Piratencomic : Mit Dodo und Degen

So erzählfreudig war Lewis Trondheim lange nicht: Seine Seeräubergeschichte "Insel Bourbon 1730" ist fast 300 Seiten dick - und erstaunlich detailverliebt.

Peer Göbel
Trondheim Bourbon
Insel Bourbon 1730. Trondheim zeichnet einen historischen Roman. -Illustration: Reprodukt

Nach Fantasy-, Funny-, Autoren- und Kunstcomic hat Lewis Trondheim, einer der wichtigsten Zeichner des aktuellen französischen Comics, nun eine Piratengeschichte vorgelegt. "Insel Bourbon 1730" ist ein historischer Roman, ein mächtiger Kolonialkrimi in Schwarz-Weiß. Zusammen mit dem Literaturprofessor und Comicautor Apollo hat Trondheim eine fiktive Handlung entworfen, die an historische Begebenheiten anknüpft – wie das ausführliche Glossar am Ende des Buchs verrät.

Zwei Ornithologen gelangen im Jahre 1730 auf die Insel Bourbon, das spätere La Réunion, auf der Suche nach dem legendären Laufvogel Dodo. Dort leben Kolonialherren mehr oder weniger friedlich mit amnestierten Piraten zusammen. Die Stimmung kippt, als bekannt wird, dass der letzte aktive Pirat, "La Buse", auf der Insel gefangen gehalten wird und gehängt werden soll. In den Bergen sammeln sich geflohene Sklaven, und die ehemaligen Piraten überlegen, was zu tun ist. Noch wirrer wird es, als die Tochter eines Plantagenbesitzers versucht, sich den geflohenen Sklaven anzuschließen.

Trondheim hat wieder gekrakelt

Ähnlich wirr wie die Handlung erscheinen manchmal die Zeichnungen: Lewis Trondheim hat wieder gekrakelt. In wenigen Strichen bekommen die Figuren mit den Tierköpfen eine Identität und einen Gesichtsausdruck, die Hintergründe sind schnell heruntergezeichnet, trotzdem nimmt sich Trondheim manchmal die Zeit, über mehrere Seiten hinweg eine Stimmung einzufangen. Die Geschichte ist komplex: Mit ungefähr fünf Handlungssträngen gleichzeitig und etwa dreißig tragenden Personen kommt man manchmal etwas durcheinander. Überraschende Wendungen und offensichtliche Witze sucht man vergeblich.

243628_0_b5c2e137.jpeg
Kunstvolles Gekrakel. Eine Szene aus Trondheims Kolonialkrimi.Illustration: Trondheim / Promo

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben