Noir-Thriller : Satan, Sex und Swinging Sixties

Vor dem historischen Hintergrund der 68er-Bewegung und mit einem innovativen Artwork setzen Bénet und de Metter in „Swinging London“ einen spannenden und rätselhaften Mordfall in Szene.

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Kriminelles Geflecht: Eine Szene aus dem Buch.
Kriminelles Geflecht: Eine Szene aus dem Buch.Illustration: Schreiber & Leser

„Swinging London“ ist ein weiterer Noir-Thriller aus der Schreiber&Leser-Verlagsreihe „s&l noir“. Das besondere an diesem Band liegt in der atmosphärisch dichten Stimmung und an den unnachahmlichen Bildern von Christian de Metter. Nachdem er bereits bei „Shutter Island“ für das Artwork verantwortlich gewesen ist, darf der künstlerisch talentierte Zeichner und Kolorist einen weiteren Noir-Thriller grafisch umsetzen.

Doch im Fall von „Swinging London“ hat de Metter nicht nur illustriert. Neben Thomas Bénet hat er diesmal auch getextet – und das mit großem Erfolg. Denn „Swinging London“ enthält nicht nur alle Zutaten eines waschechten Noir-Thrillers, sondern versprüht dabei noch die besondere Atmosphäre der 68er-Popkultur.

Alles sieht nach Selbstmord aus

Die Geschichte beginnt im August 1967: Für die Polizei scheint es einen klaren Fall zu geben. Zumindest sieht es auf den ersten Blick so aus. In Schottland wird die verbrannte Leiche des umjubelten Rockstars Jasper Brown in dessen Schloss entdeckt. Alle Indizien deuten auf einen Selbstmord des Musikers hin. Aber Jaspers Freund, der Guru Indranath Ray, und die jamaikanische Fotoreporterin Cassandra Jones sind sich dessen nicht so sicher.

Zeitreise: Eine Szene aus dem Buch.
Zeitreise: Eine Szene aus dem Buch.Foto: Schreiber & Leser

Auf eigene Faust wollen sie die wahren Gründe für den Tod des Rockstars aufklären. Bei ihren Nachforschungen stoßen die beiden auf ein weitgestricktes kriminelles Geflecht aus Korruption und brutalen Sexritualen, hinter denen eine satanische Sekte steckt. Die Sekte beruft sich hauptsächlich auf die Schriften des okkulten Lehrmeisters Aleister Crowley, aber auch auf Friedrich Nietzsches Übermenschen.

In „Swinging London“ inszenieren die Autoren neben dem (vermeintlichen?) Selbstmordfall ebenso ein lebendiges Bild der 68er: Hippies bevölkern die Straßen und Partys jener Zeit, in der die Musik von (psychedelischen) Rockbands dominierte und die Straßen durch knallbunte Plakate von Musikern wie Jimi Hendrix geziert wurden.

Auch William S. Burroughs schaut vorbei

Sogar der Avantgarde-Schriftsteller William S. Burroughs, der durch Werke wie „Naked Lunch“ zum geistigem Vater und zur Stilikone der Hippie-Generation geworden ist, darf in einem Cameo-Auftritt als Hippie-Kritiker und schießwütiger Waffennarr ein paar Worte zum Besten geben.

Die reizvollen Illustrationen sind durch de Metters expressionistische Strichführung geprägt. Sein Stil schwankt auf einem schmalen Grad zwischen Reduktion und Realismus, wobei der Zeichner filigrane und kräftige Striche variiert. Die künstlerisch ambitionierte Kolorierung besteht aus leichten Farbnuancen, die sich zum Teil überlagern, stets aber eine eindrucksvolle sowie ausdrucksstarke Atmosphäre erzeugen.

Den beiden Autoren De Metter und Bénet ist mit „Swinging London“ ein kraftvoller und atmosphärisch dichter Noir-Thriller geglückt. Die Melange aus Satan, Swing und Sixties funktioniert hervorragend: Die Erzählung bietet reichlich Spannung und lässt das Gefühl der 68er aufblitzen. Selbst wenn der Krimi hier nicht neu erfunden wird, ragt der Band dennoch über vergleichbare Titel weit heraus, was nicht zuletzt auch den famosen Bildern geschuldet ist.

Thomas Bénet (Text) und Christian De Metter (Text und Zeichnungen): Swinging London, Schreiber&Leser, 96 Seiten, 19,80 Euro.

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