Meinungsfreiheit : Ein unmoralisches Angebot

Die erste ägyptische Graphic Novel ist seit dem Wochenende offiziell verboten – Menschenrechtsgruppen schlagen Alarm.

Lars von Törne
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Verboten. Ausschnitt aus dem Titelbild von "Metro", der ersten arabischen Graphic Novel.

Der Autor und Zeichner des Buches „Metro“, Magdy El-Shafee, und sein Herausgeber wurden außerdem am Sonnabend von einem Kairoer Gericht zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 600 Euro verurteilt, wie die englischsprachige Zeitung Daily News Egypt am Montag berichtete. Die beiden Männer wurden der Herstellung und Verbreitung einer Publikation für schuldig befunden, die den „öffentlichen Anstand“ gefährde.

Autor El-Shafee kündigte an, gegen das Urteil Berufung einlegen zu wollen. Er sagte, er sei sich bewusst, dass sein Buch mit einigen explizit sexuellen Passagen als anstößig empfunden werden könne. Deswegen trage der Band auf dem Titel den Warnhinweis „Nur für Erwachsene“. Das Buch ist bereits seit vergangenem Jahr auf gerichtlichen Beschluss nicht mehr im Handel, alle damals noch kursierenden Exemplare waren im April 2008 kurz nach der Veröffentlichung konfisziert worden.

Magdy El-Shafee - hier geht es zu seiner Website - sieht das Urteil als Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit und warnt davor, dass dies nur der Anfang weitergehender Einschränkungen der Grundrechte sei. Menschenrechtsgruppen wie das Arab Network for Human Rights Information (ANHRI) bewerteten das Urteil als schweren Rückschlag für die Meinungsfreiheit in dem nordafrikanischen Land, aus dem es immer wieder Berichte über Menschenrechtsverletzungen gibt. Die Erklärung des ANHRI findet sich unter diesem Link.

Einen ausführlichen, exklusiven Tagesspiegel-Korrespondentenbericht über den Streit um das Buch und über andere ägyptische Comics lesen Sie unter diesem Link. Eine Leseprobe der englischen Übertragung von "Metro" finden Sie unter diesem Link.

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