Persiflage : Gebrechen sind stärker als gute Vorsätze

Das Gagfeuerwerk, das Manu Larcenet in „Die wundersamen Abenteuer von Robin Hood“ abbrennt, zündet nicht immer. Gelegentlich funkeln schöne Einfälle.

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Enorme Gagdichte. Eine Seite aus dem besprochenen Band.
Enorme Gagdichte. Eine Seite aus dem besprochenen Band.Illustration: Larcenet/Reprodukt

Der Reiz an Manu Larcenets Reihe „Die wundersamen Abenteuer von…“ liegt besonders darin, dass die Leser im Voraus nie so recht wissen, was sie erwartet. In dieser Hinsicht ist sie mit der Donjon-Reihe verwandt. Während dort die wechselnden Zeichner und Szenaristen den einzelnen Abenteuern eine völlig andere Atmosphäre und einen anderen Erzählton verleihen, gelingt dies Larcenet dadurch, dass er berühmte Figuren aus ihrem historischen Zusammenhang herausschält und sie in eine Geschichte versetzt, in der sie eigentlich nichts zu suchen haben.

Im ersten Teil hat Sigmund Freud genug von den hysterischen alten Schachteln in Wien und macht sich mit seinem marxistischen Assistenten Igor in Amerika daran, den „neuen“ Kontinent aus der Barbarei herauszuanalysieren. Sein großer Fund ist ein Präriehund auf der Suche nach seiner Seele. Ein Halbschamane gibt der Geschichte eine spiritistische Wendung. Der zweite Band über Vincent van Gogh ist schwermütig und düster. Da die Reihe, indem sie Figuren willkürlich miteinander kombiniert, überhaupt eher witzig angelegt ist, ist die wuchtig symbolisch aufgeladene Antikriegserzählung bestenfalls ein interessanter Irrweg. In dem jetzt erschienenen dritten Teil trifft es nun Robin Hood.

Ein wegen Sodomie gesuchter Senior-Tarzan trifft auf japanische Waldgeister

Sehr in die Jahre gekommen, wird Robin von Alzheimer und seinem schwulen Gefährten Little John geplagt, während ihm sein eigenes Konzept „Reichen nehmen, Armen geben“ inzwischen recht schrullig vorkommt. Da ihm der (Western-)Sheriff von Nottingham und der Tod persönlich auf den Fersen sind, versucht Robin, das Leben versöhnlich abzuschließen und sein als Jungspund begangenes Unrecht an Lady Marian wiedergutzumachen. Das Drama des Älterwerdens funktioniert als roter Faden in einer übermütigen Ansammlung von Episoden. Die episodische Erzählweise erlaubte es Larcenet, die Elemente noch wilder zusammenzumischen: Da versammeln sich im und beim Teutoburger Wald ebenso ein wegen Sodomie gesuchter Senior-Tarzan wie die Waldgeister aus Hayao Miyazakis „Prinzessin Mononoke“ oder Touristen unterm Jägermeister-Anglerhut.

Wunderlich. Robin und seine gealterten Gefährten auf dem Buchcover.
Wunderlich. Robin und seine gealterten Gefährten auf dem Buchcover.Foto: Reprodukt

Bei einer so enormen Gagdichte ist es nur allzu verständlich, dass bestenfalls nur die Hälfte sitzt. Insofern können die Leser Larcenet zugute halten, dass er mit Robin Hood immerhin den statistischen Mittelwert an gelungenen Gags trifft. Obwohl die Konsequenz, mit der sich Larcenet hier der Albernheit verschreibt, für einen recht verkrampfen Grundton sorgt, variiert er den Witz so, dass der Krampf nicht auch noch eintönig wird. So lässt Robin beizeiten den sinnhaften Zusammenhang über den Nonsens siegen: Als Marian ihm die Mythologie der „Prinzessin Nausicaä“ auftischt, sieht er ein, dass bei diesem Unfug etwas nicht stimmen kann. Jahrzehnte nach Monty Python hat aber das alberne Sinnvakuum als Erzählkonzept ziemlich an Frische verloren. Robin erscheint in einer Großstadtkulisse eher wie ein ausgereiztes Serienmonstrum à la „Jason in Manhattan“ aus „Freitag, der 13.“.

Robins Vorsatz, seinem gebrechenreichen Leben noch ein wenig Würde zu verabreichen, taugt zwar als Aufhänger für die Entwicklung der Geschehnisse. Aber das führt eine ernsthafte Dimension ein, die man im Verlauf des ganzen flüchtigen Ulks immer wieder vermisst. Wenn der Sheriff entsetzt erkennt, dass ihm mit Robins Tod seine Lebensaufgabe abhanden gekommen ist und selbst darüber stirbt, kommt zugleich der Makel der wundersamen Abenteuer von Robin Hood zum Vorschein: Es fehlt darin etwas, woran wir uns festhalten können.

Manu Larcenet: Die wundersamen Abenteuer von Robin Hood - Die Legende von Robin Hood, aus dem Französischen von Kai Wilksen, Handlettering von Dirk Rehm, 48 Seiten, 12 Euro, Reprodukt. Leseprobe unter diesem Link.

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