Modernisierter Klassiker : Mit Kästner durch Berlin

Isabel Kreitz hat „Pünktchen und Anton“ als Comic behutsam neu interpretiert - mit Sorgfalt, Witz und Gespür für die literarische Vorlage.

Elke Vogel
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Ahnungslos. Erst als die Kinder in einen Kriminalfall verwickelt werden, werden Pünktchens Eltern aufmerksam.Illustration: Kreitz

Arm und Reich treffen jeden Abend auf der Weidendammer Brücke in Berlin-Mitte aufeinander. Kinder und Versehrte versuchen dort, vorbeieilenden Geschäftsmännern und Hausfrauen Streichhölzer oder Schnürsenkel zu verkaufen. Bettler halten ihren Hut den Nachtschwärmern hin, die aus einem der vielen Varietés, Tanzlokale und Kabaretts an der Friedrichstraße kommen.

In Erich Kästners 1931 erstmals veröffentlichtem Roman „Pünktchen und Anton“ steht unter den in Lumpen gekleideten Bauchladen-Verkäufern auch ein kleines Mädchen aus reichem Hause. Luise, genannt Pünktchen, will ihrem Freund Anton helfen, Geld für seine kranke Mutter zu verdienen.

Ahnungslose Eltern, abenteuerlustige Kinder

Die Hamburger Comiczeichnerin Isabel Kreitz nimmt den Leser mit in das Berlin Kästners.

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Lebensfroh. Kreitz' Bilder erinnern an die Arbeiten von Kästner-Illustrator Walter Trier.Illustration: Kreitz

Dabei bleibt sie mit ihrer gezeichneten Adaption von „Pünktchen und Anton“ sehr nah an der literarischen Vorlage. Auch ihre farbigen Illustrationen orientieren sich bewusst am historischen Vorbild: die Figuren mit den runden, freundlichen Gesichtern, die liebevoll gezeichneten Details aus dem Berliner Alltag erinnern stark an die Bilder von Kästner-Illustrator Walter
Trier.

Nach „Der 35. Mai“ widmet sich Kreitz („Die Sache mit Sorge“, „Die Entdeckung der Currywurst“) nun zum zweiten Mal einer künstlerischen Neuinterpretation eines Kästner-Romans.

Pünktchens vielbeschäftigte Eltern wissen natürlich nichts von den abendlichen Ausflügen ihrer Tochter.

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Erst als die Kinder in einen echten Kriminalfall verwickelt werden, in dem Pünktchens Kindermädchen eine unrühmliche Rolle spielt, wird Direktor Pogge aufmerksam.

Kreitz zeichnet die Figuren nicht nur mit größter Sorgfalt. Ganz behutsam und fast unmerklich hat sie die Charaktere modernisiert. Am Ende wird zwar alles gut. Doch es ist klar, dass sich im Leben aller etwas verändern wird und muss. Dieser Comic macht großen Spaß. (dpa)

Isabel Kreitz: Pünktchen und Anton, Cecilie Dressler Verlag, Hamburg, 108 S., 16,90 Euro

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