Neues aus Weißensee : Die Geschichte des Einzelgängers

Die Kunsthochschule Berlin-Weißensee hat viele namhafte deutsche Zeichner geprägt. Vierter Teil unserer Serie mit neuen Werken von Studenten und Absolventen.

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Wer ist Pascal? In einzelnen Episoden erfährt der Betrachter mehr über die Hauptfigur von "Salut Jaboumont"

Zuerst hört man nur das Geräusch einer Maultrommel, das Rauschen des Windes. Strich für Strich entsteht auf dem Bildschirm das Bild eines Hauses und seines Bewohners. Es ist Pascal, ein mysteriöser Einzelgänger, der am Rande des Dorfes Jaboumont lebt. Er ist die Hauptfigur in einem interaktiven Episodenfilm, den vier Studenten des Fachbereichs Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Weißensee gezeichnet haben und den wir als vierten Teil unserer Serie vorstellen.

Streng genommen handelt es sich bei „Salut Jaboumont“ natürlich nicht um einen Comic, sondern um einen Animationsfilm. Beim Betrachten vieler Episoden hat man allerdings das Gefühl, beim Zeichnen eines Comics oder eines Bilderbuches dabei zu sein: Vor dem Auge des Zuschauers entstehen die Bilder, entwickeln sich zu kleinen Episoden, hin und wieder gar mit geschriebenen Worten ergänzt, als seien es Sprechblasen.

Der Film führt in eine mysteriöse, bezaubernde Welt, durch die man sich mit dem Klick auf einzelne Symbole und Wegweiser hindurchbewegen kann.

Das Semesterprojekt begann mit einer Annäherung an den Text "Unter dem Milchwald" von Dylan Thomas, wie Oliver Thie berichtet, einer der vier Schöpfer von "Salut Jaboumont".

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Strich für Strich wird vor dem Auge des Betrachters das Bild vervollständigt.

Die anderen sind Constantin Andiel, Tawan Arun und Christoph Mille. „Wir entschlossen uns, formal in der Nähe dieses Textes zu bleiben. Das heißt, fragmentarisches, episodenhaftes Erzählen, das erst im Verbund ein Gesamtes ergibt, zu versuchen. Dies allerdings mit einer eigenen Geschichte.“

So wird der Betrachter eingeführt in die anfangs geheimnisvolle, rätselhafte Welt des Einzelgängers Pascal. Über Begegnungen mit Nachbarn und Gegenspielern ergibt sich nach und nach ein Bild von ihm, „wird das Geheimnis seines Tuns gelüftet“, wie Oliver Thie sagt. In welcher Reihenfolge und wie umfassend sich der Betrachter die Geschichte erschließt, ist auf der interaktiven Website jedem selbst überlassen.

Passend zu den unterschiedlichen Facetten der Erzählung ist die Vielfalt der Stile, die das Quartett einsetzte: „Jeder von uns ist einem groben, alle Episoden umfassenden Storyboard gefolgt, hat aber in der Wahl der künstlerischen Mittel für seine eigenen Parts selber entschieden“, erklärt Oliver Thie. „Die interaktive Oberfläche der Website verbindet die dadurch sehr unterschiedlichen Teile, so dass für den Betrachter ein zwar vielseitiges und spannendes Nebeneinander der verschiedenen Stile und Ansätze entsteht, ein Auseinanderbrechen aber verhindert wird.“ Hier geht es zu der Geschichte. (lvt)

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