenten. Mal wird seine Biografie nacherzählt, mal spielt er die Hauptrolle in einer – meist kruden – Abenteuergeschichte. Mehr dazu unter diesem Link sowie unter diesem.

Nun kommt der erste und bislang erfolgreichste dieser Titel nach Deutschland. Am heutigen Dienstag geht das neue Spider-Man-Heft in den Handel. Ein Ereignis, das normalerweise außer den meist jugendlichen Lesern dieser Heftreihe niemanden interessiert. Wäre da nicht Barack Obama. Sein Bild schmückt das Cover des aktuellen Spider-Man-Hefts Nummer 60 – eine Idee, die das entsprechende Pendant in den USA zu einem der größten Comic-Bestseller seit langem werden ließ.

Unbestätigten Berichten zufolge soll die Obama-Story in den USA rund 350.000 Mal verkauft worden sein. Bei der deutschen Ausgabe bringt der Panini-Verlag statt der sonst üblichen Auflage von 16.000 Heften rund das Doppelte in den Verkehr, wie Verlagssprecher Steffen Volkmer sagt.

Inhaltlich und ästhetisch ist die Geschichte von Autor Zeb Wells und Zeichner Todd Nauck dürftig. Es geht um ein von Spider-Man vereiteltes Attentat auf Obama am Inaugurationstag. Aber als Symbol für eine neue Verbindung von Pop und Politik in den USA ist das Heftchen kaum zu unterschätzen – und als Ausdruck für die großen Erwartungen, die die Öffentlichkeit dem Präsidenten entgegenbringt. Im Kampf gegen Krise und Krieger wird er Übermenschliches leisten müssen – wie ein Superheld.

Spider-Man # 60, 56 Seiten, 3,95 €, Panini-Verlag

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