Mein Asterix (3) : "Kämpfe langweilten mich"

Vor 50 Jahren erschien das erste Asterix-Abenteuer. Wir haben prominente Comiczeichner gefragt, was Ihnen die Geschichten bedeuten. Heute erzählt Ulli Lust, wann sie der Gallier überdrüssig wurde

Ulli Lust
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Immer feste druff. Auch im neuen Asterix-Band, der kommende Woche erscheint, wird kräftig zugelangt - hier ein Bild daraus.Illustration: Promo

Asterix & Obelix waren eine intelligente, unterhaltsame Lektüre neben vielen Büchern, die ich als Kind verschlungen habe. Ich fand die Geschichten amüsant, mochte aber die Bildsprache nicht besonders - ich habe mein Mädchenherz an Prinz Eisenherz verloren.

Am Gymnasium versuchte die Lateinlehrerin, den Unterricht spannender zu gestalten, indem sie Asterix & Obelix auf Latein lesen ließ. Wer einmal Latein gelernt hat und das mühsame langatmige Übersetzen Wort-für-Wort kennt, wird vielleicht verstehen, dass dieser Versuch weder den Unterricht noch den Comic wirklich aufgewertet hat. Man hatte die einzelnen Panels zum Überdruss studiert, bevor man endlich zum nächsten Panel übergehen konnte.

Ich habe sämtliche Asterixbände vor langer Zeit verschlungen (meine Cousine besaß sie). Als Kind und Jugendlicher gefielen mir die historischen Verweise, die Begegnung mit Figuren, die man aus der Geschichte kennt und ihre satirische Überzeichnung (z.B.: Cleopatra, Cäsar usw.) , außerdem die Dichte der Erzählung und der Humor.

Grundsätzlich kann ich zu allen Comics meiner Kindheit sagen: wenn gekämpft wurde, langweilte ich mich als Leserin. Bei Asterix & Obelix laufen viele Episoden auf eine zünftige Schlägerei hinaus, mich interessierten aber nur die Handlungsstränge, die nichts mit Kämpfen und Kräftemessen zu tun hatten. Was ich Asterix & Obelix zum 50. wünsche? Selbstverständlich "Alles Gute".

Unsere Gastautorin Ulli Lust, Jahrgang 1967, ist eine der wichtigsten deutschen Comic-Zeichnerinnen. Mit ihrer Website
electrocomics ist die in Berlin lebende gebürtige Wienerin auch eine Pionierin der digitalen Verbreitung von Independent-Comics. Vergangenes Jahre erschien von ihr die Geschichten-Sammlung"Fashionvictims, Trendverächter" im Avant-Verlag (Rezension hier), in Kürze erscheint dort ihr autobiografisches Werk "Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens", das kürzlich in der FAZ bereits als "Sensation" gelobt wurde - zu dem Artikel geht es hier. Ulli Lusts Website findet sich unter diesem Link.

Im Ehapa-Verlag erscheint am 22. Oktober anlässlich des 50. Jubiläums das neue Asterix-Album Band 34. Mehr unter www.asterix.de, www.ehapa.de oder www.ehapa-comic-collection.de.

In unserer Reihe "Mein Asterix" folgen in den kommenden Tagen Beiträge von Reinhard Kleist, Mawil, Elke R. Steiner, Émile Bravo sowie Gerhard Seyfried & Ziska.

Bereits erschienen: 
Ralf König erklärt, wieso er keine neuen Asterix-Geschichten mehr lesen will und Sascha Hommer erzählt, wieso der kleine Gallier seine erste Identifikationsfigur wurde.

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