„Pogo“ von Walt Kelly : Ein politisches Opossum

Vor 40 Jahren endete Walt Kellys Strip „Pogo“. Bis heute gilt er als einer der besten Comics der Geschichte - und als so gut wie unübersetzbar.

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Possierliches Erscheinungsbild, erwachsene Inhalte: Pogo und seine Freunde auf einem Gruppenbild.
Possierliches Erscheinungsbild, erwachsene Inhalte: Pogo und seine Freunde auf einem Gruppenbild.Foto: Promo

Auf dem 1984 vom Eagles-Sänger Don Henley veröffentlichten Solo-Album „Building The Perfect Beast“ finden sich neben dem Hit „The Boys Of Summer“ im Titelsong die Zeilen „For we have met the enemy – and he is us“. Diese in den USA populäre Redensart entstammt der hierzulande kaum bekannten Comicserie „Pogo“ von Walt Kelly (1913–1973). Die hatte der Zeichner nach mehrjähriger Tätigkeit für Disney-Trickfilme und dem Zeichnen von Kindercomics 1941 geschaffen.

Pogo ist – und da wird die Schule, die Kelly durchlief, erkennbar – ein Opossum, das mit vielen schrulligen Tieren im Sumpf von Okefenokee lebt. Letztere diskutieren unter anderem über die Vorzüge der Staatsautonomie wegen Schwierigkeiten beim Absingen der Nationalhymne, wenn sie nicht gerade Gott den Tod attestieren. Obwohl Pogo aufgrund seines possierlichen Erscheinungsbildes auf jüngere Leser starke Anziehungskraft ausübte, richtete sich der Inhalt klar an ältere Leser. So bezieht sich die von Don Henley zitierte Redensart in seinem Song über Genmanipulation bei Pogo auf Umweltverschmutzung.

Inspiration für „Calvin und Hobbes“, Asterix und die Muppets

Die ursprünglich einem Comic-Heft entstammende und Ende der 40er Jahre zum landesweit erfolgreichen Zeitungsstrip weiterentwickelte Tierfabel lief in den sechziger und siebziger Jahren zur Hochform auf. Denn Kelly beschränkte sich nicht darauf, dem Leser eigene Macken aufzuzeigen, er kommentierte überdies aktuelle innenpolitische Entwicklungen. Das machte, neben einem im Lokalen verwurzelten Dialekt und exzessiven Wortspielen, eine deutsche Übersetzung nahezu unmöglich. Lediglich die Beilage „Slapstick“ der Satirezeitschrift „Pardon“ und der Melzer-Verlag wagten sich in den siebziger Jahren an den Stoff.

Pogos Welt
Titelbild für das Taschenbuch " Positively Pogo", 1957, Tusche auf Karton.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: © Carsten Laqua, Pogo © OGPI
20.07.2015 15:33Titelbild für das Taschenbuch " Positively Pogo", 1957, Tusche auf Karton.

Ein weiteres Hindernis war das richtungsweisende Lettering, das Kelly pflegte, insbesondere für Figuren wie den aufgeblasenen P. T. Bridgeport, dessen Sprechblasen aufgrund ihres Schriftbildes wie Attraktionen ankündigende Zirkusplakate aussahen.

Vor 40 Jahren, am 20. Juli 1975, endete Walt Kellys „Pogo“. Es gab den erfolglosen Versuch, den Strip während der 90er Jahre mit anderen Künstlern fortzuführen, aber die Zeiten hatten sich geändert.

Pogo lebt aber in anderen kreativen Geistern fort. „Calvin und Hobbes“-Autor Bill Watterson zählt ihn zu seinen Haupteinflüssen, neben den „Peanuts“ und „Krazy Kat“. Auch „Asterix“ und „Bone“ oder TV-Serien wie „Die Muppet-Show“ wurden von „Pogo“ beeinflusst. Und Don Henley.

Hinweis: Der Berliner Comic-Händler und Walt-Kelly-Experte Carsten Laqua ist der Co-Autor des Buches „Walt Kelly - The Life and Art of the Creator of Pogo“, unter diesem Link gibt es einen Auszug daraus auf Deutsch zu lesen.

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